Berlin

Berliner Kältehilfe bot so viele Schlafplätze wie nie zuvor

sborufka

Bilanz der Berliner Kältehilfe: In der Kältehilfesaison 2016/2017 gab es so viele Schlafplätze wie nie zuvor. Insgesamt waren es 111.128. Der Rekord von belegten Schlafplätzen pro Nacht lag bei 965, insgesamt gab es 100.721 Übernachtungen. Im Durchschnitt betrug die Auslastung 90,6 Prozent. Dies sei ein Mittelwert, denn das Problem seien die sehr kalten Nächte, in denen die Notunterkünfte an ihre Kapazitätsgrenzen gelangten, sagte Diakonie-Direktorin Barbara Eschen am Donnerstag bei der Bilanz nach diesem Winter. Trotzdem seien die vom Senat geplanten und finanzierten Plätze ausreichend.

Trotz des ausreichenden Platzangebotes gebe es viele Probleme. „Den Menschen, die auf der Straße leben, geht es immer schlechter: physisch und psychisch. Nötig wäre eine Krankenstation mit mindestens zehn Plätzen, unterstützt vom Berliner Senat“, sagte Eschen. Auch Ulrich Neugebauer, Leiter der Kältehilfe der Berliner Stadtmission, zeigte sich besorgt. „Der gesundheitliche Zustand derer, die zu uns kommen, hat sich verschlechtert. 20 Prozent der Obdachlosen, die zu uns kommen, müssen in einer Art versorgt werden, für die unsere Helfer eigentlich nicht ausgebildet sind. Auch die Zahl der Tuberkuloseinfizierten bereitet uns Sorgen“, sagte er.

Oft würden Menschen aus Krankenhäusern direkt in die Unterkünfte gebracht. Caritas-Direktorin Ulrike Kostka sagte, Obdachlosigkeit sei in der Mitte der Gesellschaft angekommen. Es seien auch Menschen betroffen, die sich ihre Wohnung wegen steigender Mieten nicht mehr leisten können. „Wir brauchen eine Politik, die den weiteren Anstieg der Mieten verhindert und endlich mehr bezahlbaren Wohnraum schafft“, sagte sie. Die Kältehilfe könne keine gesellschaftlichen Probleme lösen und fehlende Hilfsangebote nicht ersetzen.

( sabo )