Zahl für 2016

Airbnb vermittelt 600.000 Gäste in Berliner Wohnungen

Das Internetportal fordert klare Regeln für Berliner, die ihr Zuhause gelegentlich vermieten.

Alexander Schwarz , Airbnb Deutschland

Alexander Schwarz , Airbnb Deutschland

Foto: Airbnb

Das Internetportal Airbnb hat nach eigenen Angaben im vergangenen Jahr rund 600.000 Übernachtungsgäste in private Unterkünfte in Berlin vermittelt. Rund die Hälfte der Berliner Airbnb-Inserenten hätte dabei ihr Zuhause für maximal 30 Tage vermietet, wie das Unternehmen am Dienstag weiter mitteilte.

Im vergangenen Jahr hätten laut Bericht 22.700 Berliner Gastgeber ihre Wohnung zeitweise an Reisende aus aller Welt vermietet. Zum Vergleich: In den 777 Hotels, Pensionen und sonstigen offiziellen Beherbergungsbetrieben mit 139.650 Betten haben im Jahr 2016 rund 12,7 Millionen Gäste insgesamt 31 Millionen Nächte verbracht. Der Umsatz der Tourismusbranche in der Hauptstadt hat sich in zehn Jahren mehr als verdoppelt – auf 10,65 Milliarden Euro.

Gastgeber verdienen sich "oftmals entscheidendes Einkommen dazu"

Angesichts solcher Summen wirken die Airbnb-Zahlen überschaubar. Für viele Gastgeber sei das sogenannte Home-Sharing aber eine wichtige wirtschaftliche Hilfe, betonte Alexander Schwarz, Geschäftsführer Airbnb Deutschland. "Durch das zeitweise Vermieten ihres Zuhauses verdienen sich Home-Sharer ein oftmals entscheidendes Einkommen dazu", sagte Schwarz. In Berlin teilte ein typischer Airbnb-Gastgeber 2016 sein Zuhause für 28 Tage und nahm damit etwa 1500 Euro ein. Laut Bericht hätten 92 Prozent der Berliner Airbnb-Gastgeber dabei ihr Zuhause an weniger als 180 Tagen geteilt.

Trotzdem werde in Berlin noch nicht genügend zwischen professionellen Ferienwohnungsanbietern und Privatpersonen, die gelegentlich ihr Zuhause vermieten, unterschieden, kritisierte der Deutschland-Chef. "Airbnb appelliert an die Landesregierung, faire und klare Regeln zu schaffen, die verantwortungsvolles Home-Sharing ermöglichen, weil hierdurch dem Markt kein Wohnraum entzogen wird. Wir bleiben weiterhin offen für einen Dialog", sagte Schwarz.

Die Wohnung darf dem Mietenmarkt nicht entzogen werden

Wie berichtet ist es in Berlin seit Mai 2016 im gesamten Berliner Stadtgebiet in der Regel verboten, Wohnungen mehr als ein Mal als Ferienapartment zu vermieten. Über einen entsprechenden Passus in der sogenannten Zweckentfremdungsverbotsverordnung will das Land verhindern, dass die Wohnungen dauerhaft dem Mietenmarkt entzogen werden.

Wie die Senatsverwaltung für Stadtentwicklung auf Nachfrage der Berliner Morgenpost am Dienstag mitteilte, konnte durch die Einführung des Verbotes im vergangenen Jahr bei "insgesamt 4484 zweckfremd genutzten Wohnungen die Wiederzuführung zu Wohnzwecken festgestellt werden. Davon waren 2590 Ferienwohnungen", so Katrin Dietl, Sprecherin von Bausenatorin Katrin Lompscher (Linke).

Bundesverfassungsgericht soll nun urteilen

Ob die Berliner Regelung unverändert bestehen bleiben kann, müssen nun die Juristen entscheiden. Gegen die Berliner Verordnung haben zahlreiche Anbieter von Ferienwohnungen geklagt – mit Erfolg: Das Oberverwaltungsgericht Berlin erklärte das Gesetz zum Zweckentfremdungsverbot Anfang April für teilweise verfassungswidrig, da nach Ansicht der Richter unverhältnismäßig in die Grundrechte von Eigentümern und Vermietern eingegriffen werde. Nun muss sich das Bundesverfassungsgericht mit der Angelegenheit befassen.

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