Jannowitzbrücke

Intensivtäter: S-Bahn-Schläger bei Razzia festgenommen

Die jungen Syrer haben laut Polizei am Bahnhof Jannowitzbrücke eine Frau beleidigt und zwei Männer zusammengeschlagen.

Bundespolizisten führen am Dienstagmorgen in Britz einen 17 Jahre alten Mann ab

Bundespolizisten führen am Dienstagmorgen in Britz einen 17 Jahre alten Mann ab

Foto: Paul Zinken / dpa

Razzia in Berlin: Die Bundespolizei hat am frühen Dienstagmorgen mehrere Wohnungen durchsucht und drei Haftbefehle vollstreckt. Hintergrund sind die Ermittlungen nach einer brutalen Attacke im März dieses Jahres, bei der zwei Männer am Bahnhof Jannowitzbrücke schwer verletzt wurden. Den Verhafteten und ihren Komplizen wird gemeinschaftlich begangene gefährliche Körperverletzung vorgeworfen.

Im Gesicht des Opfer war der Fußabdruck zu erkennen

Insgesamt sechs Flüchtlinge haben den Ermittlungen zufolge am 4. März zwei 29 und 31 Jahre alte Männer attackiert und verletzt. Die beiden waren zuvor in einer S-Bahn zwischen Alexanderplatz und Jannowitzbrücke einer Frau zur Hilfe gekommen, die von den Tatverdächtigen beleidigt worden war. Als die beiden Männer am Bahnhof Jannowitzbrücke ausstiegen, fielen die jungen Männer über sie her und prügelten sie zu Boden. Danach traten sie weiter auf ihre Opfer ein. Die Angriffe waren so heftig, dass bei einem der Opfer der Schuhabdruck nach der Tat im Gesicht zu sehen war.

Zu den Verdächtigen ist noch relativ wenig bekannt. Die drei am Dienstag Verhafteten sind Syrer und wegen Körperverletzung und Eigentumsdelikten bereits polizeibekannt. Ammar F. (18) wurde in einer Pension in Wedding, in der Flüchtlinge leben, verhaftet. Er stellte sich im Beisein seines Vaters. Mustafa M. (18) fassten die Einsatzkräfte in einer Wohnung in Tempelhof, genau wie Mohamad G. (17), der in Neukölln verhaftet wurde.

Die jungen Männer leben seit etwa 2015 in Deutschland und befinden sich derzeit in einem Asylverfahren. Ein weiterer Syrer, der 18-jährige Sami I., der auch an der Attacke beteiligt gewesen sein soll, sitzt bereits wegen anderer Vergehen im Gefängnis. Zwei weitere Tatverdächtige, die auch an der Attacke beteiligt gewesen sein sollen, sind noch auf freiem Fuß.

Die Bundespolizei griff bei ihrer Suche nach den Tätern auch auf Videoaufnahmen vom Bahnhof zurück. Ende April fahndeten sie mit Fotos nach den Verdächtigen. Bei den Ermittlungen wurde auch das Umfeld der jungen Männer untersucht und die sozialen Netzwerke im Internet durchforstet. Beim Zugriff am Dienstagmorgen durchsuchten die insgesamt 140 Beamten außerdem sechs Wohnungen in Neukölln, Wilmersdorf, Wedding, Tempelhof, Lichtenberg und Kreuzberg. Dabei stellten sie umfangreiches Beweismaterial, darunter Kommunikationstechnik, verschiedene Dokumente und Bekleidung, sicher. Unterstützt wurden die Ermittlungen der Bundespolizeiinspektion durch das für Intensivtäter zuständige LKA der Berliner Polizei.

In einer der Wohnungen traf die Polizei auch auf eine 16-jährige Jugendliche, die als vermisst galt und dem Kindernotdienst übergeben wurde.

Der Präsident der Bundespolizeidirektion Berlin, Thomas Striethörster, zeigte sich nach dem erfolgreichen Zugriff zufrieden: "Die Durchsuchungen und Festnahmen heute zeigen, dass wir konsequent gegen Gewalttäter vorgehen und alle rechtlichen Möglichkeiten ausschöpfen, die Tatverdächtigen schnell zu identifizieren und festzunehmen."

Vor wenigen Wochen sorgte ähnlicher Fall für Empörung

Doch ob die Tatverdächtigen jemals abgeschoben werden können, ist unklar. Denn Syrien ist ein Kriegsgebiet und eine Abschiebung nicht möglich. Außerdem sind der Verwaltung oft die Hände gebunden, wenn keine Urteile der Justiz vorliegen.

Der Fall erinnert an einen anderen mit polizeibekannten Asylbewerbern. Anfang Mai hatte eine Gruppe junger Männer in einer U-Bahn randaliert, anschließend eine Frau in Wilmersdorf attackiert und verletzt. Die Männer im Alter von 19 bis 22 Jahren sind afghanische Flüchtlinge. Sie mussten sich im Polizeigewahrsam einer erkennungsdienstlichen Behandlung unterziehen. Anschließend wurden sie wieder auf freien Fuß gesetzt.

Das sorgte für Empörung. Aus der Innenverwaltung hieß es damals, dass Berlin abschieben würde, wenn die Tatverdächtigen verurteilt würden.

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