Friedrichshain

Nebelkrähen plündern Entennester im Volkspark Friedrichshain

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Eine Nebelkrähe auf dem Tempelhofer Feld.

Eine Nebelkrähe auf dem Tempelhofer Feld.

Foto: dpa

Wilde Natur in Berlin: Nebelkrähen schnappen sich Küken aus Nestern auf dem Großen Teich im Volkspark Friedrichshain.

Naturspektakel mitten in Berlin. Es herrscht hektisches Treiben auf dem Großen Teich im Volkspark Friedrichshain. Stockenten-Männchen buhlen um die Weibchen. Mandarinenten brüten unter Bäumen auf der Insel ihre Eier aus. Blässhühner suchen Futter für ihre Küken, die im schwimmenden Nest mitten auf dem Wasser sitzen und ihre Köpfchen nach oben strecken.

Doch genau diese schwimmende Kinderstube wird ihnen gleich zum Verhängnis. Die Gefahr lauert nämlich aus der Luft. Nebelkrähen haben den plüschigen Nachwuchs als leichte Beute ausgemacht. Ungeachtet der vielen Spaziergänger an diesem sonnigen Sonntagmittag setzen sie sich auf das Geländer und warten auf den richtigen Moment. Eines der Elterntiere schleppt aus einiger Entfernung mit dem Schnabel einen Zweig zur Verstärkung des Nestes heran, während das andere Elterntier abtaucht. Die Nebelkrähe startet ihren Angriff und schnappt unter den entsetzten Augen von kleinen Kindern, die durch das Geländer die Idylle beobachten, eines der beiden piepsenden Fellbündel und fliegt davon.

Viele Berliner melden Nebelkrähen als Nesträuber

Menschen, die mit Sonne im Gesicht das tierische Treiben genossen, blicken sich entsetzt an, um anschließend ihren Kindern das Gesehene zu erklären. Dann kehrt die Krähe bereits zurück und schnappt sich auch das zweite und letzte Küken. Jetzt ist das Nest leer, die Eltern suchen paddelnd die Umgebung ab. Nichts. Kurz darauf bauen sie jedoch schon weiter am Nest, dass bei den schwarzen Vögeln, mit dem weißen Fleck auf der Stirn, ständig ausgebessert wird. Bald werden sie nämlich wieder mit der Aufzucht beginnen. Bei Blässhühnern, auch Blässrallen genannt, kann es bei einem Verlust des Geleges bis zu fünf Nachgelege geben.

Nabu zählt 4500 Reviere von den Nesträubern in Berlin

Der Nabu in Berlin bestätigt das grausame Naturschauspiel auf seiner Website und berichtet von vielen gemeldeten Beobachtungen, nach denen Nebelkrähen Jungvögel aus den Nestern getragen haben. Das wiederum könne auch zu einer Abnahme von Singvögeln durch die Nesträuber in Berlin führen. Laut Nabu haben die Brutbestände von Nebelkrähen in den vergangenen Jahren deutlich zugenommen. Mittlerweile gibt es rund 4500 Reviere und in der Innenstadt nehmen sie zu. An den Rändern Berlins ist keine Zunahme mehr zu beobachten, wie es heißt.

So brutal das Schauspiel auch ist, es ist der Gang der Natur und ihrer Nahrungskette.

( BM )