Interview

Für Christian Lohse ist in Berlin die Vielfalt der Trend

Zwei-Sterne-Koch Christian Lohse über seinen neuen Online-Shop, Esskultur und seine Liebe zu Berlin.

„Vor dem Kochen: Gehirn einschalten“ - Zwei-Sterne-Koch Christian Lohse

„Vor dem Kochen: Gehirn einschalten“ - Zwei-Sterne-Koch Christian Lohse

Foto: Joerg Lehmann / BM

Christian Lohse ist Küchenchef im Zwei-Sterne-Restaurant "Fischers Fritz" im Hotel "Regent" in Mitte. Neben seinen zahlreichen Auftritten im Fernsehen hat er jetzt auch einen Online-Shop eröffnet. Ein Gespräch über Esskultur und Ernährung.

Herr Lohse, Sie sind ein erfolgreicher Küchenchef mit einem Zwei-Sterne-Restaurant, zahlreichen TV-Auftritten usw. Warum jetzt mit "Lohse Kost" noch ein Online-Shop?

Christian Lohse: "Noch ein" ist falsch – ich habe schon immer ausschließlich spektakuläre und allerbeste Produkte verwendet. Unser einmaliger Ruf vom "Fischers Fritz" kommt nicht von ungefähr. Das "Fischers Fritz" kann sich leider nicht jeder leisten, oder es ist schlicht zu weit, aber mit lohse-kost.de kommen High-End-Produkte für jedermann in den Handel, was es so noch nicht gibt.

Sie starten mit gerade einmal drei Produkten, warum so wenige?

Wir starten mit drei Basics – Salz, Pfeffer und Öl. Es gibt schon jetzt viel mehr Produkte im Shop, wie zum Beispiel ganz einmalige Nussmischungen oder meine Lieblingswurst: die Ahle Wurst. Was wir noch in der Pipeline haben, wird alle überraschen.

Pfeffer, Olivenöl, Salz, sicher wie Sie sagen die Basics jeder Küche – und es gibt sie in den Supermärkten wie Sand am Meer. Was macht Ihre Produkte so besonders?

Schauen Sie mal auf die Etiketten: Flor de Sal aus Portugal, nicht irgendein stinknormales Flor de Sal, sondern das Salz, mit dem die Marnotos – also die Salzbauern – in die Wettbewerbe gehen. Schwarzer Kampot-Pfeffer aus Kambodscha ist nicht zu toppen, direkt von der Plantage und so unglaublich intensiv. Das Olivenöl aus der Kalamata-Olive kommt auch direkt vom Erzeuger aus Griechenland.

Angeblich werden auch in der gehobenen Gastronomie immer mehr Convenience-Produkte eingesetzt. Ist das so und woran liegt das?

Bei uns im "Fischers Fritz" gibt es das nicht, bei mir zu Hause auch nicht – ansonsten: no comment.

Immer weniger junge Menschen können kochen. Warum ist das so?

Schauen Sie mal in viele Kitas oder Grundschulen – was wird da kredenzt? Mit Verlaub: fast nur Schrott. Zu Hause ist auch immer weniger Zeit zum Kochen, und Kollege Thermomix ersetzt niemals das geile Gefühl eines brutzelnden Wiener Schnitzels in der Gusseisenpfanne.

Was empfehlen Sie denen, die es lernen wollen?

"Lohses Mundwerk" mit Rezepten für Suppen und Eintöpfe – und sich überraschen lassen von unseren Ideen diesbezüglich.

Und was empfehlen Sie denen, die keine Zeit oder Lust dazu haben?

Da ist Hopfen und Malz verloren.

Berlins Gastronomie ist so vielfältig wie in kaum einer anderen Stadt. Erkennen Sie einen Trend?

Trends gibt es hier nicht, vielleicht ein paar vorübergehende Highlights wie die Unmenge an Burger-Läden. Wie Sie sagen, die Vielfalt ist der Trend!

Warum sind Sie in Berlin, was verbinden Sie mit der Stadt?

Die Flucht vor einem 2.-Liga-Drama. Nein, Scherz beiseite. Berlin ist so was von geil, Punkt!

Die Lebensmittelindustrie schreibt uns vor, was wir essen, wie wir uns ernähren sollten. Wie aber sollten wir uns Ihrer Meinung nach ernähren?

Das lässt sich nicht in einem Satz unterbringen. Wenn dem Verbraucher klar ist, dass ein Huhn für 2,95 Euro nichts taugen kann, ist schon viel gewonnen.

Was ist für Sie gutes Essen?

Geile Zutaten, zusammen kochen, zusammen essen und ein leckerer Wein.

Wie wird sich unsere Ernährung in den nächsten Jahren entwickeln?

Ich hoffe, dass ich es mitbestimmen darf.

Sie sind am Freitag 50 geworden – was hat sich damit für Sie geändert, und was wünschen Sie sich für die Zukunft? Herzlichen Glückwunsch übrigens.

Danke erst mal – ich finde das seit Langem den ersten richtig guten Geburtstag mal wieder. Ich fühle mich angekommen im Leben, was ganz viel an meiner tollen Frau und der grandiosen Tante Lou – unserem Jack Russell Dackel – liegt. Der Lebensabschnitt ist ein neuer, das ist nicht an einem Tag festzumachen, aber es ist ein geiles Gefühl, endlich etwas zur Ruhe zu kommen. Ich wünsche mir ganz viele spektakuläre Abende mit Freunden – auch in unserer neuen Wohnung,

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