Gehälter angehoben

Grundschullehrer in Berlin bekommen deutlich mehr Geld

Neu angestellte Vollzeitkräfte erhalten bald 5100 Euro im Monat – und damit genauso viel wie Oberschulkollegen.

Unterricht an einer Grundschule

Unterricht an einer Grundschule

Foto: Peter Steffen / dpa

Berlin.  Der Senat hebt die Gehälter von Lehrkräften an Grundschulen deutlich an. Im ersten Schritt werden die rund 400 Grundschullehrer, die zum neuen Schuljahr 2017/2018 ihren Dienst antreten, ebenso bezahlt wie ihre Kollegen an Oberschulen. Das wird den Landeshaushalt rund 2,4 Millionen Euro jährlich kosten. Diesen Beschluss werde der Senat voraussichtlich in der kommenden Woche fällen, kündigte Bildungssenatorin Sandra Scheeres (SPD) am Mittwoch bei einer Veranstaltung des Vereins "Berliner Wirtschaftsgespräche" an.

Inklusive der im neuen Tarifvertrag vereinbarten Erhöhung bekommen die neu angestellten Lehrer an Gymnasien, Sekundarschulen und Grundschulen dann 5100 Euro brutto im Monat für eine Vollzeitstelle. Bisher lagen Grundschullehrer nach Angaben der Bildungsverwaltung mit ihrem Gehalt etwa 600 Euro darunter. Weil aber seit 2014 die Lehrkräfte für Grund- und für Oberschulen nach einem neuen Gesetz eine gleich lange Ausbildung durchlaufen, will die Senatorin sie auch gleich bezahlen, nach der Entgeltgruppe E 13. Berlin wäre das erste Bundesland, das die Zweiklassengesellschaft unter den Lehrkräften beendet.

Mehr Gehalt als Juniorprofessoren

Mit der Gehaltserhöhung soll die Laufbahn als Grundschullehrer attraktiver werden. Nach Angaben der Gewerkschaft GEW waren zum derzeit laufenden Schuljahr nur 18 Prozent der an den Grundschulen neu angestellten Lehrer auch ausgebildete Grundschulpädagogen. Die anderen waren Quereinsteiger oder Studienräte, die ohnehin schon besser bezahlt werden. Nur rund die Hälfte der an Grundschulen tätigen Lehrkräfte sind nach Schätzungen der GEW für diese Tätigkeit speziell ausgebildet.

Die Gehälter sind aber durchaus attraktiv: Juniorprofessoren an Berliner Hochschulen verdienen mit 4400 Euro etwa deutlich weniger als ein Grundschullehrer. Das Gleiche gilt auch für andere akademisch gebildete Personen, die im Zuge der jüngsten Einstellungswelle im Landesdienst anfangen.

Die Einstiegsgehälter für Berliner Lehrkräfte sind deswegen vergleichsweise hoch, weil alle – auch die Berufseinsteiger – sofort in die Erfahrungsstufe 5 eingeordnet werden. Damit will Berlin im Wettbewerb mit den anderen Bundesländern bestehen, die ihre Lehrkräfte anders als die Hauptstadt meist verbeamten. Normalerweise erreichen Mitarbeiter des öffentlichen Dienstes die fünfte Stufe erst nach mehreren Jahren Berufspraxis. "Wir sind konkurrenzfähig bei der Bezahlung der Lehrer", sagte Scheeres.

Auch ältere Lehrer sollen mehr Geld bekommen

Die Höherstufung von vielen der rund 30.000 Berliner Lehrerinnen und Lehrer darf auch weitergeführt werden. Die Tarifgemeinschaft der Länder, die den gemeinsamen Tarifvertrag aushandelt, hat die Ausnahmeregel für Berlin bis Ende 2022 verlängert. Um den Lehrern eine weitere Aufstiegsmöglichkeit zu bieten, wurde mit dem neuen Tarifvertrag eine weitere Erfahrungsstufe sechs eingeführt, zu der die Gehälter weiter steigen können.

Noch offen ist, wann die bereits länger angestellten Lehrkräfte in den Genuss höherer Gehälter kommen. Denn ab dem Schulstart im September könnte es sein, dass Berufseinsteiger neu in die Lehrerzimmer kommen, die mehr verdienen als ihre altgedienten Kollegen. Diese Aussicht hatte in den Kollegien für schlechte Stimmung gesorgt. Darum sollen die Alt-Lehrer sich für die Gehaltserhöhung über ein Punktesystem qualifizieren können. Berücksichtigt werden Erfahrung, ausgeübten Funktionen sowie Fortbildungen, die die Lehrkraft absolviert hat.

Die GEW geht davon aus, dass viele Lehrkräfte sofort die Voraussetzungen erfüllen. Andere sollen durch Fortbildungen die Chance erhalten, die nötige Punktzahl zu erreichen. Um mehrere Tausend Grundschullehrer besser bezahlen zu können, dürften einige Millionen Euro pro Jahr zusätzlich nötig sein. Die Bildungsverwaltung kann aber noch keine genaue Summe nennen, weil die Debatten mit der GEW und dem Finanzsenator über die Höherstufung der Bestandskräfte noch laufen. GEW-Sprecher Markus Hanisch sprach von einem "großen Schritt" für die Bildung in Berlin. Scheeres nannte es ihr "nächstes Ziel", auch die Bestandslehrer gleich zu bezahlen.

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