Berlin

Plexiglas-Schutz für das letzte Original

Abgeordnete fordern, die East Side Gallery der Stiftung Berliner Mauer zu übergeben

Nur eines der Bilder an der East Side Gallery ist noch als Original von 1990 erhalten und in diesem Zustand konserviert. Es ist das Kunstwerk 71, hat keinen Namen, und stammt von den Künstlern Margaret Hunter und Peter Russell. Hände sind auf dem Bild zu sehen. Dieses Bild bekommt eine gesonderte Behandlung. Als Schutzschicht werde eine Plexiglasscheibe davor angebracht, kündigte Friedrichshain-Kreuzbergs Baustadtrat Florian Schmidt (Grüne) an. „Zurzeit werden die im Eigentum des Bezirks befindlichen Mauerteile instandgesetzt“, so Schmidt auf Anfrage des Grünen-Bezirksverordneten Werner Heck. Das Amt lässt die Kunstwerke reinigen und die Anti-Graffiti-Schutzschicht überarbeiten.

Wie sich die East Side Gallery künftig entwickeln soll, wie sie als Denkmal geschützt wird, dazu gibt es ein Konzept des Landesdenkmalamtes. Es sieht vor, ein Informationszentrum zu schaffen und einen Themenpfad „Berliner Mauer“ anzulegen. Reste und Spuren der einstigen Grenzanlage sollen sichtbar gemacht werden. Bereits in der vergangenen Legislaturperiode war geplant, die East Side Gallery an die Stiftung Berliner Mauer zu übertragen und der Stiftung Geld für das Denkmal zur Verfügung zu stellen. „Das ist gescheitert, weil sich der Bund nicht an der Finanzierung beteiligt hat“, sagte Sabine Bangert (Grüne), Vorsitzende des Kulturausschusses im Abgeordnetenhaus, auf Anfrage der Berliner Morgenpost. Jetzt werde es einen neuen Anlauf dafür geben. „Die Bereitschaft der Stiftung ist da. Sie kann das Konzept realisieren. Aber sie braucht zusätzliches Geld dafür.“ Anfang Mai habe der Ausschuss eine Klausurbesprechung mit Kultursenator Klaus Lederer (Linke). „Dann werden wir feststellen, ob die Stiftung Berliner Mauer im kommenden Haushalt Mittel für die East Side Gallery bekommen soll.“ Wenn nicht, werde es der Ausschuss anregen, kündigt Sabine Bangert an. „Es ist höchste Zeit dafür. Das was von der East Side Gallery noch erhalten ist, muss geschützt werden.“

Die East Side Gallery entstand von Februar bis September 1990. 118 Künstler aus 21 Ländern bemalten die Hinterlandmauer an der Mühlenstraße. 106 Bilder entstanden. 1991 wurde die 1,3 Kilometer lange East Side Gallery unter Denkmalschutz gestellt. Die Kunstwerke erlitten Schäden, weil sie der Witterung ausgesetzt waren, und weil Besucher sie bekritzelten oder kleine Teile herausbrachen. Die Künstlerinitiative um Kani Alavi bemüht sich 1996 um den Erhalt der Galerie. Im Jahr 2009 ist die große Open-Air-Ausstellung grundlegend saniert worden. Der Beton wurde erneuert. Dafür entfernte man die ursprünglichen Kunstwerke und kopierte sie anschließend wieder auf die Oberfläche. Sie bekamen eine Schutzschicht.

Im einstigen Grenzabschnitt an der Mühlenstraße waren nur die Hinterlandmauer und Sicherungszäune errichtet worden. Wegen der Spree verzichtete man auf Grenzmauer und Grenzstreifen. Patrouillenboote übernahmen die Überwachung.