Kinderbetreuung

30.000 neue Kitaplätze für Berlin

Die steigende Nachfrage nach Betreuung setzt den Senat unter Druck. Für den Ausbau stehen 200 Millionen Euro bereit.

Berlin will das Angebot an Kitaplätzen deutlich ausbauen. Allein in diesem Jahr sollen 6300 neue Kitaplätze entstehen, bis zum Ende der Legislatur soll es insgesamt 30.000 neue Plätze geben. Dafür stehen allein in den kommenden drei Jahren insgesamt 200 Millionen Euro zur Verfügung. „Die Stadt wächst, die Geburtenrate steigt, und ab dem kommenden Jahr ist der Kitabesuch ab dem 1. Lebensjahr komplett beitragsfrei“, sagte Bildungssenatorin Sandra Scheres (SPD). „Der Druck wächst.“ In allen Bezirken gibt es in bestimmten Wohngegenden Engpässe bei der Versorgung mit Kitaplätzen. Dieser soll in den kommenden Jahren abgebaut werden.

Vor allem bei den Kindern bis drei Jahren erwartet die Verwaltung einen Anstieg der Betreuungszahlen. Während die Betreuungsquote bei den Drei- bis Siebenjährigen bei 93 Prozent liegt, beträgt sie bei den Ein- bis Dreijährigen 69 Prozent, bei den unter Einjährigen zwei Prozent. „Wir erwarten, dass noch mehr Familien den Rechtsanspruch auf eine Kitabetreuung in Anspruch nehmen“, sagte Scheeres.

Engpässe gibt es in fast allen Bezirken

Um das geplante Angebot möglichst passgenau erweitern zu können, hat die Bildungsverwaltung den Kitabedarfs­atlas zusammengestellt und das aktuelle Angebot in den einzelnen Stadtquartieren mit der Nachfrage verglichen. Laut Atlas gibt es in nur vier von insgesamt 138 Ortsteilen ein ausreichendes Angebot. Dagegen fallen 57 Regionen unter die sogenannte Kategorie 1. Das bedeutet, dass dort alle Reserven erschöpft sind, gleichzeitig aber die Zahl der Kleinkinder steigt.

Keine freien Plätze mehr gibt es laut Atlas zum Beispiel rund um den Kurfürstendamm und an der Kantstraße. Auch in Schmargendorf fehlen Betreuungsplätze. In Steglitz-Zehlendorf wird es in Lankwitz besonders eng, und in Reinickendorf ist nicht nur das Märkische Viertel, sondern auch Alt-Reinickendorf oder Heiligensee betroffen.

Derzeit gibt es in Berlin 166.000 Kitaplätze in 2470 Einrichtungen. In fünf Jahren sollen es 196.000 sein. Im vergangenen Jahr sind 6200 Kitaplätze neu entstanden, 3800 davon durch das Berliner Landesprogramm, der Rest durch private Geldgeber oder kirchliche Einrichtungen. „Ohne das Landesprogramm hätten wir den Rechtsanspruch auf einen Kitaplatz nicht durchsetzen können“, sagte Scheeres. Mit dem Landesprogramm fördert das Land Aus- und Umbaumaßnahmen in Kitas mit 10.000 Euro je Platz. 20.000 Euro je Platz gibt es für Neu- und Erweiterungsbauten und Eigeninitiativkitas erhalten einen Starthilfezuschuss in Höhe von 2000 Euro je Platz.

Martina Castello, pädagogische Geschäftsführerin des Kita-Eigenbetriebs Südwest, begrüßte das Investitionsprogramm des Senats in mehr Kitaplätze. Aber es sei für alle Beteiligten ein großer Kraftakt. „Wir bauen gerade eine neue Kita an der Wedellstraße in Lankwitz. 159 Plätze werden dort entstehen“, sagte Castello. Ein weiteres Bauvorhaben in Tempelhof-Schöneberg sei in Planung. Diese Projekte müsste der Eigenbetrieb neben seinem Kerngeschäft realisieren. Das sei schwierig. „Umso wichtiger wäre es, dass wir die finanziellen Mittel unbürokratischer beantragen können“, sagte Castello. Zudem müsse es dringend mehr Fachpersonal geben, forderte sie. „Es wird immer schwerer, gut ausgebildete Erzieherinnen zu finden.“

Das sieht auch die Bildungsverwaltung so. In den vergangen Jahren seien die Ausbildungskapazitäten bei Erziehern bereits von 4000 auf 8900 verdoppelt worden. Künftig werde die Qualifizierung von Quereinsteigern erleichtert und erweitert, so Scheeres.

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