Berlin

Ein Mann, der sein ganzes Leben dem Film gewidmet hat

Kinobetreiber Franz Stadler ist nach langer Krankheit gestorben

Er war nicht nur ein Kinobetreiber. Franz Stadler hat für das Kino gelebt. Fast 40 Jahre lang hat er das Filmkunst 66 in Charlottenburg geleitet. Und so manchen in die titelgebende Kunst eingeführt. Nun ist einer der bekanntesten Kinomacher Deutschlands, wie erst jetzt bekannt wurde, am Sonntag mit 76 Jahren nach schwerer Krankheit gestorben. Ein Mann, eine Instanz, die fehlen wird.

Als Stadler 1971 das Kino in der Bleibtreu- Ecke Niebuhrstraße übernahm, schien das Haus seine besten Zeiten schon hinter sich zu haben. Zuletzt hatte es als Sexkino gedient. Stadler aber spielte dort Klassiker und Kultfilme. Und setzte mit eigenen Programmreihen und Filmfestivals neue Schwerpunkte. Ein Pionier der Programmkinos, der so gegen alle Multiplex-Konkurrenz, das Heimkino und das stete Kinosterben sein Publikum zu binden wusste. Immer wieder wurde das Filmkunst 66 für seine originelle Programmgestaltung ausgezeichnet, Stadler selbst erhielt 1999 das Bundesverdienstkreuz um seine Verdienste fürs Kino und 2011, gemeinsam mit seiner Frau und Mitstreiterin Rosemarie, eine Berlinale-Kamera.

Als das Kino 1993 einem Geschäftshaus weichen musste, ließ er sich nicht kleinkriegen und eröffnete zwei Häuser weiter neu, zwar kleiner, aber dafür mit zwei Sälen. Stets war er im Kino präsent. Als Leiter, Kartenabreißer, zur Not auch als Filmvorführer. Dabei waren die Stadlers ihrer Stadt wesentlich verbunden. Ein Jahr lang haben sie zwischendurch auch mal ein Kino in Sylt geleitet – kehrten aber reumütig nach Berlin zurück. 2011 mussten sie ihr Kino dann altersbedingt abgeben, die Filmproduzentin Regina Ziegler hat es übernommen. Dennoch blieb Stadler dem Film weiterhin treu: mit Vorträgen und dem dickleibigen Buch „Die Kunst der Filmkomödie“, das 2015 in zwei Teilen erschien.

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