Tegel und Schönefeld

Großer Streik an den Berliner Flughäfen, was nun?

Ab Mittwoch könnten durch den Streik des Bodenpersonals etliche Flüge in Berlin ausfallen. Das sollten betroffene Passagiere wissen.

An den Berliner Flughäfen herrscht Unruhe. Auch am Flughafen Schönefeld hat es dieses Jahr bereits mehrere Warnstreiks gegeben

An den Berliner Flughäfen herrscht Unruhe. Auch am Flughafen Schönefeld hat es dieses Jahr bereits mehrere Warnstreiks gegeben

Foto: Paul Zinken / dpa

Schon lange rumort es an den Berliner Flughäfen. Jahr für Jahr vermelden Tegel und Schönefeld Rekordzahlen, doch am Boden ist die Stimmung mies. Schon zweimal legten die Mitarbeiter von Check-in, Gepäckverladung und anderen Bereichen dieses Jahr die Arbeit nieder, Hunderte Flüge fielen aus. Jetzt haben die Kollegen abgestimmt: Sie wollen weiter streiken. Was bedeutet das für die Passagiere? Die wichtigsten Fragen und Antworten.

Kommt der Streik bestimmt?

Entschieden ist noch nichts. Die Gewerkschaft Verdi hat den Arbeitgebern des Bodenpersonals bis kommenden Dienstag die Chance gegeben, ihr Angebot zu verbessern. Dabei wird nicht unbedingt erwartet, dass gleich ein Angebot in der Höhe des geforderten Euro pro Stunde vorliegt. Vielmehr geht es Verdi darum, dass die Unternehmen „gewisse Signale“ setzen. Soll heißen: Bei einem Angebot von etwa 60 Cent pro Stunde würde Verdi weitere Verhandlungen aufnehmen, statt zu streiken. Auch gilt es als unwahrscheinlich, dass Verdi sofort in einen unbefristeten Streik tritt.

Warum soll überhaupt gestreikt werden?

Die Arbeitsbedingungen des Bodenpersonals gelten als prekär. Obwohl die Branche boomt, haben die Bodendienstleister ihre Verträge mit den Airlines über Kampfpreise abgeschlossen. Anders wäre es für die Airlines gar nicht möglich, Tickets zu sensationellen Billigpreisen anzubieten. Das wirkt sich auf die Leistungen am Boden aus. Laut Verdi konnten im vergangenen Jahr Stellen im dreistelligen Bereich nicht besetzt werden. Wer noch da ist, ist überlastet und wegen zu niedriger Bezahlung und befristeter Arbeitsverträge frustriert. Laut einer Umfrage sagen 72 Prozent der Mitarbeiter, dass die Sicherheit an den Flughäfen gar nicht oder nur teilweise gewährleistet werden kann.

Wie und wann erfahre ich, ob gestreikt wird?

Obwohl Verdi theoretisch jederzeit und ohne Ankündigung zum Ausstand aufrufen könnte, will die Gewerkschaft Streiks einen halben Tag vorher ankündigen. „Reisende sollten sich regelmäßig auf den Seiten der Airlines oder über die Medien informieren“, rät Expertin Eva Klaar von der Verbraucherschutzzentrale Berlin. Air Berlin etwa hat angekündigt, im Falle eines Streiks eine Hotline zu schalten. Viele Fluggesellschaften informieren ihre Passagiere nach Streikankündigung per E-Mail oder SMS.

Streik an Berliner Flughäfen: Das müssen Passagiere wissen

Angenommen, der Streik ist da. Muss ich jetzt zu Hause bleiben?

Die Airlines sind dazu verpflichtet, ihre Kunden per Ersatzbeförderung zum Zielort zu bringen. Diese kann durch die Fluglinie selbst oder auch von anderen Anbietern durchgeführt werden. Bei annullierten Inlandsflügen ist es üblich, dass die Airlines ihre Kunden auf Züge der Deutschen Bahn umbuchen. Laut Verbraucherzentrale sollten Betroffene nicht eigenmächtig Tickets für eine alternative Beförderung buchen – eine etwaige Kostendifferenz müsste nicht erstattet werden. Air Berlin ist nach eigenen Angaben derzeit auch in Kontakt mit Busunternehmen. Auch sei es möglich, dass Flüge wie in der Vergangenheit über Leipzig oder Hamburg umgeleitet werden, sagt ein Sprecher. Von dort aus müsste Air Berlin dann ebenfalls eine Ersatzbeförderung per Bus oder Bahn organisieren.

Was passiert, wenn ich eine weitere Nacht am Abflugsort verbringen muss?

Dann müsste die Airlines die Kosten für eine Übernachtung übernehmen. Ebenso die Kosten für den Transfer zum Hotel. Zudem besteht nach der zweiten Stunde Wartezeit das Recht auf Getränke und Essen beziehungsweise Gutscheine dafür sowie auf zwei Telefonate oder E-Mails.

Kann ich mein Geld zurückverlangen?

Sollte es der Fluggesellschaft nicht gelingen, eine alternative Beförderung zu organisieren, darf der Kunde den Ticketpreis zurückfordern. Dies ist auch möglich, wenn der Fluggast durch lange Wartezeiten die Lust an der Reise verloren hat. Die Rückforderung des Kaufpreises sollte schriftlich erfolgen. Einen Musterbrief dazu stellen die Verbraucherzentralen im Internet bereit. Einen Anspruch auf Ausgleichs- oder Schadensersatzzahlungen zum Beispiel für Verspätungen oder wegen verpasster Geschäftstermine gibt es nicht, da es sich bei Streiks um „höhere Gewalt“ handelt.

Was mache ich, wenn ich eine Pauschalreise gebucht habe?

In diesem Fall gilt es, sich direkt an den Reiseveranstalter zu wenden, nicht an die Airline. Auch der Veranstalter muss sich um eine Ersatzbeförderung kümmern, hat dafür aber einige Stunden Zeit. Geschieht nichts, kann der Kunde den Transfer selbst in die Hand nehmen – auf Kosten des Veranstalters. Auch eine Reisepreisminderung ist möglich.

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