Kulturforum

Museum der Moderne: Petition gegen "Bierzelt"-Entwurf

Eine Onlinepetition fordert, dass Gespanne aus Metallstangen die Größe des Neubaus am Kulturforum verdeutlichen sollen.

Außenansicht des geplanten Museums

Außenansicht des geplanten Museums

Foto: © Herzog & de Meuron Basel Ltd., Basel, Schweiz mit Vogt Landschaftsarchitekten AG, Zürich/Berlin

Der Aufschrei war groß. Als im Oktober der Siegerentwurf des Wettbewerbs für das Museum der Moderne veröffentlicht wurde, sprachen Kritiker von einem Bierzelt, einer Lagerhalle und der Ästhetik eines Billigdiscounters. Die sonst für außergewöhnliche Architektur wie die Elbphilharmonie bekannten Schweizer Star-Architekten Herzog & de Meuron platzieren ihren massiven Museumsneubau aus Backstein direkt an der Potsdamer Straße.

Kristin Feireiss, international renommierte Ausstellungskuratorin und Mitbegründerin des Aedes Forums am Pfefferberg startete jetzt bei change.org unter dem Hashtag #forumskultur:kulturforum eine Onlinepetition. Ziel der Aktion, die unter anderem auch von der „Plattform für Nachwuchsarchitekten“, Mitgliedern der Scharoun-Gesellschaft, Vertretern des Netzwerks Architekten für Architekten der Berliner Architektenkammer und anderen Architekturexperten unterstützt wird, ist es, „die öffentliche Diskussion zur Gestaltung dieses zen­tralen Ortes in Berlin anzu-stoßen und die Dimensionen des Siegerentwurfs für die Öffentlichkeit vor Ort anschaulich zu machen“.

Baugespanne sollen Dimensionen der Neubauten zeigen

Damit die Berliner sich ein Bild von den Dimensionen des umstrittenen Neubaus machen können, plädieren Feireiss und ihre Unterstützer für eine im Heimatland der Architekten übliche, hier aber unbekannte Idee. In der Schweiz visualisieren sogenannte Baugespanne aus Metallstangen die Ausmaße und Dimensionen von geplanten Neubauten. So können sich Bürger und Anrainer vor der Erteilung einer Baugenehmigung etwas konkreter vorstellen, welchen Raum der geplante Bau einnehmen wird.

Das sei besonders am Kulturforum sehr sinnvoll, da der geplante Museumsneubau nicht nur mit der Philharmonie und der Neuen Nationalgalerie von den international bedeutendsten Bauwerken des 20. Jahrhunderts in der deutschen Hauptstadt gerahmt wird, sondern auch den freien Blick auf die ­Matthäikirche verstelle.

Die Ergebnisse der Petition sollen im Juni Kulturstaatsministerin Monika Grütters (CDU) und Senatsbaudirektorin Regula Lüscher übergeben werden. Die Kosten für das Baugespann schätzt Feireiss auf 10.000 bis 15.000 Euro. Eine Summe, die wahrscheinlich per Crowdfunding finanziert werden könne, so Feireiss.

Neben der Errichtung eines Baugespanns und der offenen Debatte fordern die Unterzeichner der Petition auch eine transparente Finanzplanung der verwendeten Steuermittel, auch vor dem Hintergrund der Debakel mit Großflughafen BER und Staatsoper. Die Planung sei nicht nur nach Aussage des Juryvorsitzenden Arno Lederer, sondern auch nach Ansicht von Finanzexperten keineswegs für 200 Millionen Euro zu verwirklichen, so Feireiss.

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