Berlin

"Schrebergärten sind wichtig für das Klima in der Stadt"

Die Tochter einer Freundin von Charlotte (39) und Patrick Reerink (47) fand es "voll spießig", als sie hörte, dass die beiden sich einen Schrebergarten angeschafft haben. Demnächst wird sie in diesem Garten ihren 18. Geburtstag feiern. "Mehr muss man gar nicht sagen." Charlotte strahlt. Sie haben sogar ihre Hochzeit im Garten gefeiert. Das war im Juli 2015, im ersten Jahr ihres Laubenpieper-Daseins und ein voller Erfolg.

Die beiden werden oft gefragt, ob sie sich den Garten in der Kolonie Kreuztal in Treptow wegen ihrer Tochter angeschafft haben. Ja schon, antworten sie dann. "Aber wir haben das auch für uns gemacht, weil wir es lieben, draußen zu sein und herumzuwerkeln", sagt Patrick. Im Urlaub würden sie gern verreisen, der Garten aber gehöre zu ihrem Alltag, dort seien sie nicht nur am Wochenende, sondern auch nach Feierabend so oft es geht und das Wetter es zulässt.

Dass es nicht ihr eigenes Land ist, auf dem sie gärtnern, ist für Charlotte und Patrick kein Problem. Ganz im Gegenteil. "Wir kennen die Geschichte des Schrebergartens und finden es gut, dass öffentliches Land an Menschen verpachtet wird, die sich ein eigenes Haus mit Garten nicht leisten können", sagt Patrick. Sie würden in Kreuzberg wohnen, dort gebe es wenig Platz, um mal in Ruhe in der Sonne zu sitzen und in den Himmel zu schauen oder zum Herumtoben für Kinder. Auch Hunde hätten es da nicht besonders gut.

"Der Garten, das war ein Riesenglück für uns", sagt Charlotte. Sie hätten zwar noch viel Arbeit mit der Sanierung der alten Laube, doch das mache Spaß. "Im vorigen Sommer haben wir schon mal eine Terrasse aus Holz angebaut, auf der wir gern sitzen und in unseren Garten schauen." Dort gibt es viele alte Stauden – Frauenmantel, Pfingstrosen, Lavendel und Rosen, einen großen Buchsbaumbusch und mehrere alte Obstbäume. Der Vorbesitzer hat vieles angelegt, von dem die junge Familie noch immer profitiert.

Patrick kümmert sich um all diese Pflanzen, während Charlotte Gemüse anbaut, Marmelade kocht und Apfelsaft macht. Diese Arbeitsteilung funktioniere gut, sagt Patrick. Beide haben noch viel vor in ihrem Garten und viele Ideen, was die künftige Gestaltung betrifft.

Manchmal sind sie aber auch verunsichert, weil das Nutzungsrecht für ihre Anlage bisher nur bis zum Jahr 2025 festgeschrieben ist. Dabei seien Kleingärten nicht nur wichtig für das individuelle Glück, sondern auch für das Klima in der Stadt, sagen Patrick und Charlotte. Die Gartenkolonien würden für eine bessere Luftqualität sorgen und dafür, dass es viele verschiedene Pflanzen und Rückzugsorte für verschiedene Tierarten gibt. Bei ihnen in der Anlage würden Igel, Füchse und Waschbären leben, es gebe ein Eichelhäherpaar in ihrem Garten und jede Menge Insekten. "Und das alles, ohne dass die Stadt irgendetwas dafür zahlen muss", sagt Patrick. "Wir wünschen uns deshalb sehr, dass die Gartenanlagen ein Dauernutzungsrecht bekommen."

Reerinks gefällt auch das Miteinander in der Kolonie. Dazu gehören die Kinderfeste im Sommer, Erntefeste und gesellige Nachmittage bei Musik und Kuchen. Patrick, der Musiker ist, hat schon im Vereinsheim Cello gespielt.

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