Potsdam

Filmemacher von morgen

Universität „Konrad Wolf“ in Babelsberg ist bei Studierenden gefragt. Jetzt wird sie ausgebaut

Potsdam. Mit dem Sichten der eingereichten Filme ist das "Sehsüchte"-Team durch. Von Februar bis März haben die Organisatoren mehr als 1000 Filme geschaut, von Musikvideos über Dramen bis zu Dokumentarfilmen. Vor allem Themen wie Terror, Flucht oder Identität beschäftigen die jungen Filmemacher aus Europa, Russland und Südamerika. 130 Filme aus 32 Ländern haben es ins Programm von Europas größtem Studierenden-Filmfestival geschafft. Gezeigt werden die Arbeiten zwischen 26. April und 1. Mai an der Babelsberger Filmuniversität "Konrad Wolf" und erstmals auch im Filmmuseum Potsdam. 1972 als FDJ-Studentenfilmtage gestartet, nach der Wende eingestellt und als "Sehsüchte" 1995 in neuer Form aufgelegt, war das Filmfest über Jahre das Aushängeschild der Uni. Heute ist es eines von vielen.

660 Studierende lernen an Deutschlands einziger Filmuni

Die ehemalige Hochschule für Film und Fernsehen an der Marlene-Dietrich-Allee hat sich dank ihrer Kooperationen mit Unternehmen wie Studio Babelsberg, der Ufa oder dem Filmpark, dem Mix aus Theorie und Praxis sowie neuen Studienangeboten wie etwa zur Arbeit mit Spezialeffekten einen Namen gemacht. "15 Prozent unserer Studierenden kommen aus dem Ausland", sagt Uni-Präsidentin Susanne Stürmer.

Seit 2016 lernen 660 Studierende ihr Handwerk an Deutschlands einziger Filmuniversität. "Neun Prozent mehr als noch im Jahr zuvor", sagt Stürmer. "Auf einen Studienplatz kommen aktuell zehn Bewerber." Wer auf einen Platz hoffe, müsse schon einiges an Talent mitbringen. "Die Aufnahmeprüfungen sind äußerst anspruchsvoll", Stürmer spricht von einer "handverlesenen Auswahl". Längst träumt sie von größeren Kapazitäten und erinnert an das Potenzial der Einrichtung, die sich zu einem erheblichen Wirtschaftsfaktor für Potsdam und das Land entwickelt habe. Das hört Finanzminister Christian Görke (Linke) gern. Er verschaffte sich am Mittwoch einen Eindruck davon, wie die Hochschule die Landesmittel effizient einsetzt. Görke hatte sich dafür starkgemacht, dass in dieser Legislaturperiode zusätzlich zum Budget aus den Hochschulverträgen 100 Millionen Euro extra an die Hochschulen gehen.

"Bis 2019 werden allein am Standort Babelsberg 25 Millionen Euro investiert", erklärt Görke. Speziell in die Digitalisierung und IT-Infrastruktur werde das Geld fließen. "Hier müssen wir nachrüsten." Den Löwenanteil mache mit 16,7 Millionen Euro der Erweiterungsbau der Filmuni aus, der im Mai 2018 fertiggestellt sein soll. Das Gebäude wird eine Mensa mit 100 Plätzen, Büros, Seminar- und Fachräume für Sound, Filmmusik, Montage, Schauspiel, Animation und Szenografie aufnehmen. "Fläche auch für jede Menge Forschung", wie Stürmer betont.

Gute Chancen für Absolventen, Arbeit zu finden

Sie will mit Blick auf den schwierigen Arbeitsmarkt neue Jobfelder aufmachen. "Film und Fernsehen sind bekanntlich keine leichte Branche, die Einkommen oft gering", begründet sie. Trotzdem stünden die Chancen für ihre Absolventen gut, in dem Bereich Arbeit zu finden, in dem sie ausgebildet werden. Stürmer beruft sich dabei auf interne Umfragen. Die bestätigt David Wnendt. Er hatte in seiner Diplomarbeit mit dem Titel "Auf und davon" 2011 zehn Abschlussjahrgänge im Fach Regie unter die Lupe genommen, wollte wissen, wie viele der Absolventen schließlich als Regisseure arbeiten. Das Ergebnis: 60 Prozent der Alumni war der Sprung in den Regiestuhl gelungen. Die Aktivitäten honorierte 2016 auch der Stifterverband für die Deutsche Wissenschaft: Im Ranking "Gründungsradar" setzten sich die Babelsberger bei den kleinen Hochschulen als beste öffentlich finanzierte Hochschule deutschlandweit durch. "Wir sind auf dem richtigen Kurs", erklärt Stürmer, die vor allem eines nicht will: eine Uni als Elfenbeinturm. Mit zwei Programmen sollen Flüchtlinge mit Filmhintergrund zu einer Bewerbung auf einen Studienplatz in Babelsberg ermutigt werden.

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