Zwischen Tegel und Schönholz

S-Bahn-Ausbau dauert noch bis 2026

Berliner Fahrgäste der S25 müssen den 20-Minuten-Takt zwischen Tegel und Schönholz noch lange hinnehmen.

Die Fahrgäste der S25 werden weiter ausgebremst: Nur alle 20 Minuten fahren die Bahnen aus Hennigsdorf und Schönholz im Bahnhof Berlin-Tegel ein

Die Fahrgäste der S25 werden weiter ausgebremst: Nur alle 20 Minuten fahren die Bahnen aus Hennigsdorf und Schönholz im Bahnhof Berlin-Tegel ein

Foto: joerg Krauthoefer

Reinickendorf.  Seit Jahrzehnten üben sich die Reinickendorfer schon in Geduld. Nur alle 20 Minuten fährt ein Zug der S25 in die Bahnhöfe zwischen Schönholz und Hennigsdorf ein. Geht es nach dem Berliner Senat und der Deutschen Bahn, wird dies auch noch viele Jahre lang so bleiben: Der langersehnte Zehn-Minuten-Takt wird frühestens Ende 2026 zwischen Schönholz und Tegel angestrebt. Für die vollständige Herstellung der Infrastruktur sei dies „realistisch“, teilte die Bahn in einer Antwort auf einen Fragenkatalog des Reinickendorfer Abgeordneten Tim-Christopher Zeelen (CDU) mit.

Damit die Züge irgendwann im Zehn-Minuten-Takt rollen können, muss die heute meist eingleisige Strecke zwischen Schönholz und Tegel zweigleisig ausgebaut werden. Die Bahn will aber zunächst erst einmal die Signal- und Zugsicherungstechnik auf der Strecke modernisieren, die noch aus der Anfangszeit der S-Bahn, also aus den 20er-Jahren des vorigen Jahrhunderts, stammt. Bis Ende 2023 soll dazu ein elektronisch gesteuertes Stellwerk gebaut und das Zugbeeinflussungssystem ZBS in Betrieb genommen werden, das unter anderem ein unabsichtliches Überfahren von Haltesignalen verhindern soll. Erst im Anschluss will die Bahn dann die Schienen für ein zweites S-Bahn-Gleis verlegen lassen.

Kein Ausbau zwischen Tegel und Hennigsdorf geplant

Ein Sprecher der Senatsverwaltung für Umwelt, Verkehr und Klimaschutz wollte den im Antwortschreiben genannten Zeitraum nicht bestätigen, da man sich noch in der Planung und Abstimmung mit der Bahn befände. „Einen konkreten Zeitplan für den S-Bahn-Ausbau können wir daher noch nicht nennen“, sagte Derk Ehlert. Für den Streckenabschnitt von Tegel bis Hennigsdorf soll der aktuelle 20-Minuten-Takt sogar dauerhaft bestehen bleiben: „Gegenwärtig wird der Bedarf für einen zusätzlichen Zehn-Minuten-Takt der S-Bahn zwischen Berlin-Tegel und Hennigsdorf nicht gesehen“, sagt er.

Felix Schönebeck von der Initiative „I love Tegel“ fürchtet genau solche unkonkreten Terminangaben von Bahn und Senat: „Als der S-Bahnhof Tegel 1995 nach der Wiedervereinigung in Betrieb genommen wurde, hatte man versprochen, fünf Jahre später die Zweigleisigkeit herzustellen. Der Plan sollte schon seit 17 Jahren Realität sein“, empört er sich. „Die Reinickendorfer fühlen sich abgehängt und trauen den Versprechen von Stadt und Bahn nicht mehr“, fasst er die Empfindungen vor Ort zusammen.

Der Reinickendorfer Abgeordnete Zeelen ergänzt: „Solche Aussagen unterstreichen, dass Berlin und Brandenburg der Verkehrsanbindung ans Umland und dem zweigleisigen Ausbau der S-Bahn-Strecke keine große Priorität einräumen.“ Täglich würden Tausende Pendler aus Oberhavel die Straßen in Reinickendorf verstopfen. Insbesondere zu Stoßzeiten müssten sich die Reinickendorfer in überfüllte Bahnen quetschen. „Es gibt neben der langsamen S-Bahn-Taktung auch keine Park-and-ride- oder Park-and-bike-Flächen, die den Umstieg auf die Bahn attraktiver machen würden – weder auf Berliner noch auf Brandenburger Seite“, erläutert Zeelen. „Die Bundesländer verschlafen eine gemeinsame Lösung.“ Der CDU-Abgeordnete hat sich dieses Problems angenommen und holt sich derzeit deutschlandweit Anregungen, beispielsweise aus der Hamburger Metropolregion, wo laut Zeelen eine „intelligente Verdichtung des Verkehrsnetzes“ umgesetzt wurde.

Auch 2017 ist die Berliner U-Bahn eine Dauer-Baustelle

Baustellen bei der BVG: Bauen ja, aber besser organisiert

Den Vorwurf der fehlenden Abstimmung weist der Sprecher des brandenburgischen Ministeriums für Infrastruktur und Landesplanung, Steffen Streu, zurück: „Wir reden mit Berlin und Bahn und prüfen verschiedene Vorschläge“, sagt er. Für die Strecke Berlin–Velten–Kremmen stehe weiterhin die Einbindung des Regionalexpresses 6 auf einem wiederaufzubauenden Gleis der Kremmener Bahn bis nach Berlin-Gesundbrunnen auf der Agenda. Dies werde im Rahmen des ÖPNV-Konzeptes 2030 geprüft. „Im Zusammenhang mit dem zweigleisigen Ausbau der S-Bahn-Strecke Tegel und Schönholz ist zu klären, inwieweit das alte Regionalbahngleis in das Planfeststellungsverfahren integriert werden kann“, heißt es in einer Mitteilung des brandenburgischen Ministeriums. Auch die Verlängerung der S-Bahn von Hennigsdorf bis nach Velten bleibe eine Option.

U6 ab 2019 monatelang streckenweise gesperrt

Die Reinickendorfer müssen sich auch auf Einschränkungen bei der U-Bahnlinie 6 einstellen. Die Berliner Verkehrsbetriebe (BVG) planen beispielsweise im Zusammenhang mit Straßenbaumaßnahmen des Bezirkes, „die Tunnelabdichtung in der Müllerstraße zwischen den Bahnhöfen Leopoldplatz und Seestraße zu erneuern“. Außerdem sollen Abschnitte der Strecke zwischen Kurt-Schumacher-Platz und Borsigwerke voraussichtlich ab 2019 monatelang gesperrt werden. Die BVG schreibt hierzu: „Der Bahndamm weist häufige Setzungsschäden auf, die durch regelmäßiges Anpassen der Gleisanlage korrigiert werden müssen.“ Die Fahrgäste müssen dann mit Pendel- und Schienenersatzverkehr rechnen. „Da können wir nur hoffen, dass die BVG aus der Vergangenheit gelernt hat und dieses Mal die Frequenz der Pendelbusse von Anfang an erhöht, wenn die U6 ausfällt“, sagt Felix Schönebeck.

Doch es gibt auch gute Nachrichten für den Bezirk: Der U-Bahnhof Kurt-Schumacher-Platz wird noch in diesem Jahr barrierefrei ausgebaut, und auch die U-Bahnhöfe Borsigwerke und Holzhauser Straße stehen auf der Agenda der BVG. „Das wird auch Zeit“, sagt Schönbeck, dessen Initiative dafür geworben hatte.

Gutschein für Unterschrift: Sixt missbraucht Tegel-Petition

Strafanzeige gegen Sixt wegen Stimmenkauf für Tegel

So teuer werden BVG und S-Bahn ab 2017

Die Angst vor billigeren Tickets für BVG und S-Bahn

Das sind die 10 größten U-Bahn-Baustellen im Jahr 2017

2017 wird Berlins U-Bahn 115 Jahre alt. Deswegen gibt es immer was zu tun - das sind die zehn größten Baustellen.
Das sind die 10 größten U-Bahn-Baustellen im Jahr 2017
© Berliner Morgenpost 2019 – Alle Rechte vorbehalten.