Sturm in Berlin

"Eckhart" fegt über Berlin und Brandenburg - ein Toter

Nach Sturmtief "Christoph" hat Sturmtief "Eckhart" in Berlin und Brandenburg Schäden verursacht. Eine Autofahrerin starb.

Der Sturm richtet zahlreiche Schäden an

Der Sturm richtet zahlreiche Schäden an

Foto: Michaela Menschner

Das stürmische Wetter in Berlin hat die Feuerwehr am Sonnabend in Atem gehalten. Innerhalb von drei Stunden mussten die Einsatzkräfte zu 300 wetterbedingten Einsätzen ausrücken. Um 13.30 wurde der Ausnahmezustand ausgerufen, der erst um 17.38 Uhr beendet werden konnte. Bis 17 Uhr verzeichnete die Feuerwehr 393 Einsätze.

Zur Unterstützung wurden sechs freiwillige Feuerwehren in den Dienst berufen. Das Sturmtief "Eckhart" richtete Schäden an Baustellen an und riss Bäume um. Die Feuerwehr musste andernorts auch lose Bauteile bergen.

Unter den Linden in Mitte haben sich Stromkanäle auf einem Hausdach gelöst. In Spandau kam ein Kran zum Einsatz, der einen umgestürzten Baum von einem Auto hieven musste. Ein Spiel der U16-Mannschaft von Hertha BSC im Olympiapark musste laut Augenzeugen wegen des Sturm auf einen anderen Platz verlegt werden, nachdem ein Tor von den Böen umgerissen wurde.

Die S-Bahn Berlin unterbrach wegen Sturmschäden vorübergehend einige Linien. So wurden über Twitter umgestürzte Bäume etwa von der S1, der S8 und der S41 gemeldet.

Das Meteorologische Institut der FU in Dahlem korrigierte Angaben, wonach es sich um das Sturmtief "Christoph" handelte. Das sei ein Tiefdruckkomplex über Nordeuropa gewesen, an dessen Rand sich ein neues Tiefdruckgebiet gebildet habe. Dieses habe den Namen "Eckhart" erhalten.

Der deutsche Wetterdienst hat für die nächsten 24 Stunden eine Wetterwarnung herausgegeben. Wegen eines Sturmtiefs treten heute tagsüber häufig Winböen bis 60 km/h sowie einzelne Sturmböen bis 85 km/h aus West bis Nordwest auf. "In exponierten Lagen können teils schwerste Sturmböen bis 100 km/h nicht ganz ausgeschlossen werden", melden die Wetter-Experten. In Berlin sollten die Böen allerdings am Abend abflauen.

Auch in Brandenburg tobte der Sturm. In der Potsdamer Einkaufsmeile Brandenburger Straße verletzte ein umherwirbelndes Werbeschild zwei Fußgänger, wie eine Sprecherin der Regionalleitstelle Nordwest berichtete. Eine von ihnen musste in einem Krankenhaus behandelt werden. Zunächst hatte es geheißen, dass drei Menschen verletzt worden seien.

Im Landkreis Märkisch-Oderland kam ein Autofahrer ums Leben. Laut Polizeipräsidium war ein Baum in der Ortschaft Zäckericker Loose an der polnischen Grenze auf das Auto gestürzt. Der Mann wurde von der Feuerwehr schwer verletzt geborgen, er erlag jedoch wenig später seinen Verletzungen.

Auch in den Landkreisen Havelland, Ostprignitz-Ruppin und in der Prignitz blockierten umgestürzte Bäume zahlreiche Landstraßen. Insgesamt gab es in diesen Kreisen rund 70 Einsätze der Feuerwehr. "An einigen Orten stürzten Bäume auf Hausdächer, auch parkende Autos wurden getroffen", sagte die Sprecherin der Regionalleitstelle. Strom- und Telefonkabel wurden beschädigt.

Viele Einsätze in Teltow-Fläming, Uckermark, Barnim, Oberhavel

Ein Sprecher der Regionalleitstelle Nordost berichtete ebenfalls von entwurzelten Bäumen auf vielen Straßen im Landkreis Teltow-Fläming und insbesondere rund um Ludwigsfelde. Auch die Landkreise Uckermark, Barnim und Oberhavel wurden schwer getroffen. Insgesamt zählte die Leitstelle rund 160 Einsätze der Feuerwehren. Im Bereich der Leitstelle Brandenburg waren es 30 Einsätze.

Mindestens 200 Einsätze zählte die Feuerwehr-Leitstelle im Osten Brandenburgs. "Wir hatten alles - Bäume auf Straßen, auf Autos, Garagen, Häusern und Stromleitungen", zählte ein Sprecher auf.

Süden Brandenburgs wurde verschont

Ruhig blieb es dagegen im Süden Brandenburgs. "Wir hatten ein paar umgestürzte Bäume im Landkreis Dahme-Spreewald, aber südlich von Lübben war nichts mehr", sagte der diensthabende Beamte der Regionalleitstelle Lausitz.

Nach Angaben des Deutschen Wetterdienstes zogen am Samstagnachmittag Sturmböen mit Windgeschwindigkeiten bis zu 100 Stundenkilometern am Rande eines Tiefdruckgebiets über Brandenburg und Berlin. Am Flughafen Berlin-Schönefeld zeigten die Messgeräte 102 km/h an. Am späten Nachmittag flaute der Wind ab. Für den Sonntag erwarteten die Meteorologen nach Nachtfrost eine Warmfront mit ergiebigem Regen.

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