Berlin

Meine Kirche, meine Synagoge, meine Moschee

Das interreligiöse „House of One“ in Mitte erhält Unterstützung von Kindern und Jugendlichen

Das „House of One“ – das geplante interreligiöse Gebäude, das ab 2019 entstehen soll und unter einem Dach eine Synagoge, eine Kirche und eine Moschee beherbergen wird – hat junge Unterstützung bekommen. Seit Donnerstag werkeln, proben, singen und texten auf dem Petriplatz in Berlins historischer Mitte Kinder und Jugendliche zusammen mit Architekten, Künstlern, Musikern und Schauspielern.

Die 2000 Quadratmeter große „Mitmachbaustelle“ wird auch am Wochenende vor dem Kirchentag (20. und 21. Mai) sowie zum Kirchentag selbst (25. bis 28. Mai) offene Werkstätten für Kinder, Jugendliche, Familien und Besucher des Kirchentags bieten. Zuvor aber haben sich dort 240 Schüler aus verschiedenen Bezirken in Workshops auf die Suche nach Antworten gemacht, wie Menschen heute friedlich zusammenleben können – trotz aller Unterschiede.

Inspiriert wurde das Projekt des Freizeit- und Erholungszentrums Berlin (FEZ) vom Reformationsjubiläum 2017 und dem Projekt des gemeinsamen Bethauses von Juden, Christen und Muslime, das in dieser Konzeption einmalig ist. „Young House of One – Thesen für die Zukunft“, das ist unsere Art, das Reformationsjubiläum zu feiern, wobei wir uns anfangs schon gefragt haben, was können die Jugendlichen damit überhaupt anfangen, sagte FEZ-Geschäftsführer Thomas Liljeberg-Markuse. 1517 sei aber genauso von kulturellen und religiösen Auseinandersetzungen geprägt gewesen wie die heutige Zeit. 1517 bedeute eine Zeitenwende und vor allem einen emanzipatorischen Schritt in die Welt, in der wir heute leben. Dass Kinder gerade an diesem besonderen Ort jetzt neue Thesen für ein friedliches Zusammenleben formulierten, sei ein hoffnungsvolles Signal für die Zukunft.

Die zwei zwölfjährigen muslimischen Schülerinnen der Wilhelmstadt Sekundarschule (Spandau), die mit Eifer auf dem Gelände kleine Sitzmöbel bauten, sagten zum Thema: „Man sollte ohnehin jeden akzeptieren, wie er ist, und nicht jemanden ausschließen wegen seines Aussehens oder seiner Religion.“ In der Schule seien die unterschiedlichen Glaubensrichtungen bislang aber noch kein Thema gewesen.

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