Akademie

Berlins Polizeischüler bekommen weniger Deutschunterricht

Die Ausbildung verändert sich, so soll es zum Beispiel weniger Deutschunterricht geben. Die Politik ist skeptisch.

Die Landespolizeischule Spandau

Die Landespolizeischule Spandau

Foto: Körner,Michael / action press

An der Landespolizeischule, die jetzt Polizeiakademie heißt, soll die Ausbildung kräftig umgekrempelt werden. Ab September dieses Jahres heißt es: mehr Praxis und weniger Theorie. So soll etwa das Fach Deutsch künftig nur noch in den ersten beiden Halbjahren unterrichtet werden. Das sorgt für Kritik.

Derzeit findet eine Überarbeitung des gesamten Ausbildungsganges für den mittleren Polizeivollzugsdienst statt. Der Start der überarbeiteten Ausbildung ist für September dieses Jahres geplant. Das geht aus einer Antwort der Innenverwaltung auf eine Anfrage von Tom Schreiber (SPD) hervor. Demnach soll die Ausbildung künftig in fünf Halbjahre statt wie bisher in drei Ausbildungsabschnitte strukturiert werden. So sollen etwa Praktika künftig im zweiten Halbjahr beginnen und nicht wie bisher erst im dritten Ausbildungsjahr. Die Bewerber sollen auf den Einsatzdienststellen mehr Praxisluft schnuppern.

Die größte Neuerung soll allerdings in der Theorie stattfinden. Zum Beispiel im Fach Deutsch, das künftig nur noch in den ersten beiden Halbjahren, also nicht mehr durchgängig wie bislang, unterrichtet werden soll. Haben einzelne Bewerber zu große Defizite, sollen sie gezielten Förderunterricht bekommen. Allerdings, heißt es aus der Innenverwaltung, ergäbe sich insgesamt eine Reduzierung der Gesamtstundenzahl für das Fach Deutsch.

Der Innenausschuss soll das Thema noch einmal erörtern

Die Umstrukturierung der Ausbildung wurde noch unter Innensenator Frank Henkel (CDU) beschlossen. Umsetzen muss sie jetzt Nachfolger Andreas Geisel (SPD). Unter den Abgeordneten regt sich Widerstand. „Das ganze Thema muss noch mal im Innenausschuss behandelt werden“, fordert Innenexperte Tom Schreiber (SPD). „Wenn wir jetzt die falschen Weichen stellen, haben wir über Jahre Probleme“, sagte Schreiber der Berliner Morgenpost. Hier müsse noch einmal nachgesteuert werden. „Grundsätzlich ist mehr Praxisnähe aber gut“, so Schreiber weiter.

Ähnlich sieht das sein Kollege im Abgeordnetenhaus Benedikt Lux (Grüne). „Die Forderung nach Praxisbezug wird immer wieder an mich herangetragen“, sagte Lux. Der Grüne ist auch Dozent an der Hochschule für Wirtschaft und Recht und gibt Vorlesungen in Ausländer- und Versammlungsrecht für Anwärter des gehobenen Dienstes. Mit einem stärkeren Praxisbezug, so Lux, habe man die Chance, bei jungen Leuten zu punkten. „Polizist ist ein guter Beruf“, so Lux.

Seit Jahren gibt es in Berlin Überlegungen, wie man junge Menschen für eine Karriere bei der Polizei begeistern kann. So gibt es etwa in der Innenverwaltung aktuell Gedankenspiele, die Zugangsvoraussetzungen, um sich überhaupt bewerben zu können, herabzusetzen. Es wird etwa überlegt, die Altersspanne für Berufseinsteiger zu erweitern. Der Gedanke dahinter ist, dass auch jemand, der mit 40 Jahren bei der Polizei anfängt, noch mehr als 20 Dienstjahre vor sich hätte.

Für den mittleren Dienst der Schutzpolizei gelten folgende Voraussetzungen: Aktuell müssen Frauen mindestens 1,60 und Männer mindestens 1,65 Meter groß sein, einen erweiterten Hauptschulabschluss vorweisen können und zwischen 16 und 29 Jahren alt sein. Eine Umstrukturierung ist auch nötig. Denn in den kommenden Jahren rollt auf die Berliner Polizei eine Pensionierungswelle zu.

Der Krankenstand liegt bei zehn Prozent

Das Durchschnittsalter unter Berliner Polizisten beträgt 50 Jahre. Nach einer Prognose der Senatsinnenverwaltung aus dem vergangenen Jahr scheiden in den kommenden drei Jahren mehr als 2300 der rund 16.000 Polizisten aus dem Dienst aus – rund 200 mehr, als sich in Ausbildung befinden. Eingerechnet sind noch nicht die Abbrecher und der hohe Krankenstand.

Die Abbrecherquote schwankt, je nach Ausbildungsjahrgang, derzeit zwischen 15 und 23 Prozent. Der Krankenstand bei der Berliner Polizei liegt konstant bei etwa zehn Prozent. Dass die Polizei verstärkt um junge Menschen buhlen will, zeige sich schon am Namen. „Polizeiakademie“, so die Innenverwaltung in ihrer Antwort, sei ein „moderner, einprägsamer und international leicht verwendbarer Begriff.“

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