"Wenigermiete.de"

Anwälte gründen Online-Portal gegen Mietwucher

Rechtsgrundlage für das Onlineportal ist die Mietpreisbremse. Ziel ist eine außergerichtliche Einigung zwischen Mieter und Vermieter.

Foto: Maurizio Gambarini / dpa

"Das Internetportal wenigermiete.de setzt überzogenen Mietforderungen ein Ende", lautet das Versprechen von Frederik Gärtner und Daniel Halmer. Die Rechtsanwälte haben Anfang 2017 ein Onlineportal an den Start gebracht, das Verbrauchern helfen soll, die Mietpreisbremse geltend zu machen. Das Geschäftsfeld der beiden ist riesig, zumal Neuvertragsmieten im Schnitt um 31 Prozent höher als zulässig sind, wie "Regio Kontext" in einer Studie für den Berliner Mieterverein (BMV) festgestellt hat. Der BMV sieht die Aktivitäten der Anwälte mit gemischten Gefühlen.

Rechtsgrundlage für das Onlineportal ist die seit Juni 2015 in Berlin geltende Mietpreisbremse. Seitdem darf eine schon bestehende Wohnung bei Neuvermietung maximal zehn Prozent über der im Mietspiegel ausgewiesenen ortsüblichen Vergleichsmiete liegen. "Zunächst beantworten betroffene Mieter einige Fragen rund um Lage und Ausstattung der Wohnung in einem Onlineformular", so die beiden Portalbetreiber.

Das Portal will entstehende Prozesskosten übernehmen

Der kostenlose Mietrechner ermittele dann die Höhe des Sparpotenzials. Danach könne der Mieter sich entscheiden, ob er die Betreiber der Plattform beauftrage. Die einmalige Servicegebühr, die nur im Falle einer erfolgreichen Mietpreissenkung erhoben werde, betrage ein Drittel der Jahresersparnis.

"Ich kann mir nicht vorstellen, wie allein mithilfe eines Online-Formulars die ortsübliche Vergleichsmiete sachgerecht ermittelt werden soll", sagt BMV-Chef Reiner Wild zu dem Angebot. Zwar sei es richtig, dass viele Vermieter die gesetzlich vorgeschriebene Mietobergrenze überschritten. Allerdings würden die meisten Mietstreitigkeiten, so es denn zur Klage kommt, mit einem Vergleich enden. Und dann trage auch der Mieter einen Teil der Prozesskosten. "Unser Ziel ist es immer, eine außergerichtliche Einigung zwischen Mieter und Vermieter zu erreichen", so Gärtner. "Sollte eine Rüge dennoch vor Gericht landen, übernimmt wenigermiete.de die Prozesskosten", versicherte er.

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