Neue Studie

Schlaflos in Berlin - Mehrheit kommt nachts nicht zur Ruhe

Krankenkasse schlägt Alarm: Die Berliner können nicht mehr abschalten. Jeder zehnte Erwerbstätige hat sogar schwere Schlafstörungen.

Mehr als 1,25 Millionen Arbeitnehmer haben Schlafprobleme

Mehr als 1,25 Millionen Arbeitnehmer haben Schlafprobleme

Foto: dpa

Berlin.  Die Berliner finden nachts keine Ruhe. Mehr als 1,25 Millionen Arbeitnehmer haben Schlafprobleme. Das zeigt der aktuelle DAK-Gesundheitsreport, der sich vor allem mit dem Thema Schlaf beschäftigt hat. Betroffene sind ständig müde, schlafen höchstens fünf Stunden pro Nacht oder haben mehrmals pro Woche Durchschlafstörungen. Dieser Befund ist alarmierend, zumal die Zahl der Schlecht-Schläfer im Vergleich zu 2009 deutlich gestiegen ist. Vor acht Jahren gaben 52,3 Prozent der 35 bis 65 Jahre alten erwerbstätigen Berliner an, in den letzten vier Wochen gut geschlafen zu haben. 2016 hatten nur noch 18,2 Prozent keine Probleme.

Doch es kommt noch schlimmer. Laut Report leidet inzwischen jeder zehnte Beschäftigte in Berlin unter der besonders schweren Schlafstörung Insomnie. Gegenüber 2009 hat sich diese Zahl mehr als verdoppelt. Bei der Insomnie kommen Ein- und Durchschlafstörungen, schlechte Schlafqualität sowie Tagesmüdigkeit und Erschöpfung zusammen. In Berlin sind rund 165.000 Berufstätige von dieser Erkrankung betroffen – mit schwerwiegenden Folgen.

Chronisch schlechter Schlaf kann der Gesundheit ernsthaft schaden. So steigt das Risiko für eine Reihe von Erkrankungen wie Stoffwechselstörungen, emotionale Störungen, Bluthochdruck oder Herzschäden. Im Berufsalltag führen Schlafstörungen dazu, dass die Konzentrationsfähigkeit abnimmt. Betroffene sind irgendwann nicht mehr in der Lage, ihre Aufgaben zu erfüllen. Sie geraten unter zunehmenden Druck, der die Schlafprobleme noch verstärkt.

Leistungsdruck und Schichtarbeit sind Schlafkiller

Als Risikofaktoren für Schlafstörungen werden im DAK-Report ein hoher Leistungsdruck, ständige Erreichbarkeit, Schichtarbeit, viele Überstunden oder berufliche Unsicherheit benannt. Frauen sind demnach etwas häufiger betroffen als Männer. Weniger qualifizierte Arbeitnehmer haben ebenfalls ein größeres Risiko. Auch die fortschreitende Digitalisierung fordert ihren Tribut. Die Arbeit wird zunehmend flexibler, sowohl örtlich wie zeitlich. Bei vielen Erwerbstätigen wirkt sich das negativ auf den Schlaf aus.

In ärztlicher Behandlung wegen Schlafstörungen sind allerdings nur 3,6 Prozent der arbeitenden Berliner, und auch bei Krankschreibungen spielen Schlafprobleme kaum eine Rolle. Selbst von denen, die an einer Insomnie leiden, waren mehr als die Hälfte noch nie bei einem Arzt. Professor Thomas Penzel, Leiter des Interdisziplinären Schlafmedizinischen Zentrums der Berliner Charité, sagte, dass Schlafstörungen noch immer nicht salonfähig seien und auch von vielen Hausärzten unterschätzt würden. Dabei seien sie ein zunehmendes Problem. „Wer im Schlaflabor der Charité einen Termin haben will, muss inzwischen bis zu acht Monate warten.“

Jeder Einzelne könne aber etwas dafür tun, dass es gar nicht erst so weit kommt, so Penzel. Licht und Lärm müssten vermieden werden, vor dem Schlafengehen sollte man psychisch und körperlich herunterfahren, nicht zu schwer essen, keine dienstlichen Dinge mehr erledigen, Smartphone, Laptop oder Tablet weit weglegen. Der Mondzyklus spiele bei Schlafproblemen indes keine Rolle. Höchstens das Licht des Vollmondes könne schlafbeeinträchtigend sein, so Penzel.

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