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Warum auf der re:publica ein Trump zum Kuscheln sitzt

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Theresa Martus
Der US-Präsident ist omnipräsent auf der Internet-Konferenz

Der US-Präsident ist omnipräsent auf der Internet-Konferenz

Foto: Reto Klar

Auf die Besucher der Internet-Konferenz wartet eine Plüschfigur des US-amerikanischen Präsidenten.

Mitten in der „re:publica“ sitzt Donald Trump auf einem Sofa und grinst. Nicht der echte natürlich, aber eine zwei Meter große Plüschfigur, die dem Original ziemlich nahekommt: Rote Krawatte, Handy in der Hand und die Haare liegen auch Trump-typisch.

Erst, wenn er spricht, offenbaren sich Unterschiede. Wenn sich Konferenz-Besucher für ein Foto neben den Plüsch-Präsidenten setzen und sich dabei an seinen Arm lehnen, fängt der re:publica-Trump an zu reden. Er sagt dann auf Englisch Dinge wie „Ich respektiere Frauen. Sie sind die Besten“, „Ich liebe Mexikaner“ und „Muslime sind wirklich großartige Typen“. Für möglichst originalgetreue Trump-Diktion sorgt der kalifornische Moderator, der die Sätze eingesprochen hat. „Love thine enemy“ heißt die Installation, die die Besucher animieren will, den umstrittenen Politiker zu umarmen, „Liebe deinen Feind“.

„Es wird im Netz so viel gehasst“, sagt Christian Clawien von der Werbeagentur FischerAppelt, den Machern der Installation. „Bei politischen Themen gibt es in letzter Zeit eine unglaubliche Polarisierung und eine Verhärtung in der Debatte.“ Dem solle der Kuschel-Trump etwas entgegensetzen. „Wenn man einen positiven Diskurs haben will, muss man auch mal einen Schritt auf Leute zugehen, die man nicht mag.“

Das sehen viele Besucher am Montag ähnlich, der Plüsch-Trump bekommt viele Umarmungen. „Den zu knutschen, ist doch das einzige, was man machen kann“, sagt Jens Stoewhase. „Man muss dem mit Humor begegnen. Die Ohnmacht lässt einem nur diese Möglichkeit.“ Ganz so großzügig verzeihend sind andere Besucher nicht.

Den einen oder anderen Mittelfinger muss der Plüsch-Präsident lächelnd ertragen, Griffe ans untere seiner Krawatte auch. Stefanie Herzog steckt ihm am Eröffnungsmorgen den Finger in die Nase. Das sei natürlich nicht despektierlich gemeint, versichert sie. „Er hatte was in der Nase, ich wollte nur helfen.“ Die Aktion mit der Puppe findet sie gut. „Aber ihn nur umarmen, das ist dann doch zu einfach.“

Von all der Liebe soll auch das Original etwas abhaben: Auf Knopfdruck schickt ein Twitteraccount Grüße an den Account des Präsidenten. Die Botschaft: „Hugs not hate“ – Umarmungen statt Hass.

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