Für mehr Personal

Berlins Fachhochschulen bekommen 28 Millionen Euro

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Andreas Abel
Die Hochschule für Technik und Wirtschaft hat neben ihrem Sitz in Karlshorst auch diesen Campus in Oberschöneweide

Die Hochschule für Technik und Wirtschaft hat neben ihrem Sitz in Karlshorst auch diesen Campus in Oberschöneweide

Foto: picture alliance

Die neuen Hochschulverträge stärken die Berliner Fachhochschulen. Sie erhalten zusätzlich 28 Millionen Euro.

Die Fachhochschulen gelten als zentraler Bestandteil der Berliner Wissenschaftslandschaft. Ihnen wird eine hohe Qualität der Lehre bescheinigt, sie haben sich aber auch mit anwendungsorientierter Forschung profiliert. Sie leisten einen wichtigen Beitrag für die Qualifizierung von Fachkräften, den Wissenstransfer und die Durchlässigkeit zwischen beruflicher und akademischer Bildung.

Dennoch liegt der öffentliche Fokus eher auf den Universitäten. Diese bekamen in Bund-Länder-Programmen zur Finanzierung von Wissenschaftsleistungen auch oft das dickere Stück vom Kuchen.

Der Senat steuert nun dagegen. Im Rahmen der neuen Hochschulverträge ist nach Informationen der Berliner Morgenpost explizit die Stärkung der Fachschulen vorgesehen. Dafür sind vom kommenden Jahr an bis 2022 rund 28 Millionen Euro zusätzlich eingeplant.

Kommentar: Lohnende Investitionen

Entscheidungsfreiheit beim Einsatz der Finanzmittel

Die jährlichen Raten der Förderung wachsen schrittweise. Im ersten Jahr beträgt sie nur knapp eine Million Euro, 2022 sind es dann bereits 13,3 Millionen Euro. Insgesamt könnten auf diesem Weg 180 bis 200 neue Stellen an den vier staatlichen Berliner Fachhochschulen geschaffen werden, hieß es aus Wissenschaftskreisen. Dieses sind die Beuth-Hochschule für Technik in Wedding, die Hochschule für Technik und Wirtschaft (HTW) in Karlshorst und Oberschöneweide, die Hochschule für Wirtschaft und Recht (HWR) in Schöneberg und Friedrichsfelde sowie die Alice-Salomon-Hochschule für Sozialarbeit und Sozialpädagogik (ASH) in Hellersdorf.

Mit dem 28-Millionen-Euro-Programm erhalten die Fachhochschulen die Möglichkeit, rechnerisch 0,25 Stellen pro Professur einzurichten. Ihnen wird freigestellt, ob sie damit befristete Stellen für Forschung und Lehre im Rahmen einer Promotion, unbefristete Stellen für dauerhafte wissenschaftliche Dienstleistungen oder Stellen im Wissenschaftsmanagement beziehungsweise der Verwaltung schaffen wollen. Damit hätten sie bei den Verhandlungen zu den Hochschulverträgen „den Jackpot gewonnen“, meinen Insider. Wichtigste Ziele sind, die Promotionsmöglichkeiten zu verbessern, Karrierewege für den wissenschaftlichen Nachwuchs an den Fachhochschulen zu eröffnen und deren Forschungsprofil zu schärfen.

Das ist auch vor dem Hintergrund der zunehmenden Akademisierung vieler Berufe von Bedeutung, etwa im Gesundheits- und Sozialbereich. Dabei spielen die Fachhochschulen eine führende Rolle, weil ihre Studiengänge einerseits eng auf das jeweilige Berufsfeld bezogen sind, sie aber den Studenten gleichzeitig Forschungskompetenzen vermitteln. Bis zum 15. März kommenden Jahres müssen die Hochschulen dem Senat ihr Konzept vorlegen, in welchen Bereichen und für welche Zwecke sie die Stellen einrichten möchten. Zum 30. Juni 2021 müssen sie der Senatswissenschaftsverwaltung berichten, wie sie das Konzept umgesetzt haben. Dabei sollen sie insbesondere darstellen, ob die zusätzlich geschaffenen Stellen der Forschungsstrategie genützt haben, mehr Drittmittel für Forschungsprojekte eingeworben werden konnten und es möglich war, die Zahl der Promotionen zu steigern.

Die Stärkung und Förderung der Fachhochschulen hatte die rot-rot-grüne Landesregierung auch in ihrem Koalitionsvertrag verankert. Sie wird auch im Bund diskutiert, ist aber noch nicht umgesetzt. Der Berliner Senat geht also gewissermaßen in Vorleistung und investiert im Vorgriff auf mögliche bundesweite Regelungen. Bundesforschungsministerin Johanna Wanka (CDU) habe zwar eine Initiative für die Fachhochschulen angekündigt, aber nicht gesagt, wieviel Geld sie ausgeben wolle, kritisierte Berlins Wissenschaftsstaatssekretär Steffen Krach (SPD). Ob eine Einigung mit den Ländern noch vor der Bundestagswahl möglich ist, sei sehr fraglich. Die SPD hat einen „Zukunftsvertrag für Wissenschaft und Forschung“ präsentiert, der Leitlinien für die Bund-Länder-Finanzierung bis 2030 formuliert. Dieser Vertrag ist noch nicht mit dem Koalitionspartner vereinbart.