Tarife

Zur Reisemesse ITB drohen Streiks an den Berliner Flughäfen

Ein Euro mehr pro Stunde - für Check-In-Mitarbeiter und Flugzeug-Entlader wäre das ein kräftiger Aufschlag. Die Arbeitgeber wollen jedoch nur in Stufen erhöhen. Nun eskaliert der Konflikt.

Mitarbeiter nehmen an einem Warnstreik am Flughafen Tegel teil.

Mitarbeiter nehmen an einem Warnstreik am Flughafen Tegel teil.

Foto: dpa

Berlin. An den Berliner Flughäfen Tegel und Schönefeld droht von Mittwoch an ein unbefristeter Streik. Die Beschäftigten des Bodenpersonals sprachen sich bei einer Urabstimmung zu 98,6 Prozent für den Arbeitskampf aus, wie die Gewerkschaft Verdi am Freitag mitteilte. Am Dienstag entscheidet die Verdi-Tarifkommission über das Vorgehen. Damit sind auch während der Internationalen Tourismus-Börse (ITB) Flugausfälle im großen Stil möglich. Die Reisemesse beginnt am Mittwoch.

"Die Arbeitgeber haben es in der Hand, den Streik zu stoppen", hieß es von der Gewerkschaft. Man sei an einer Verhandlungslösung interessiert, die Situation sei aber angespannt. Der Ausstand werde einen halben Tag vorher angekündigt, kündigte Verdi an. Sollten die Arbeitgeber Streikbrecher organisieren, könnten die Kollegen aber auch unangekündigt die Arbeit ruhen lassen. Bei zwei Warnstreiks waren in den vergangenen Wochen Hunderte Flüge ausgefallen.

Die Arbeitgeber reagierten mit Bedauern auf das Votum der Gewerkschaftsmitglieder. "Unser Ziel bleibt, eine für beide Seiten abbildbare Lösung am Verhandlungstisch zu finden", sagte ein Sprecher des Forums der Bodenverkehrsdienstleister Berlin-Brandenburg. Er erinnerte daran, dass die Unternehmen in Berlin sämtlich rote Zahlen schrieben. Schon jetzt erhielten die Beschäftigten in Berlin und Brandenburg bundesweit die höchsten Löhne der Branche.

"Die Beschäftigten in den Bodenverkehrsdiensten leisten täglich harte und sicherheitsrelevante Arbeit im Schichtdienst, in einem risikoreichen Umfeld, dennoch wird ihre Arbeit nicht angemessen entlohnt", entgegnete Verdi-Bundesvorstandmitglied Christine Behle.

Verdi fordert bei einer Vertragslaufzeit von zwölf Monaten ein Euro mehr pro Stunde. Die Beschäftigten beim Check-in, beim Be- und Entladen der Flugzeuge und anderen Arbeiten auf dem Vorfeld erhielten derzeit etwa 11 Euro pro Stunde. Die Arbeitgeber boten zuletzt die schrittweise Erhöhung der Löhne in allen Entgeltgruppen an - jedoch bei einer Laufzeit von vier Jahren. Für die Entgeltgruppe mit den meisten Beschäftigten, die derzeit 11,20 Euro pro Stunde bekämen, wurde eine Erhöhung von viermal 30 Cent in vier Jahren angeboten.

© Berliner Morgenpost 2017 – Alle Rechte vorbehalten.