Berlin

Ausflug in Berlins grünen Osten

Tausende besuchen bereits an den ersten beiden Tagen die Internationale Gartenausstellung in Marzahn und sind von der rund 100 Hektar großen Parklandschaft begeistert. Auch wenn noch nicht alles ganz reibungslos läuft

„Die Gärten der Welt waren schon immer eine Magnet“, sagen Martina und Klaus Grapentin. Seit 35 Jahren wohnen sie in Marzahn, keine zehn Minuten vom Haupteingang der Gärten entfernt. Vor sieben Jahren haben sie hier sogar geheiratet. Und jetzt sind die Gärten der Welt das Herzstück der Internationalen Gartenausstellung (IGA) in Marzahn, die am Donnerstag eröffnet wurde. „Wir wollen so oft wie möglich zur IGA kommen und haben uns deshalb eine Dauerkarte gekauft.“ Beide sind stolz darauf, dass die Schau in ihrem oft schlechtgeredeten Heimatbezirk Marzahn-Hellersdorf stattfindet. „Jetzt können vor allem Berliner aus anderen Teilen der Stadt herkommen und sich hier mal umsehen.“

Ein Blick aus 118 Metern Höhe bis zur Berliner City

Tausende machten dies bereits an den ersten beiden Tagen – trotz des wechselhaften Aprilwetters. Sie nahmen auch in Kauf, dass es zumindest zeitweise am Eingang an der Hellersdorfer Straße längere Schlangen an den Kassen gab oder der Online-Ticketshop der IGA nicht erreichbar war. Doch wer auf das Gelände kam, war neugierig und zumeist begeistert. So wie Anne Jerratsch aus Neukölln. „Es blüht schon ganz schön viel hier. Ich bin sonst nie in Marzahn und finde es gerade deshalb gut, dass die IGA hier stattfindet“, sagt die 32-Jährige. Auch Luise und David Marchand aus Kreuzberg sind angetan, es gefalle ihnen besser als erwartet, so die beiden. „Wir sind natürlich erstmal mit der Gondel gefahren. Das war sehr eindrucksvoll.“ Vom IGA-Eingang geht es direkt in den neu geschaffenen „Kienbergpark“ – bestehend aus Teilen des Wuhletals und dem 102 Meter hohen Kienberg. Wer laufen will, kann ihn über einen neu angelegte Weg besteigen. Wer den Aufstieg scheut oder möglichst schnell in die dahinter liegenden Gärten der Welt gelangen will, benutzt eben die eigens dafür gebaute Kabinenseilbahn. Sie verbindet beide Teile des rund 100 Hektar großen Geländes. Die Fahrt ist im Eintrittspreis inbegriffen und dauert knapp fünf Minuten. Wer schwindelfrei ist und etwas Glück hat, erwischt eine der Gondeln mit Glasboden. Darunter ziehen Wiesen, Bäume und Sträucher vorbei, von denen viele neu gepflanzt wurden.

Unterwegs lohnt es sich, auf dem Gipfel des Kienbergs auszusteigen. Dort steht der „Wolkenhain“ – eine Aussichtsplattform. Sie ist der erste Anlaufpunkt für Philipp, der seinen Nachnamen nicht in der Zeitung lesen möchte, und seine dreijährige Tochter Valerie. Über die verwinkelte Treppenkonstruktion sind sie knapp 16 Meter hinaufgestiegen – auf 118 Meter über Normalnull. Von dort gibt die Plattform den Blick über das Gelände, über Marzahn und Hellersdorf sowie die weit weg wirkende Berliner City preis. „Der Ausblick ist toll“, sagt der Zehlendorfer. Als nächstes wolle er sich einen Bollerwagen für Valerie ausleihen. „Wir sind gespannt, was dann auf uns wartet.“

Der chinesische „Garten des wiedergewonnenen Mondes“ war erstes Ziel für Xudong und seine Freundin Man aus Peking. „Wir streifen jetzt einfach etwas über das Gelände, hätten aber nicht mit so viel Wind gerechnet.“ Der habe die Studenten davon abgehalten, die Seilbahn zu benutzen. Denn immer wieder hält sie unterwegs kurz und ruckartig an, schüttelt die Fahrgäste durch. Unten angekommen, erwartet die Gäste die Blumenhalle, einer der temporären Bauten der IGA. „Hier sind wöchentlich wechselnde Ausstellungen geplant“, sagt IGA-Geschäftsführerin Katharina Lohmann. Eine davon mit Pflanzen aus der Bibel werde sich dem diesjährigen Reformationsjubiläum widmen. Rund um die Blumenhalle sind die vielen temporären Gartenkabinette angelegt – entworfen von Landschaftsarchitekten aus aller Welt. „Hier können wir erleben, wie unterschiedliche Kulturen ihre Ideen von Schönheit, Ordnung und Glück in der Natur zum Ausdruck bringen“, sagte Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier bei der Eröffnung am Donnerstag.

Die IGA gibt sich Mühe, besonders familienfreundlich zu sein. Neben den „Klettergärten der Welt“ gibt es viele Abenteuerspielplätze, darunter der Wasserspielplatz „Der 35. Mai oder Konrad reitet in die Südsee“ – benannt nach dem Buch von Erich Kästner. „Ich finde es toll, dass ich hier rumtoben kann“, sagt der sechsjährige Emil aus Hellersdorf, der selbst wie eine der bekanntesten Figuren Kästners heißt. Besonders der große Holzwal hat es ihm angetan, „weil man von oben mit Wasser spritzen kann“.

Kirschblütenfest wird an diesem Wochenende gefeiert

Die benachbarte Arena mit 5000 Sitzplätzen wurde bereits am ersten Tag von der Ost-Kultband Karat eingeweiht. Anschließend stiegen die Raketen für das große Eröffnungsfeuerwerk in den Himmel. Weitere Konzerte soll es geben, etwa von Max Giesinger oder der Staatskapelle Berlin unter der Leitung von Daniel Barenboim. Bis 15. Oktober sind rund 8000 Veranstaltungen geplant. An diesem Wochenende das Kirschblütenfest.

„Mit der IGA wollen wir ein Zeichen über die Stadt hinaus setzen: Parks, Grünanlagen, Stadtnatur und Orte der Begegnung sind für die Lebensqualität unverzichtbar“, sagte Berlins Regierender Bürgermeister Michael Müller (SPD). Diese Lebensqualität soll bleiben, sind doch 85 Prozent der neu entstandenen Anlagen als dauerhafte Installationen für einen Erholungspark Marzahn geplant. Wie sie angenommen werden, wird sich in den kommenden 184 Tagen zeigen. „Wenn bis dahin zwei Millionen Besucher kommen und damit drei Viertel der IGA-Kosten von 40 Millionen Euro wieder eingespielt sind, bin ich zufrieden“, sagt Geschäftsführerin Lohmann. Außerdem solle sich bis dahin das Image von Marzahn-Hellersdorf als graue, trostlose Plattenbauwüste gewandelt haben, wie es sich auch Martina und Klaus Grapentin wünschen.

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