U-Bahn

U5-Tunnel: Durchbruch am Bahnhof Brandenburger Tor gelungen

Die Züge der U5 sollen künftig von Osten bis zum Hauptbahnhof fahren. Ein wichtiger Schritt dafür wurde am Mittwoch geschafft.

Der zukünftige Tunnel der U-Bahnlinie U5: Ein wichtiger Schritt wurde geschafft

Der zukünftige Tunnel der U-Bahnlinie U5: Ein wichtiger Schritt wurde geschafft

Am Ende dauert es nur ein paar Sekunden. Die Wand am Ende von Gleis zwei im U-Bahnhof Brandenburger Tor bebt. Paule, ein Mitarbeiter der Baustelle, lässt den Hammer ein Dutzend Mal gegen den Beton fallen. Der Stein bekommt Risse, aus den Zwischenräumen quillt Staub. Dann fallen die Brocken mit einem Wummern auf den Boden. Dahinter tut sich ein zweiter Tunnel auf. Künstliches Licht fällt in die Bohrung, in der noch kein Gleis verlegt ist und wo Staub und Gestein noch etwas grob den Boden abdecken. An den Flanken stehen Baugerüste aus Metall. Ganz hinten kommt nur noch ein schwarzes Loch. "Wenn Sie nun in den Tunnel klettern würden, dann könnten Sie bis zum Bahnhof Hönow durchlaufen", sagt BVG-Chefin Sigrid Nikutta.

An diesem Mittwoch kam der Durchbruch. Seit April 2012 laufen Arbeiten an der Neubaustrecke der Berliner U-Bahnlinie 5. Bis Ende 2020 soll sie in Betrieb gehen. Am Mittwoch haben Mitarbeiter des Projektes nun das letzte Stück Betonwand durchbrochen, einen Meter dick, das den neu gebohrten Tunnel von der U-Bahnstation am Brandenburger Tor trennte. Insgesamt ist der Tunnel jetzt etwa 22 Kilometer lang.

"Das ist ein Meilenstein eines sehr wichtigen Infrastrukturprojektes in Berlin", sagte Michael Müller (SPD), Regierender Bürgermeister von Berlin, bei der Einweihungsfeier. Der Scherz kam gleich hinterher, mit Blick auf den Flughafen BER: "Wir haben diverse Erfahrungen mit Bauprojekten, und nicht alle funktionieren so reibungslos." Auch BVG-Chefin Sigrid Nikutta klang an diesem Morgen recht optimistisch: "Die Bauarbeiten verlaufen solide und zeitgerecht."

Bauarbeiten mit Zwischenfällen

Dabei liefen die Bauarbeiten an der U-Bahnlinie 5 nicht immer nach Plan: Mehrmals drangen Wasser und Sand in den Tunnel. Unter den Linden kam es zu einem Erdrutsch. Auch im Tunnelabschnitt östlich vom Pariser Platz kam es zu Problemen. Die Schlitzwand, die vor dem früher gebauten U-Bahnhof Brandenburger Tor steht, hielt der Nässe nicht Stand. Im Herbst 2015 sickerte durch einen Riss in der Wand Wasser ein. Bevor der Tunnel bis zum Brandenburger Tor zu Ende gebohrt werden konnte, musste das Erdreich drum herum deshalb komplett vereist werden. Im Februar wurde die Tunnelbohrmaschine "Bärlinde" abgebaut. Auch das nicht ohne Hindernisse. Weil die Maschine im Zielschacht nicht einfach nach oben gehoben werden durfte – das hätte den Verkehr lahmgelegt –, musste sie noch im Schacht zerlegt werden, mussten die Schneidebretter abgefräst werden. Der Mantel von "Bärlinde" muss sogar komplett unter der Erde bleiben.

Das Projekt geriet mit insgesamt einem Jahr in Verzug, hauptsächlich wegen Nässe und wegen des schwierigen Untergrundes. Den Eröffnungstermin sehen die Beteiligten bislang zuversichtlich. Laut Projektsprecherin Stephanie Niehoff ist immer noch eine Inbetriebnahme Ende 2020 geplant. Die Zeitpuffer für den Bahnhof Museumsinsel seien aber aufgebraucht. "Sollten sich da große Probleme ergeben, dann müssten wir auf 2021 gehen."

Genaues Öffnungsdatum: "Wenig realistisch"

Wie BVG-Chefin Nikutta mitteilte, komme der schwierigste Teil erst noch. In den nächsten Wochen sollen an der Strecke die ersten Gleise verlegt werden. Im Bereich der Museumsinsel und Unter den Linden ist das immer noch ein Problem. Bevor die Schienen auf den Boden kommen, muss die Wand des Tunnels erst noch mit Beton ausgegossen werden. Damit unter der Museumsinsel kein Wasser eindringt, muss das Erdreich um den Tunnel vereist werden.

"Mit einem genauen Datum für die Eröffnung zu rechnen, das ist wenig realistisch", sagt Peter Hoppe, technischer Projektleiter der U-Bahnstrecke. "Das hat allein schon mit geologischen Schichten zu tun, die sich manchmal nur schwer durchbohren lassen." Um das Erdreich um die Bohrungen zu vereisen, müssen um den Tunnel Löcher in die Erde gebohrt werden. "Das kann auch länger dauern als geplant", sagte Hoppe.

Im Juli sollen an der Haltestelle des Brandenburger Tores die Gleisarbeiten starten und dann weiter in Richtung Alexanderplatz vordringen. Am schwierigsten wird es vermutlich mit den Gleisen unter der Museumsinsel. Hier soll die Fertigstellung deshalb am Schluss stattfinden. Nach dem Bahnhof Rotes Rathaus im Herbst 2016 soll in diesem Sommer aber zumindest schon einmal der Bahnhof Unter den Linden Richtfest feiern.

Der symbolische Spatenstich für das Bauprojekt der U-Bahnstrecke erfolgte 2010, damals von Bürgermeister Klaus Wowereit (SPD). Vor fünf Jahren starteten die Bauarbeiten. Bis Ende 2020 soll der Abschnitt zwischen Alexanderplatz und Brandenburger Tor in Betrieb gehen. Von Hönow sollen Fahrgäste bis zum Hauptbahnhof kommen, ohne Umsteigen. Zwischen Alexanderplatz und Hauptbahnhof gibt es dann drei neue Bahnhöfe: Rotes Rathaus, Museumsinsel und Unter den Linden. Die BVG geht von einem Budget von 525 Millionen aus. Finanziert wird das Projekt durch Bundes- und Landesmittel.

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