Best of Berlin

Wie man mit der Ringbahn Berlin entdecken kann

Die etwas andere Sightseeing-Variante: Berlin lässt sich wunderbar über die Stationen des S-Bahnrings entdecken. Eine Auswahl.

Schloss Charlottenburg: Viele Gäste besuchten bei schönem Wetter das Barockparterre im Garten des Schlosses. 17.000 Frühjahrsblumen haben die Gärtner gepflanzt, 20.000 Blumenzwiebeln werden in den nächsten Wochen aus der Erde sprießen

Schloss Charlottenburg: Viele Gäste besuchten bei schönem Wetter das Barockparterre im Garten des Schlosses. 17.000 Frühjahrsblumen haben die Gärtner gepflanzt, 20.000 Blumenzwiebeln werden in den nächsten Wochen aus der Erde sprießen

Foto: Brigitte Schmiemann

S Gesundbrunnen: Wasser, Grün und Fußball

Wunderbar lässt sich die Stadt auf einer Tour über den S-Bahnring erfahren. Wäre die S-Bahn schon vor gut 200 Jahren gefahren, hätte ein kleiner Spaziergang vom Bahnhof Gesundbrunnen die Badstraße hoch zu einer Quelle und zu Kureinrichtungen geführt. Letztere hießen „Friedrichs-Gesundbrunnen“. Zumindest erklärt das den Namen des Ortsteils. Heute lohnt der Weg nach Süden, in den Volkspark Humboldthain samt Flakturm. Oder ein Stück gen Osten: Eine, wenn auch verwitterte bronzene Ballskulptur an der Bellermannstraße 64 erinnert an das ehemalige Hertha-Stadion (Bellermannstr. 64).

S Gesundbrunnen, S1, 2, 9, 25, 41, 42

S Wedding: Zwischen Brauerei und Prime Time Theater

Anfangs ein Geheimtipp, ist „Gutes Wedding, schlechtes Wedding“, kurz „GWSW“, längst über die Weddinger Bezirksgrenzen hinaus bekannt. Allerdings ist die Soap des Prime Time Theaters (Müllerstr. 163) mit inzwischen mehr als 100 Folgen keine TV-Produktion, sondern spielt live auf der Bühne. Von der Bühnen- zur Bierkultur. Die findet sich im Eschenbräu. Martin Eschenbrenner sorgt in seiner Hausbrauerei mit Gaststätte und Biergarten für selbst gebrauten Gerstensaft sowie Brände (Triftstr. 67, tägl. ab 17 Uhr, ab Mai ab 15 Uhr).

S Wedding, S9, 41, 42

S Westend: Kunst rund um das Schloss Charlottenburg

„Schloss- und Museumsbahnhof“ wäre ein passender Name. Ein Stück den Spandauer Damm hinunter steht man vor dem Schloss Charlottenburg: ein Juwel mit dem Kronschatz und den Silberkammern der Hohenzollern, dem Neuen Flügel mit barocken und frühklassizistischen Meisterwerken sowie dem weitläufigen Schlosspark. Vis-à-vis neuzeitlichere Kunst: Werke von Picasso, Klee und Matisse im Museum Berggruen, fantastische Kunst von Goya bis Magritte in der Sammlung Scharf-Gerstenberg sowie Jugendstil und Art Deco im Bröhan Museum.

S Westend, S41, 42, 46

S Bundesplatz: Filme und Schokolade in Wilmersdorf

Seit mehr als 100 Jahren gibt es am Bundesplatz ein Lichtspieltheater. 1913 eröffnet und vor sechs Jahren komplett renoviert – erhalten blieb das alte „Bundesplatz Studio“-Logo – zeigt das Bundesplatz Kino Filme, die zuvor in Premierenkinos zu sehen waren. Unweit wurde sieben Jahre zuvor die Loeser & Wolff-Cigarrenhandlung eröffnet. Die Originaleinrichtung von 1906 gibt es noch. Allerdings inzwischen anders bestückt. Martin Hesse offeriert im Süßkramdealer (Varziner Str. 4) Schokoladen aus aller Welt.

S Bundesplatz, S41, 42, 45, 46

S Schöneberg Die Zukunft erleben am Gasometer

Seit zehn Jahren entwickeln Unternehmen aus den Bereichen Energie, Nachhaltigkeit und Mobilität auf dem Euref Campus am Schöneberger Gasometer innovative Zukunftsprojekte. Auch als Normalbürger kann man das 5,5 Hektar große Gelände aufsuchen und Innovationen für die Zukunft erleben. Es gibt vier schöne Tagesrestaurants. Das in der Nähe gelegene Odeon-Kino hat als erstes in Berlin Filme in englischer Originalfassung mit Untertiteln gezeigt (Hauptstr. 116). Schräg gegenüber: das Jugend-Museum und das Stadtbad Schöneberg.

