Tegel und Schönefeld

Streikpause bis zum Wochenende an Berliner Flughäfen

Die Gewerkschaft Verdi will ab Mittwochmorgen bis zum Sonntag nicht mehr streiken. Konflikt mit Ryanair wegen Einsatz von Streikbrechern.

Eine Maschine der Ryanair in Schönefeld

Eine Maschine der Ryanair in Schönefeld

Foto: picture alliance / Bernd Settnik

Auch am Dienstag wird an den Berliner Flughäfen Tegel und Schönefeld gestreikt. Fast alle Flüge von und nach Berlin mussten aufgrund des Ausstands des Bodenpersonals gestrichen werden. Betroffen waren am Morgen 460 Flüge in Tegel sowie 143 von und nach Schönefeld.

In Schönefeld versuchte die Billigairline Ryanair nach Angaben der Gewerkschaft Verdi wenigstens einen Teil der Flüge abzufertigen. „Dazu hat die Fluggesellschaft eigenes Personal aus dem Ausland eingeflogen, das jetzt ohne Sicherheitsüberprüfung mit schnell ausgestellten Tagesausweisen auf dem Schönefelder Vorfeld tätig ist“, sagte Verdi-Streikleiter Enrico Rümker am Dienstagmorgen laut einer Gewerkschaftsmitteilung.

Rümker sieht dadurch die Sicherheit der Passagiere bedroht und kündigte an, den „Einsatz von Fremdarbeitern“ beim Luftfahrtbundesamt anzuzeigen. „Auch der Flughafen ist in der Pflicht, dieses Treiben zu verhindern, weil einmal die Sicherheit der Passagiere gefährdet wird und andererseits der Tarifkonflikt eskaliert“, erklärte Rümker.

In den nächsten Tagen keine weiteren Streiks

Als weitere Konsequenz des Vorgehens von Ryanair droht Verdi damit, Streiktage nun nicht mehr 18 Stunden vor Beginn anzukündigen. „Wenn Streikbrecher eingesetzt werden, ist es uns nicht mehr möglich, weitere Streiks vor Beginn anzukündigen", so Rümker weiter. "Verdi hatte bislang aus Rücksicht den Fluggästen gegenüber die drei bisherigen Streiktage jeweils 18 Stunden vor Beginn angekündigt. Viele Fluggäste haben davon profitiert und konnten aufgrund der langen Vorlaufzeit in der für sie schwierigen Situation nach Alternativen suchen und sich auf den Streik einstellen.“ Es sei bemerkenswert, zu welchem wirtschaftlichen Aufwand Fluggesellschaften bereit seien, um Streikbrecher zu organisieren. Dieser Aufwand stehe in keinem Verhältnis zu den Kosten, die etwa durch Tarifsteigerungen entstünden, sagte Rümker.

Streikchef Rümker kündigte weiterhin an, dass Verdi den Streik planmäßig am Mittwochmorgen um 5 Uhr beende und bis einschließlich des Wochenendes keine weiteren Streiks plane. "Wir haben uns zu dieser Streikpause entschlossen, um den Arbeitgebern eine weitere Nachdenkpause zu gewähren. Nur mit einem verbesserten Angebot durch die Arbeitgeber kann der zurzeit verschärfe Konflikt beigelegt werden", erklärte Rümker.

Ryanair wies die Vorwürfe von Verdi gegenüber der Berliner Morgenpost zurück. "Um weitere Beeinträchtigungen des Flugverkehrs für unsere Kunden zu verhindern, hat Ryanair (einher mit anderen Airlines) eine Anzahl an voll ausgebildeten und befugten Mitarbeitern des Bodenpersonals eingesetzt, um unsere Flugzeuge in Berlin-Schönefeld planmäßig abzufertigen. Diese Behauptungen der Gewerkschaft sind falsch. Ihre Mitglieder haben keine Berechtigung, den Flughafen und das Vorfeld zu betreten, wenn sie nicht arbeiten", erklärte Kenny Jacobs, Chief Marketing Officer bei Ryanair, in einer Stellungnahme. Es sei "eine Schande", dass die Reisepläne von Berlinern und Berlin-Besuchern von einer geringen Anzahl des Bodenpersonals beeinträchtigt würden, die "Deutschlands Hauptstadt als Geisel halten".

Arbeitgeber schlagen Schlichtung vor

Die Gewerkschaft fordert in dem Tarifkonflikt bei einer Vertragslaufzeit von zwölf Monaten einen Euro mehr pro Stunde für die Mitarbeiter des Bodenpersonals. Die Arbeitgeber boten zuletzt die schrittweise Erhöhung der Löhne in allen Entgeltgruppen an - bei einer Laufzeit von drei Jahren. Das Gesamtvolumen betrage acht Prozent mehr Geld als im Moment ausgegeben werde, so ein Sprecher des Forum der Bodenverkehrsdienstleister Berlin-Brandenburg. In diesem sind die an den Flughäfen tätigen Unternehmen organisiert. Nach Angaben von Verdi würde ein einfacher Beschäftigter auf dieser Grundlage pro Arbeitsstunde 27 Cent mehr erhalten.

Die Bodenverkehrsdienstleister schlugen am Dienstagmorgen die Einsetzung eines Streikschlichters vor. "Die Positionen liegen derzeit so extrem weit auseinander, dass wir zum jetzigen Zeitpunkt eine Schlichtung als einzigen Weg sehen, zusammen mit der Gewerkschaft eine für beide Seiten vertretbare Lösung zu finden“, sagte ein Sprecher der Arbeitgeber am Dienstag in Berlin in einer Erklärung. Der Aufruf zeige, dass die Arbeitgeber alles unternähmen, um weitere Arbeitskämpfe zu verhindern. Permanente Streiks und verhärtete Fronten seien keinem länger zumutbar.

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