Galerien in Berlin

Das Gallery Weekend lädt zum Kunstmarathon durch die Stadt

Die Berliner Galerien laden an diesem Wochenende zum Gallery Weekend ein. Was Sie nicht verpassen sollten.

Die Arbeit am Mythos: „Marilyn Monroe & Gwen“ (2016) bei Klemm’s. Die Berliner Künstlerin Viktoria Binschtok nutzt Fotos aus dem Internet als Ausgangsmaterial für ihre eigenen Arbeiten

Die Arbeit am Mythos: „Marilyn Monroe & Gwen“ (2016) bei Klemm’s. Die Berliner Künstlerin Viktoria Binschtok nutzt Fotos aus dem Internet als Ausgangsmaterial für ihre eigenen Arbeiten

Foto: courtesy Viktoria Binschtok

Überall wird noch bis zur letzten Minute gewerkelt, alte Ausstellungen ab-, neue aufgebaut – es sollen die schönsten und besten des Jahres werden. 47 Galerien bestreiten das offizielle Programm des kommenden Gallery Weekends. Nach wie vor ist dieser Termin der lukrativste im ganzen Jahr für Berlins Galeristen. Das Gallery Weekend gibt an diesem letzten Aprilwochenende den Startschuss für ein besonderes Kunstjahr 2017. Die Documenta in Kassel, die Biennale in Venedig und die Skulptur Projekte Münster eröffnen in den nächsten Monaten. Drei Tage lang wird die Stadt wieder einmal zum quirligen Kunstquartier, egal ob in der Potsdamer Straße, in Mitte oder im Areal rund um den Checkpoint Charlie treffen Sammler auf Kuratoren, Künstler auf Museumsdirektoren und alle, die Kunst mögen.

Für den Eröffnungsempfang am Donnerstagabend haben sich die Organisatoren etwas Feines ausgedacht, sie laden in den neuen Boulez-Saal – mit einem Appetithäppchen der jungen Musiker von Barenboims Said-Akademie. Für das begehrte Dinner – nur auf Einladung – geht es am Sonnabend ins verlassene Funkhaus der DDR. Gerade internationale Sammler lieben diese Milieuwechsel in der Stadt.

Alles wird man an diesen drei Tagen kaum schaffen, daher eine Auswahl: Die Malerei erlebt ihren absoluten Aufschwung. Leinwandexorzist Jonas Burgert liefert das größte Bild Berlins: 22 Meter lang und sechs Meter hoch. Anderthalb Jahre hat er stramm an seiner wilden Arche Noah gearbeitet. Wie viel Hunderte Farbtuben er vermalt hat, weiß er nicht, nur dass die letzten Nächte ziemlich lang wurden, um die letzten Zentimeter zu vollenden. Zu sehen ist „Zeitlaich“ bei Blain/Southern an der Potsdamer Straße. Dort wird einiges los sein, zumal Esther Schipper dort ihre neuen Räume auf einer Etage direkt über dem Concept Store von Andreas Murkudis eröffnet. Zum Einstand zeigt sie eine opulente Videoarbeit von Anri Sala. Gleich um die Ecke bei Helga Maria Klosterfelde Editionen gibt es Neues von der amerikanischen Konzeptkünstlerin Kay Rosen zu sehen.

Neugerriemschneider setzt wieder einmal auf das poppige Universum des früh verstorbenen Michel Majerus, Max Hetzler auf Günther Förg und Gerhardsen Gerner auf Markus Oehlen. Nicht verpassen sollte man Anselm Reyle, der diesmal weder seine Knitter- noch Faltenbilder aufhängen wird, sondern sein Comingback mit vergrößerten Windspielen feiert. Den idealen Ausstellungsort hat er in Johann Königs Betonkirche St. Agnes gefunden – die drei bis fünf Meter großen, von einem Motor betriebenen kinetischen Skulpturen schweben hoch oben von der Decke. Das ehemalige Gotteshaus ist jedes Mal eine Herausforderung.

Auffallend gut ist die Fotografie vertreten. Das Werk der 2010 verstorbenen Sibylle Bergemann gibt es an gleich drei Orten zu besichtigen: bei Kicken, in der Galerie Look und den Reinbeckhallen in Schöneweide, die als Ausstellungsort neu eröffnen. Klemm’s zeigt Arbeiten von Viktoria Binschtok, die mit Fotos aus dem Netz andere Welten schafft. Galerist Michael Fuchs präsentiert in der Jüdischen Mädchenschule Roni Horns wunderbare 100-teilige Porträtserie von Isabelle Huppert, die verschiedene Rollen nachspielt. Ausgehend von dieser Arbeit interpretieren Künstler den Mythos der Ausnahmeschauspielerin. Christian Jankowski etwa reiste mit Fuchs nach Paris. Am Montmartre engagierten sie einige dieser touristischen Porträtzeichner, die Huppert nach Vorlage abzeichneten. Madame wird am Freitag in der Galerie Fuchs erwartet – mal sehen, ob sie sich auch gefällt.

Bekanntlich experimentiert die Galerie Neu in ihrem VEB-Platten-Heizhaus in Mitte gerne: Marc Camille Chaimowicz ließ Kanarienvögel dort flattern, nun installiert Andreas Slominski Toilettenhäuschen, die wir von Baustellen kennen. Man orientiere sich an der Schau in den Deichtorhallen, verrät die Galerie. Dort verbaute der Künstler 100 Kunststoff-WC, nun ja, manche wie Bilder an der Wand.

Die Galerien

Helga Maria Klosterfelde Potsdamer Straße 97, 10785 Berlin
Galerie Kewenig
Brüderstraße 10, 10178 Berlin

Blain/Southern Potsdamer Straße 77–87, 10785 Berlin

Galerie Thomas Schulte Charlottenstraße 84, 10117 Berlin

Klemm’s Prinzessinnenstraße 29, 10969 Berlin


Öffnungszeiten der Galerien vom 28.–30. April:
Fr 18–21 Uhr, Sa/So 11–19 Uhr. Informationen: Alle Galerien und ihre Künstler finden Sie unter: www.gallery-weekend-berlin.de.