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Neubauten statt Notunterkünfte für Flüchtlinge in Berlin

Berlin plant 32 Modularbauten und 23 Containerdörfer für Flüchtlinge. Die Tempohomes werden viel teurer.

Ankunft von Flüchtlingen an einem Tempohome in Lichtenberg

Ankunft von Flüchtlingen an einem Tempohome in Lichtenberg

Foto: DAVIDS/Boillot / DAVIDS

Wer baut, muss mit unliebsamen und meist teuren Überraschungen rechnen. Das erlebt derzeit auch die landeseigene Berliner Immobilien-Management GmbH (BIM). Sie ist zuständig für den Bau der sogenannten Tempohomes, der Containerquartiere für Flüchtlinge. 30 dieser Unterkünfte sollten errichtet werden, dafür waren 78 Millionen Euro bewilligt. Doch das Geld reichte nicht. Nun genehmigte der Hauptausschuss des Abgeordnetenhauses einen satten Nachschlag von 32,1 Millionen Euro. Dafür werden allerdings nur 23 Containerquartiere errichtet.

Finanzverwaltung und BIM nennen etliche Gründe für die Kostensteigerung: Die Gebäude würden als Gemeinschaftsunterkünfte gebaut, das erfordere einen anderen Ausstattungsstandard, etwa Küchen sowie Waschmaschinen und Trockner. Auch die Außenanlagen und Spielplätze seien jetzt besser gestaltet. Mehrkosten seien aber auch bei der Erschließung der Grundstücke entstanden, sowie durch Arten- und Lärmschutz, fehlerhafte Lieferung von Containern oder Baumängel.

Die Unterkünfte sind jeweils für drei Jahre genehmigt, ihre bauliche und technische Lebensdauer ist allerdings länger. BIM-Geschäftsführer Sven Lemiss bestreitet, dass die Tempohomes nicht wirtschaftlich sind. Im Vergleich mit anderen Unterkünften schnitten sie nicht schlecht ab, da seien sich die Senatsverwaltungen für Finanzen und Soziales einig. Beobachter schließen indes nicht aus, dass die Senatsverwaltung zumindest an einigen Standorten versuchen wird, die Genehmigung zu verlängern.

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Umstrittener Standort am Tempelhofer Feld

Unstrittig ist auch, dass die dort geschaffenen Plätze gebraucht werden. Laut Senatssozialverwaltung leben noch 12.200 Flüchtlinge in 42 Notunterkünften. Diese sollen nach dem Willen der Koalition "so schnell wie möglich" aufgegeben werden. Eine Liste, in welcher Reihenfolge große Notunterkünfte freigezogen werden sollen, werde zurzeit erarbeitet, sagte Verwaltungssprecherin Regina Kneiding der Berliner Morgenpost.

13 Unterkünfte mit rund 3300 Plätzen wolle die BIM bis zum Sommer dieses Jahres fertigstellen und an das Landesamt für Flüchtlingsangelegenheiten (LAF) übergeben, erklärte Lemiss. Der Doppelstandort Buchholzer Straße (Elisabethaue) sei nach Verzögerungen wegen Problemen mit der Baufirma jetzt fertiggestellt.

Die Unterkunft an der Dingolfinger Straße in Marzahn-Hellersdorf werde noch im Mai übergeben, die an der Lissabonallee in Steglitz-Zehlendorf bis Mitte Juni. Beim umstrittenen Vierfachstandort am Flughafen Tempelhof mit mehr als 1000 Plätzen sei die Fertigstellung für Mitte bis Ende Juli geplant, so Lemiss, bei der Unterkunft an der Neuköllner Karl-Marx-Straße im Sommer. An der Alten Jakobstraße in Friedrichshain-Kreuzberg hätten nun die Bauarbeiten begonnen. Es dauert aber zwei bis drei Monate, bis die baulich fertiggestellten Quartiere eingerichtet sind und bezogen werden können.

Sieben Tempohomes mit insgesamt knapp 2000 Plätzen wurden bereits bezogen

An der Finckensteinallee in Lichterfelde und an der Hohenschönhauser Straße in Lichtenberg sei der Baubeginn noch in diesem Monat geplant, an der Fritz-Wildung-Straße in Wilmersdorf im Sommer, sagte der BIM-Geschäftsführer der Morgenpost. Drei weitere Containerquartiere seien geplant, zwei in Reinickendorf, eins in Spandau. Dafür liege aber noch keine Genehmigung vor.

Sieben Tempohomes mit insgesamt knapp 2000 Plätzen wurden bereits bezogen, an der Zossener Straße in Marzahn-Hellersdorf, am Quittenweg in Treptow-Köpenick, an der Wollenberger Straße in Lichtenberg, an der Siverstorpstraße in Pankow, am Oberhafen in Spandau sowie an der Gerlinger Straße (Doppelstandort auf den Buckower Feldern). Wenn alle Tempohomes errichtet sind, können dort rund 5300 Flüchtlinge wohnen. In der ersten Planung waren mehr als doppelt so viele in Notunterkünften vorgesehen.

Eine Lebensdauer von mindestens 50 Jahren haben die 32 in Modularbauweise errichteten Flüchtlingsunterkünfte (MUF). Zehn dieser Häuser will die Senatsverwaltung für Stadtentwicklung errichten, bis auf eines sind alle bezogen, im Bau oder in der konkreten Planung. Zwölf MUF bauen die landeseigenen Wohnungsbaugesellschaften, zehn Projekte sind konkret. Weitere zehn Modularbauten soll die landeseigene Gesellschaft BEFU errichten, davon ist erst einer geplant.

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