S Schöneberg, S1, 41, 42, 45, 46

S Tempelhof: Urbanes Grün und eine Gedenkstätte

Tempelhofer Damm, Stadtautobahn und S-Bahn-Ring – der Bahnhof Tempelhof ist ein Verkehrsknotenpunkt. Einst noch mit Flugverkehr. Inzwischen beschert der ehemalige Tempelhofer Flughafen den Berlinern ein urbanes, 300 Hektar großes Naherholungsgebiet zum Spazieren, Skaten, Kite-Surfen und Picknicken. In Bahnhofs-Laufnähe befindet sich auch ein Gedenkort an die Nazi-Zeit: das SA-Gefängnis Papestraße am Werner-Voß-Damm 54a.

S Tempelhof, S9, 41, 42, 45, 46

S Hermannstraße: Zauberei und Scherze aus dem Automaten

Ob sich der große Houdini auch beim Zauberkönig ausgestattet hat? Zeitlich passen würde es. Der amerikanisch-ungarische Zauberkünstler wurde 1874 geboren, das Zauber- und Scherzartikel-Geschäft 1884 eröffnet. Damit Nachwuchs-Magier auch außerhalb der Öffnungszeiten (Mo.–Sbd. 11–19 Uhr, Hermannstr. 84) einkaufen können, steht seit Ostern ein Automat vor der Tür: Minihände, Vogelpfeifen, Klebe-Bärte jeweils für zwei Euro. In der Nähe kann man im Körnerpark lustwandeln und die Galerie im Körnerpark (tägl. 10–20 Uhr) besuchen.

S Hermannstraße, S8, 9, 41, 41,45, 46

S Treptow: Mit der Bahnzum Restaurant-Schiff

Vom Bahnhof Treptower Park ist es ein Katzensprung zum Hafen Treptow. Dort legen die Dampfer der Stern und Kreisschiffahrt ab. In dem ab 1876 angelegten Volkspark befindet sich das Sowjetische Ehrenmal und die Archenhold-Sternwarte. Für kulinarische Stopps eignen sich der Zenner-Biergarten mit 1500 Plätzen (Mo.–Sbd. ab 12, So. ab 10 Uhr) und das Restaurantschiff Klipper (tägl. ab 10 Uhr).

S Treptow, S8, 9, 41, 42, 46, 85

S Landsberger Allee: Berliner Küche mit Blick aufs Velodrom

Während Sternekoch Alexander Koppe zeigt, wie man die deutsche und Berliner Küche modern interpretieren kann, serviert seine Mutter Edeltraut Berliner Hausmannskost. Das macht sie jeden Sonntag (11–15 Uhr, 39 Euro) dort, wo sonst ihr Sohn am Herd steht. Im Restaurant skykitchen im zwölften Stock des Hotels andel’s by Vienna House mit grandioser Berlin-Sicht. Den Blick auf die Bühne oder die Radrennbahn wie beim Sechstagerennen, neuer Name Six Day Berlin, richten die Besucher im nahe gelegenen Velodrom.

S Landsberger Allee, S8, 9, 41, 42, 85

S Schönhauser Allee: Deutsch-deutsche Geschichte erleben

Die Nacht zum 1. Mai wird am morgigen Sonntag, 30.4., im Mauerpark mit der „14. Friedvollen Walpurgisnacht“ gefeiert. Auch sonst, vor allem an den Wochenenden, ist immer jede Menge los auf dem ehemaligen Mauerstreifen zwischen Prenzlauer Berg und Wedding. Berliner und Berlin-Besucher aus aller Welt bevölkern die weitflächige Grünanlage. Ein Muss ist der jeweils am Sonntag stattfindende Flohmarkt (9–18 Uhr). Die Bernauer Straße hinunter, ebenfalls auf dem ehemaligen Grenzstreifen, erinnert die Gedenkstätte Berliner Mauer an die deutsche Teilung (das Besucherzentrum ist Di.–So. von 10–18 Uhr geöffnet, Gedenkstättenareal-Ausstellung: tägl. 8–22 Uhr, Eintritt frei).

S Schönhauser Allee, S 8, 9, 41, 42, 85

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