Berlin-Mitte

Mieter für das Palais am Festungsgraben gesucht

| Lesedauer: 3 Minuten
Andreas Abel
Für das Palais am Festungsgraben (rechtes Gebäude) werden Mieter gesucht

Für das Palais am Festungsgraben (rechtes Gebäude) werden Mieter gesucht

Foto: imago stock / imago stock&people

Die landeseigene Immobilienmanagement-Gesellschaft legt ihre Jahresbilanz vor. Für das Palais am Festungsgraben wird ein Nutzer gesucht

Das Palais am Festungsgraben in der historischen Mitte ist eines der herausragenden Bauwerke der Stadt. Die landeseigene Berliner Immobilienmanagement GmbH (BIM) möchte es sanieren und danach langfristig vermieten. Das erklärten die BIM-Geschäftsführer Birgit Möhring und Sven Lemiss auf der Bilanzpressekonferenz des Unternehmens am Dienstag. Interessenten könnten nun bis Anfang Oktober ihre Ideen und Konzepte einreichen. Gesucht würden ein oder mehrere Mieter, die das Palais als „offenes Haus der Kreativität, Vielfalt und Zivilgesellschaft profilieren“.

Das Land Berlin als Eigentümer des Gebäudes erwarte eine angemessene Nutzung durch kulturelle, politische oder gesellschaftliche Institutionen, sagte Finanzstaatssekretärin Margaretha Sudhof, also „keine Häkelkurse“. Die historischen Säle in der ersten Etage und das Schinkelzimmer im Erdgeschoss sollten öffentlich zugänglich sein, betonte Möhring. Das Theater im Palais solle dort bleiben und auch das benachbarte Maxim Gorki Theater seine dort genutzten Räume behalten. Dem künftigen Mieter blieben dann neben den historischen Sälen rund 4000 Quadratmeter Fläche. Die Sanierung könne im Jahr 2020 beginnen, bis dahin würden die Räume als Ausweichquartier für die Humboldt-Universität und das Gorki Theater benötigt, weil dort umfangreiche Bauarbeiten stattfinden.

Vom Kammerdiener des „Alten Fritzen“ erbaut

Die BIM-Chefs gehen davon aus, dass die Sanierung zwei Jahre dauern und nach ersten Schätzungen etwa 15 Millionen Euro kosten wird. Bei der Vermietung hätten sie keine Renditeabsicht, versicherten sie, es dürfe aber auch kein Zuschussgeschäft sein. Das Palais am Festungsgraben wurde 1751 von Johann Gottfried Donner, dem Kammerdiener von Friedrich dem Großen, erbaut. Das Grundstück schenkte ihm der Preußenkönig. Von 1906 bis 1944 war es Amtssitz der preußischen Finanzminister. Heute können die repräsentativen Säle für Veranstaltungen gebucht werden, das Schinkelzimmer dient als Trausaal.

Angesichts der veränderten Berliner Liegenschaftspolitik hat sich auch die Geschäftstätigkeit der Immobilienmanager des Landes gewandelt. Die Zeit der großen und spektakulären Verkäufe zum Höchstpreis ist vorbei. Die strategische Ausrichtung zielt nun vor allem darauf, Grundstücke für die öffentliche Daseinsvorsorge zu halten, etwa für den Bau von Schulen und Kitas, oder landeseigenen Wohnungsbaugesellschaften zur Verfügung zu stellen. Im vergangenen Jahr seien 200 Verträge beurkundet worden, erläuterte Möhring. 46 Verträge beträfen Grundstücke im Wert von rund 117 Millionen Euro, die als Sachwerteinlage an Wohnungsbaugesellschaften gingen. So habe die Gewobag Flächen am Sachsendamm (Schöneberg) und in der Wasserstadt Oberhavel (Spandau) bekommen, die Howoge am Blankenburger Pflasterweg (Pankow) und an der Sven-Hedin-Straße (Zehlendorf).

Platz für 20.000 neue Wohnungen geschaffen

Die BIM habe in den vergangenen Jahren knapp 150 Flächen mit mehr als 1,6 Millionen Quadratmeter Fläche an Landesunternehmen und Genossenschaften übergeben und so Platz für 20.000 Wohnungen geschaffen, erklärte Lemiss. Von 5600 landeseigenen Grundstücken seien knapp 2000 und damit etwa ein Drittel in das landesweite Cluster aufgenommen worden, erläuterte Sudhoff. Die Clusterung gehört zur transparenten Liegenschaftspolitik, für jedes geprüfte Areal wird in einem Ausschuss die künftige Verwendung beschlossen. Senat und Abgeordnete haben bislang also keinen vollständigen Überblick, wie viele Grundstücke noch für den Bau von Mietwohnungen geeignet sind. Die Finanzstaatssekretärin rechnet mit geeigneten Liegenschaften in erheblichem Umfang, insbesondere in Außenbezirken.

Mehr zum Thema: