Knobelsdorf-Kaserne

In Spandau sollen 1000 neue Wohnungen entstehen

Der Bezirk plant 1000 Wohnungen an der Knobelsdorf-Kaserne. Der Senat möchte aber noch mehr bauen.

In der früheren Schmidt-Knobelsdorf-Kaserne leben zurzeit Flüchtlinge

In der früheren Schmidt-Knobelsdorf-Kaserne leben zurzeit Flüchtlinge

Foto: dpa Picture-Alliance / Paul Zinken / picture alliance / dpa

Das Gelände der Schmidt-Knobelsdorf-Kaserne in Spandau soll mit rund 1000 neuen Wohnungen bebaut werden. Darüber herrscht Konsens zwischen Senat und Bezirksamt. Die Senatsfinanzverwaltung verhandelt mit der Bundesanstalt für Immobilienaufgaben, die die frühere britische Militäranlage verwaltet, über einen Kauf des Areals. Die Gespräche seien weit fortgeschritten, berichten Insider.

Dennoch gibt es über die Zukunft des Ortsteils Wilhelmstadt Streit zwischen Bezirk und Senat. Denn Stadtentwicklungssenatorin Katrin Lompscher (Linke) möchte nicht nur das Kasernengelände bebauen. Sie strebt an, das gesamte Gebiet zwischen Brunsbütteler Damm und Heerstraße als städtebauliches Entwicklungsgebiet auszuweisen. Damit hätte der Senat das Planungsrecht, könnte eine Entwicklungsgesellschaft einschalten und dürfte Grundstücke zu günstigen Konditionen erwerben.

Spandau ist jedoch dagegen. "Wir lehnen den Plan ab", sagte Bürgermeister Helmut Kleebank (SPD), "denn wir sehen das Entwicklungspotenzial nicht, der ein solches Gebiet rechtfertigen würde." Baustadtrat Frank Bewig (CDU) sagte, in dem von Lompscher ins Auge gefassten Gebiet liege die Laubenkolonie des Kleingartenvereins Hasenheide, zudem gebe es Kleingewerbe und Wohngebäude, aber auch Grünflächen. Wenn der Senat Kleingärten im Rahmen eines Entwicklungsgebietes abräumen wolle, solle er das sagen, so der Christdemokrat. Der Bezirk will ausschließen, dass Wohngebäude abgerissen und Mieter oder Gewerbetreibende verdrängt werden.

Die Spandauer fühlen sich ausgenutzt vom rot-rot-grünen Senat. Das neue Entwicklungsgebiet solle wohl ein Ersatz sein für die Elisabeth-Aue in Pankow, heißt es im Bezirk. Dort, am anderen Ende der Stadt, wollte die SPD Tausende Wohnungen auf einer grünen Wiese errichten lassen. In den Koalitionsverhandlungen scheiterten die Sozialdemokraten damit aber an Linken und Grünen. So wurde die Elisabeth-Aue als einziges der zwölf von der SPD vorgeschlagenen großen Neubaugebiete von der Liste der neuen Stadtteile gestrichen – zum Ärger der Sozialdemokraten.

Von einem Entwicklungsgebiet in der Spandauer Wilhelmstadt war bei den Verhandlungen im vergangenen Herbst noch nicht die Rede gewesen. Wohl aber ist festgelegt, dass auf dem Gartenfeld in Siemensstadt 3000 bis 4000 Wohnungen entstehen sollen. Mit diesem und weiteren Wohnungsbauprojekten tue Spandau schon viel, heißt es im Bezirk.

Flüchtlingsstandort soll dynamisches Quartier werden

Die Stadtentwicklungsexperten im Abgeordnetenhaus kennen das Projekt eines neuen Entwicklungsgebietes noch nicht. Dabei sind die Pläne fortgeschritten. Am vergangenen Dienstag wollte sich der Senat mit dem Lompscher-Vorschlag befassen. Aber auf Druck des SPD-Fraktionschefs Raed Saleh wurde das Thema vertagt. Saleh ist Vorsitzender der Spandauer SPD.

Dem Bezirk geht es um eine kleinere, aber auch schnellere Lösung auf dem alten Kasernengelände. Schon länger bemüht sich Spandau, neue Stadtviertel auf den aufgegebenen Militärflächen entstehen zu lassen. Bisher sind in den Soldatenunterkünften noch mehr als 1000 Flüchtlinge untergebracht. "Wir wollen aus einem reinen Flüchtlingsstandort ein dynamisches Quartier machen", so Baustadtrat Bewig. Es sei aber vorgesehen, einige der denkmalgeschützten Bestandsgebäude langfristig als Erstaufnahmeeinrichtung für Asylsuchende zu nutzen. Das Haus Lompscher konnte am Mittwoch keine Stellungnahme abgeben.

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