Friedrichshain-Kreuzberg

Veganes Schulessen kostet 300.000 Euro extra

Ein Bürgerbegehren in Friedrichshain-Kreuzberg steht kurz vor dem Erfolg. Das Bezirksamt rechnet mit erheblichen Mehrkosten.

Schulessen in einer Berliner Grundschule

Schulessen in einer Berliner Grundschule

Foto: Reto Klar

Fleischfreie Kost macht Schule – jedenfalls in Friedrichshain-Kreuzberg. Die Initiatoren des Veggie-Bürgerbegehrens haben nach eigenen Angaben insgesamt rund 9500 Stimmen von Befürwortern gesammelt. Sie fordern, dass Einrichtungen des Bezirksamtes, etwa das Rathaus oder Schulen, in den Kantinen täglich ein veganes Menü als Ergänzung anbieten.

Initiatoren des Bürgerbegehrens sind neben Sentience Politics der Vegetarierbund Deutschland und die Albert-Schweitzer-Stiftung für unsere Mitwelt. Der Konsum von Tierprodukten belaste die Umwelt und verschärfe die Erderwärmung, so die Begründung. Die Initiatoren hatten Anfang Oktober 2016 begonnen, Stimmen zu sammeln. Sollte das Anliegen in Friedrichshain-Kreuzberg Erfolg haben, so die Ankündigung von Sentience Politics, dann werde man weitere solcher Initiativen in Deutschland starten.

5500 Unterschriften seien bereits beim Bezirksamt eingereicht worden, sagte Sprecher Stefan Torges von der Organisation Sentience Politics auf Anfrage der Berliner Morgenpost. Weitere 4000 Unterschriften werde man am 27. März dem Wahlamt Friedrichshain-Kreuzberg übergeben. Erforderlich sind 6012 Stimmen. In den kommenden vier Wochen zählt das Bezirksamt die Unterschriften zum Veggie-Bürgerbegehren aus und prüft sie.

Rund 20 Prozent derStimmen waren ungültig

Sie sind nur gültig, wenn sie von Bewohnern des Bezirks stammen, die mindestens 16 Jahre alt sind. Aus Erfahrung rechne man damit, dass einige der Unterstützer-Stimmen für das Begehren ungültig sind, sagte Stefan Torges. „Wenn wir das Projekt starten, dann wollen wir es auch zu einem guten Abschluss bringen.“ Zu Beginn der Unterschriftensammlung habe man die Listen mit den ersten 500 Stimmen eingereicht. „Rund 20 Prozent sind ungültig.“

Wird das notwendige Quorum erreicht, dann beschäftigt sich die Bezirksverordnetenversammlung mit dem Anliegen. Lehnt sie es ab, dann kommt es zum Bürgerentscheid. Er ist erfolgreich, wenn er von zehn Prozent der Wahlberechtigten angenommen wird. Das Bezirksamt hat aber bereits eine Kostenschätzung für die Folgen des Bürgerbegehrens vorgenommen. Im Bezirkshaushalt müsste mehr Geld für die Schulspeisung zur Verfügung gestellt werden, wenn die Forderung umgesetzt wird. Das Amt geht davon aus, dass der Preis für eine vegane Portion um 1,25 Euro teurer ist als das herkömmliche Essen. Wenn sich 15 Prozent aller Schüler für das neue, vegane Angebot entscheiden, dann würden pro Schuljahr zusätzliche Kosten von etwa 300.000 Euro entstehen.

An der Sammlung für das Veggie-Begehren haben sich etwa 40 Freiwillige der drei Organisationen beteiligt. Die meisten Aktiven kamen aus der Albert-Schweitzer-Stiftung. Sie seien im Bezirk unterwegs gewesen, so Stefan Torges. „Vor allem da, wo es viele vegetarische Restaurants gibt.“ Auch in Cafés mit jungen Leuten und Familien habe man Unterstützer gesucht, etwa im Bergmannkiez, außerdem auf dem Flohmarkt am Boxhagener Platz. Auch vor Biosupermärkten wurde gesammelt.

Beim Vegetarischen Metzger in Berlin gibt's fleischloses Fastfood

Auch die Freie Universität hat Veggie-Angebot

Veganes Essen gibt es bereits in einigen Schulen in Berlin, etwa in der John-F.-Kennedy-Schule in Zehlendorf und in der Internationalen Schule Berlin in Steglitz. Auch die Freie Universität hat ein solches Angebot. Die vegane Ernährung sei derzeit die tierfreundlichste, schreibt die Albert-Schweitzer-Stiftung auf ihrer Homepage. „Deshalb arbeiten wir mit Unternehmen zusammen, geben Anregungen zur Ausweitung und Verbesserung des veganen Angebots und helfen bei der Umstellung.“ So führe man auch mit der Deutschen Bahn Gespräche über die Einführung eines veganen Menüs in den Bordrestaurants. Die Stiftung setzt sich dafür ein, dass die Massenhaltung von Tieren abgeschafft wird.

In Friedrichshain-Kreuzberg hatte es in den vergangenen Jahren mehrere Bürgerbegehren gegeben. Anwohner in Kreuzberg hatten 2016 das Begehren „Rettet das Fraenkelufer“ angeregt. Es kam zu einem Bürgerentscheid, der jedoch an der geringen Wahlbeteiligung scheiterte. Bekannt ist der Bürgerentscheid „Spreeufer für alle“ von 2008. Damals sprach sich eine Mehrheit für einen breiten öffentlichen Weg an der Spree und gegen den Bau von Hochhäusern am Ufer aus.

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