Energiepolitik

Vattenfall investiert zwei Milliarden Euro in Berlin

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Jens Anker und Joachim Fahrun
Berlin soll grüner werden: Vattenfall setzt in Berlin künftig stärker auf regenerative Energie

Berlin soll grüner werden: Vattenfall setzt in Berlin künftig stärker auf regenerative Energie

Foto: pa

Berlins Fernwärme wird grün: Der Konzern will den Kohleausstieg vorantreiben und setzt auf regenerative Energiequellen.

Berlins Fernwärmeversorgung wird in den nächsten Jahren auf regenerative Energiequellen umgestellt. Das hat Vattenfall-Europe-Chef Tuomo Hatakka im Interview mit der Berliner Morgenpost angekündigt. „Unser Ziel ist es, Fernwärme CO2-neutral zu erzeugen bis 2050. Der erste Schritt dahin ist der Kohleausstieg.“

Insgesamt hat Vattenfall nach Angaben Hatakkas seine Investitionspläne für Deutschland und Berlin noch einmal erhöht, ein Rückzug aus dem „Kernmarkt“ sei kein Thema. Zwei Milliarden Euro wollen die Schweden in den nächsten fünf Jahren in Berlin ausgeben. Die Hälfte davon ist für neue Gaskraftwerke wie in Lichterfelde und Marzahn sowie die Fernwärme-Modernisierung bestimmt. Eine Milliarde Euro, 200 Millionen im Jahr, wird ins Stromnetz investiert.

Das Interview im Wortlaut

Vattenfall versorgt 600.000 Haushalte und ebenso viele sonstige Einheiten in der Stadt mit Wärme, die zusammen mit Strom in zehn Heizkraftwerken erzeugt wird. Noch liefert Kohle die Hälfte der dort genutzten Energie. Schrittweise soll in diesen Anlagen zunächst Gas die Kohle als Brennstoff ablösen. Gleichzeitig plant der schwedische Konzern eine Offensive der Technologie Power-to-Heat. Dabei wird Wasser in Tanks mithilfe nicht benötigten Ökostroms vor allem aus Brandenburger Windrädern erhitzt und gespeichert.

Zwei Versuchsanlagen mit je zehn Megawatt Leistung stehen bereits in Berlin. Jetzt plant Vattenfall neben dem Kraftwerk Reuter einen riesigen Tank mit einer Leistung von 120 Megawatt. Außerdem will Vattenfall nach den Worten Hatakkas Abwärme aus Industriehallen nutzen und diese ins Fernwärmenetz einspeisen.

„Ich gehe davon aus, dass wir noch in diesem Jahr eine Investitionsentscheidung für diesen Speicher treffen“, sagte Hatakka. Langfristig sieht der Manager ein Potenzial für 1000 Megawatt solcher Speicher in Berlin. „Dafür ist auch die regenerative Energie in der Nähe Berlins verfügbar“, sagte der zweite Mann in der Hierarchie des schwedischen Staatskonzerns. Wenn die Technik in einigen Jahren verfügbar sein wird, will Vattenfall auch Power-to-Gas anwenden. Dabei wird nicht genutzter Ökostrom in Gas umgewandelt, das dann in Kraftwerken die Turbinen betreibt.

„Berlin könnte Partner werden mit einer Minderheitsbeteiligung“

Das Ziel des Senats, die Stadt bis 2050 klimaneutral zu machen und den Ausstoß von Kohlendioxid weitgehend zu vermeiden, hält Vattenfall für machbar. Der Konzern werde seine Zusagen gegenüber dem Senat einhalten. Bis 2020 will Vattenfall seine CO2-Emissionen um 50 Prozent gegenüber 1990 verringern. „Das werden wir übertreffen“, sagte Hatakka. Er erneuerte das Angebot an das Land Berlin, sich am Fernwärmegeschäft zu beteiligen: „Berlin könnte Partner werden mit einer Minderheitsbeteiligung. Das würden wir begrüßen.“

Im Hause der neuen Senatorin für Wirtschaft und Energie, Ramona Pop (Grüne), würde man es begrüßen, wenn die Fernwärme ökologisch erzeugt würde. „Fernwärme ist ein wesentlicher Beitrag für die Energiewende und zum Klimaschutz“, sagte Pops Sprecher Sven Siebert.

Noch wird das Verhältnis des Senats zu Vattenfall aber durch den Streit um das Stromnetz belastet. Die Investitionspläne des Unternehmens seien aber unabhängig vom Ausgang der Stromnetzvergabe, sagte Hatakka.

Vattenfall kämpft mit der landeseigenen Berlin Energie und der Genossenschaft Bürgerenergie Berlin um die Konzession für den Betrieb in den nächsten 20 Jahren. Weil der Konzern das bisherige Verfahren gerügt hat, könnte sich die Vergabe weiter verzögern. Zudem hat Berlin Klage eingereicht, um feststellen zu lassen, ob es auch beim Fernwärmesystem das Recht hat, eine Konzession zu vergeben.

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