800 Euro pro Woche

Ermittlungen wegen Korruptionsverdacht bei Berliner Polizei

Drogendealer sollen Berliner Polizisten rund 800 Euro Schmiergeld pro Woche gezahlt haben - damit diese sie vor Einsätzen warnen.

Drogenhändler sollen Berliner Polizisten mit wöchentlich 800 Euro bestochen haben (Archivbild)

Drogenhändler sollen Berliner Polizisten mit wöchentlich 800 Euro bestochen haben (Archivbild)

Foto: Peter Steffen / dpa

BerlinVerdacht auf schwere Korruption in den Reihen der Berliner Polizei: Drei Berliner Polizisten sollen mit mutmaßlichen Rauschgifthändlern gemeinsame Sache gemacht und ihnen vertrauliche Informationen zugespielt haben. Im Gegenzug sollen sie von den Kriminellen regelmäßig Geld erhalten haben. Gleichzeitig wird gegen die Drogenhändler wegen des Verdachts der Bestechung und des Handels mit Heroin ermittelt. Dies teilten Polizei und Berliner Staatsanwaltschaft am Montag mit. Ein Kommissariat für Polizeidelikte beim Landeskriminalamt ermittle gegen die Männer, von denen zwei 42 Jahre und einer 28 Jahre alt seien, hieß es weiter.

Die Vorwürfe wiegen schwer: Die Polizeibeamten hätten von fünf mutmaßlichen libanesischen Drogenhändlern jede Woche 800 Euro erhalten. Dafür versorgten sie nach Angaben der Staatsanwaltschaft die 36, 40 und 45 Jahre alten Dealer mit vertraulichen, polizeiinternen Informationen: Sie sollen Einzelheiten über bevorstehende Einsätze im Kampf gegen die Drogenkriminalität regelrecht „verkauft“ haben.

Irgendwann müssen die Machenschaften der Beschuldigten, über deren Dienstgrade und Einsatzgebiete die Ermittlungsbehörde derzeit keine Angaben machen will, jedoch aufgefallen sein. Es kam zu Ermittlungen. Schließlich reichten die Erkenntnisse für einen richterlichen Durchsuchungsbeschluss aus. Sowohl die Wohnungen als auch die Diensträume der beschuldigten Beamten wurden durchsucht. Dabei sei laut Polizei umfangreiches Beweismaterial sichergestellt worden. Die Sichtung und Auswertung sei bisher nicht abgeschlossen und dauere an, hieß es weiter. Die Polizisten wurden inzwischen vom Dienst suspendiert.

Wie die Berliner Morgenpost aus Ermittlerkreisen erfuhr, waren die unter Verdacht stehenden Beamten im Bereich der Polizeidirektion 4 eingesetzt. Diese Direktion umfasst die Bezirke Tempelhof-Schöneberg und Steglitz-Zehlendorf. Laut Polizei ist besonders der Norden Schönebergs (Abschnitt 41) für Kriminalität mit Drogen und Prostitution bekannt. Als Schwerpunkte gelten die Bereiche Kurfürstenstraße und Potsdamer Straße.

Polizei-Gewerkschaft für lückenlose Aufklärung

Unklar ist bislang, woher die entscheidenden Informationen stammten, die letztlich zur Aufnahme der internen Untersuchungen gegen die Beamten führten. Denkbar ist, dass die Geschäfte der Dealer trotz ihres Informationsvorsprungs entdeckt wurden. In diesem Fall ist davon auszugehen, dass die Verdächtigen über einen längeren Zeitraum observiert wurden.

Die Senats-Innenverwaltung wollte sich wegen der noch laufenden Ermittlungen zunächst nicht zu den Korruptionsvorwürfen äußern. Die Gewerkschaft der Polizei (GdP) setzt sich für eine lückenlose Aufklärung ein. Der Sprecher des Berliner Landesverbands, Benjamin Jendro, sagte: „Wie bei jedem anderen auch gilt die Unschuldsvermutung. Sollten sich die Vorwürfe bewahrheiten, kann es nur eine Entscheidung geben. Wir brauchen keine korrupten Kollegen.“ Wer Geld von Kriminellen nimmt, damit sie unbehelligt Drogen verkaufen können, stelle sich mit ihnen auf eine Stufe.

Der Fall ist nicht der erste bei der Berliner Polizei: 2014 wurde ein Beamter überführt, Informationen zu Fahndungen ans Rotlichtmilieu weitergeleitet zu haben. In Brandenburg ermittelt die Staatsanwaltschaft seit 2016 gegen einen Hauptkommissar einer Hubschrauberstaffel. Er soll in zwei Fällen Einfluss auf Auftragsvergaben für Ausrüstungen von Helikoptern geübt und sich so bereichert haben.