Neukölln

Der Gemeinschaftsgarten pflanzt fürs Karma

In Rixdorf ist ein neuer Gemeinschaftsgarten entstanden. Frühere Projekte in Neukölln scheiterten – vor allem wegen Vandalismus.

Helena Schoch (28), Johannes Schnettker (35) und Larissa Krause (26) von Karma Kultur

Helena Schoch (28), Johannes Schnettker (35) und Larissa Krause (26) von Karma Kultur

Foto: Amin Akhtar

So richtig üppig ist die Vegetation noch nicht. Die Frage ist, ob in den frisch gezimmerten Hochbeeten Rosmarin, Salbei und Griechischer Bergtee nach den Eisheiligen wirklich das Gröbste überstanden haben. Seit Ende April trotzen die Pflanzen den wenig frühlingshaften Temperaturen. Zwei Wochen, in denen Neukölln um einen schönen Ort reicher geworden ist: den Gemeinschaftsgarten des Vereins „Karma Kultur“.

„Mein Bruder macht viel Yoga, und wir dachten natürlich auch an Permakultur, daraus wurde dann Karma Kultur“, erklärt Mitinitiatorin Larissa Krause. Ihr Bruder war es, der mit seiner Tochter beim Spazierengehen an dieser ehemaligen Streuobstwiese vorbeikam. Man muss schon wissen, dass es sie gibt, zufällig verschlägt es wenige hierher.

Zwischen Kirchgasse und Böhmischer Straße liegt der Garten genau dort, wo Rixdorf noch das Dorf ist, das es im Namen trägt. Einige Obstbäume lassen noch die alte Streuobstwiese erahnen. Zwischen Hochbeeten, bepflanzten Blechkanistern und der Sitzgruppe aus Europaletten herrscht hier neben Mietskasernen, Brandmauern und einem Parkplatz diese typische Urban-Gardening-Idylle, die schnell für einen Erholungseffekt sorgt.

„Gerade in Neukölln, wo so viele unterschiedliche Menschen leben, bietet der Garten einen niedrigschwelligen Raum, um sich zusammenzufinden“, sagt Larissa. „Ein Ort, wo jeder sich einbringen kann.“ Gemeinsam mit Gleichgesinnten gründete die 26-Jährige den Verein im vergangenen Frühjahr, als rechtliche Grundlage für den geplanten Garten. Die Fläche bekamen die Hobbygärtner allerdings erst Anfang dieses Jahres übergeben, da sie zunächst verkehrssicher gemacht werden musste.

Radikaler Baumbeschnitt stieß auf Unverständnis

Ein Baumbeschnitt des Grünflächenamtes, bei dem morsche, umsturzgefährdete Bäume gefällt wurden, lief wohl radikaler ab als erwartet. Das stieß auf Unmut und Unverständnis unter Gärtnern und Anwohnern. Nun aber haben sie die Fläche, das ist die Hauptsache. Die Stadt gewährt dem Verein zunächst ein Nutzungsrecht über drei Jahre, mit Aussicht auf Verlängerung. In den letzten Jahren gab es hier schon Gartenversuche, die allerdings an Vandalismus scheiterten, erzählt Larissa.

Doch sie und ihre Mitgärtner fühlen sich bislang recht gut angenommen im Kiez. Am Wochenende wurde der Garten mit einem Frühlingsfest offiziell eröffnet. „Auch, wenn wir durch unsere pure Anwesenheit auf der Wiese automatisch Ansprechpartner für ganz andere Konflikte sind“, sagt sie. Seit Langen schwele ein Streit zwischen Anwohnern und Hundebesitzern darüber, wem die Wiese gehöre. „Bei uns sollen aber alle ihren Platz finden“, sagt Larissa. „Wir verstehen uns als Moderatoren.“

Mehr Informationen gibt es unter www.facebook.com/karmakulturgarten.