Berlin

Vom großen Glück im kleinen Garten

Schrebergärten haben in Berlin eine lange Tradition. Jetzt findet dort ein Generationswechsel statt. Die Pächter werden jünger und suchen vor allem Erholung und Platz für ihre Kinder. Laut Satzung müssen sie aber auch Gemüse anbauen und Obstbäume pflegen. Sie halten sich daran, wenn auch ganz anders als ihre älteren Nachbarn

Kurz vor Ostern sieht es in der Gartenkolonie Goldregen am Buckower Damm ordentlich geputzt aus. An vielen Obstbäumen hängen bunte Plastikostereier, die Beete in den meisten Gärten sind umgegraben und geharkt, auch winzige Gemüsepflänzchen sind hier und dort schon zu sehen. Tulpen und Narzissen blühen, Osterglocken auch. Gelbe Forsythienzweige hängen über Hecken und Zäune. An vielen Lauben wird herumgewerkelt, Bretter werden gestrichen, Dachpappe wird festgenagelt. Auf Fahrrädern oder in großen Tüten werden Grillkohle und Lebensmittel herangeschleppt. Die Saison hat begonnen.

Selbst wenn das Wetter zu Ostern nicht besonders gut werden sollte, Berlins Kleingärtner sind vorbereitet. Und grillen dann eben, wenn es wieder schön ist, vielleicht schon am kommenden Wochenende. Doch egal, wie das Wetter wird, ein Spaziergang durch eine der insgesamt mehr als 900 Berliner Gartenkolonien lohnt sich immer. Wer sich dazu entschließt, der dürfte nicht nur ordentlich vorbereitete Beete und Blumenrabatten sehen, sondern auch viel Kinderspielzeug – Klettertürme, Trampoline, Sandkästen, Schaukeln. Ein Zeichen dafür, dass bei den Laubenpiepern der Generationswechsel in vollem Gange ist: Jahrzehntelang galten sie als Inbegriff des Spießertums – seit einigen Jahren aber werden die Schrebergärten mehr und mehr von jungen Familien übernommen. Die chillen auf der Wiese, streichen ihre Lauben bunt an, ernten Biogemüse und lassen ihre Kinder in den Obstbäumen schaukeln. Gartenzwerge, auch wenn es natürlich nicht die eigenen sind, sondern die des Nachbarn, sind für sie längst kein Grund mehr, sich als Spießer zu fühlen.

Die älteren Gärtner sehen das zum Teil mit gemischten Gefühlen. Auf jeden Fall wird ihnen einiges an Toleranz abverlangt, nicht nur, weil die jüngeren auch mal etwas lauter feiern. Zwar halten sie sich durchaus an die Gesetze und Regeln, die für Schrebergärtner laut Bundeskleingartengesetz gelten, doch sind ihre Beete meist längst nicht so akkurat angelegt, die Obstbäume längst nicht so fachgerecht beschnitten, wie das bei den alten Hasen der Fall ist. Auch die Heckenhöhe lässt hier und da zu wünschen übrig. Den Jungen geht es stattdessen vor allem darum, sich im Garten zu erholen, sich dort mit Freunden zu treffen und Freiraum für ihre Kinder zu haben. Angesichts der wachsenden und sich zunehmend verdichtenden Stadt, in der es immer weniger Grünflächen gibt, ist das kein Wunder.

Doch auch die Jungen werden mit den Jahren dazu- lernen, ihre Erfahrungen mit dem Anbau von Obst und Gemüse machen, Gartenwissen erwerben und jede Menge Tricks von ihren älteren Nachbarn übernehmen, so viel ist sicher. Bis dahin gilt, was Peter Hübler sagt, der auf eine fast 50-jährige Schrebergartenkarriere zurückblicken kann: Jeder sollte nach seiner Gartenphilosophie glücklich werden.

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