Bahnverkehr

Bahn plant IC-Linie von Berlin an die Ostsee

Die Züge sollen im Zweistundentakt von Berlin nach Rostock fahren – allerdings erst ab Ende 2019.

Ein IC-Zug bei seiner Fahrt auf der Berliner Stadtbahn

Ein IC-Zug bei seiner Fahrt auf der Berliner Stadtbahn

Foto: imago stock / imago/Rüdiger Wölk

Wer am Wochenende mit der Bahn an die Ostsee fahren wollte, benötigte gute Nerven und Stehvermögen. Denn obwohl an der Küste die Urlaubssaison noch nicht richtig begonnen hat, waren für die Reise in vielen Zügen kaum Sitzplätze zu bekommen. Richtig eng wurde es gar für diejenigen, die auf die Insel Usedom wollten. Beim Umstieg in die Usedomer Bäderbahn (UBB) spielten sich etwa am Sonnabendnachmittag Szenen ab, die sonst nur in der Tokioter U-Bahn zu sehen sind.

Doch Besserung ist in Sicht. Zumindest für die Strecke von Berlin nach Rostock. Nach jahrelanger Abstinenz will die Bahn wieder eine dicht getaktete Fernzugverbindung einrichten. Das kündigte jetzt der Konzernbevollmächtigte für Brandenburg und Mecklenburg-Vorpommern, Joachim Trettin, an. Start für die neue Linie, auf der moderne Doppelstockzüge von Bombardier fahren sollen, wird allerdings erst im Dezember 2019 sein. Die Intercity (IC) sollen dann im Zweistundentakt die Städte Dresden, Berlin und Rostock miteinander verbinden.

Bis zu Tempo 160 und weniger Zwischenstopps

Laut Trettin wird die Fahrzeit Berlin–Rostock unter zwei Stunden liegen. Zwar können die Fernzüge – wie auch die Regionalexpresszüge (RE) – auf der Strecke nicht schneller als Tempo 160 fahren, doch sind weniger Unterwegshalte als beim RE geplant. Während der IC nur in Oranienburg, Neustrelitz und Waren (Müritz) stoppen wird, hält der RE5 derzeit an bis zu neun Stationen. Die Fahrzeit liegt bei zwei Stunden und 42 Minuten.

Der Grund für die vielen Zwischenstopps: Der RE wird von den Ländern Berlin, Brandenburg und Mecklenburg-Vorpommern bestellt und bezahlt, die Züge dienen vor allem dem Nahverkehr. Die Länder kritisieren seit Langem, dass der RE seit Wegfall der Interregio-Verbindungen bei den Verbindungen zwischen Berlin und der Ostseeküste auch Aufgaben des Fernverkehrs wahrnehmen muss. Dabei stoßen die RE-Züge vor allem im Sommer immer öfter an ihre Kapazitätsgrenzen. Sie können wegen der oft kurzen Bahnsteige an vielen kleineren Bahnhöfen auch nicht einfach länger werden. Bei fünf Wagen ist beim RE5 Schluss.

Einst hielt die Bahn die Strecken für wenig wirtschaftlich

Die Bahn begründete das Aus für die Interregio-Verbindungen an die Küste mit fehlender Wirtschaftlichkeit. Doch im bundeseigenen Konzern hat ein Umdenken eingesetzt. Er will alle Großstädte im sogenannten „Deutschlandtakt“ miteinander verbinden. Das heißt, mindestens einmal pro Stunde fährt ein Fernzug. Damit soll nicht zuletzt der Fernbus-Konkurrenz getrotzt werden. In der Kombination von IC und RE wird es ab 2019 dann auch auf der Strecke Berlin–Rostock faktisch einen Stundentakt geben.

Weniger gut sieht es derzeit mit der Verbindung Berlin–Stralsund aus. Dort fahren zwar schon jetzt Eurocity- und IC-Züge, doch nur in geringer Zahl. Die Wiederbelebung der einstigen Direktverbindung Berlin–Insel Usedom (über Swinemünde) steht derzeit in den Sternen. Der dafür notwendige Wiederaufbau der Ende des Zweiten Weltkriegs gesprengten Karniner Brücke ist gerade erst aus dem Bundesverkehrswegeplan geflogen.

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