Glücksspiele

Berliner Spielhallen wollen Gesichter scannen

Die Geräte erkennen das Alter der Gäste mit einer Toleranz von drei Jahren. Damit will man sich von Automatencasinos abgrenzen.

Spielhallen-Besucher sollen ihr Gesicht scannen lassen

Do, 02.03.2017, 16.43 Uhr

Spielhallen-Besucher sollen ihr Gesicht scannen lassen

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Biometrische Gesichtserkennung und Finger-Scan, das ist die Zukunft in den Berliner Spielhallen, zumindest wenn es nach den Interessenverbänden der Automatenbranche geht. Die elektronischen Zugangskontrollen zu den Spielstätten sollen künftig verhindern, dass Jugendliche und gesperrte Spieler Zutritt erhalten. Die Branche will damit auf die gesetzlichen Forderungen des Landes Berlin reagieren, Einlasskontrollen zu verschärfen und dadurch insbesondere Jugendlichen und suchtgefährdeten Spielern den Zugang zu verwehren. Am Donnerstag stellten Branchenvertreter die neuen technischen Einrichtungen vor.

Die biometrische Gesichtserkennung, kurz Face-Check genannt, ist in der Lage, das Alter eines Menschen zu bestimmen, sobald er ins Blickfeld der Kamera gerät. Sie soll dazu dienen, Jugendlichen den Zutritt zur Spielstätte zu verwehren. Der Finger-Scan hingegen erkennt anhand hinterlegter Fingerabdrücke Personen, die für Spielstätten gesperrt wurden oder sich freiwillig haben sperren lassen. Die Technik sei vorhanden, was noch fehle sei eine gesetzliche Reglung, insbesondere zum Datenschutz, hieß es am Donnerstag.

Verband: Spieler landen in der Illegalität

Die Präsentation der neuen Technik durch Vertreter der Branchenverbände, verbunden mit der Ankündigung weiterer verbesserter Qualitätsstandards ist eine Reaktion auf die Absicht Berlins, die Zahl der Spielstätten drastisch zu reduzieren. "Wenn es um die Schließung von Spielhallen geht, sollen die überleben, die sich an Gesetze halten", forderte Thomas Breitkopf, Vorsitzender des "Verbandes der Automatenkaufleute Berlin und Ostdeutschland". Und die im Verband organisierten Spielstättenbetreiber seien bereit, die gesetzlichen Vorgaben zu erfüllen, versicherte Breitkopf.

Dabei sind verschärfte Einlasskontrollen nur eine von vielen Vorgaben des Berliner Spielhallengesetzes, das als das strengste in Deutschland gilt. Es sieht unter anderem vor, dass Spielhallen zwischen 3 Uhr nachts und 11 Uhr vormittags geschlossen bleiben müssen, keine Ausgabe von Speisen und Getränken, insbesondere Alkohol, erfolgt und Betreiber und Mitarbeiter Schulungsnachweise zum Thema Suchtprävention vorlegen müssen.

Diese Vorgaben will der Verband erfüllen. Schwierig hingegen wird es für bestehende Spielstätten bei den Regelungen, wonach sie nicht im 200-Meter-Umkreis von Schulen sowie Jugendeinrichtungen liegen dürfen und zwischen ihnen ein Mindestabstand von 500 Metern bestehen muss. Diese Regelung bezeichnete Breitkopf als "Kahlschlag" ohne Rücksicht auf bestehende Qualitätsstandards. Die Schließung solide geführter Spielstätten führe lediglich dazu, dass deren Besucher "in die Illegalität abdriften", kritisierte Georg Strecker, Vorstand der Dachorganisation der Branche. Er verwies dabei auf die hohe Zahl illegaler Spielstätten, die es nach seiner Kenntnissen schon jetzt in Berlin gebe.

Zu diesen als illegal bezeichneten Spielstätten zählen die Branchenverbände vor allem die sogenannten Café-Casinos, einer Mischung aus Gaststätte und Spielhalle. 2500 gibt es in Berlin, die Zahl der reinen Spielhallen hingegen liegt gerade mal bei 500. In vielen Café-Casinos gebe es keine Schließzeiten, es werde Alkohol ausgeschenkt und nennenswerte Einlasskontrollen fänden auch nicht statt, heißt es seitens der Verbände. "Und das kontrolliert kaum jemand", äußert Strecker an die Adresse der Behörden.

Mit simplen Tricks gegen Behördenkontrollen

Die haben ohnehin Probleme bei der Durchsetzung ihrer ehrgeizigen Ziele. Das Gesetz gilt bereits seit 2011, im Sommer 2016 lief eine Übergangszeit ab, die Betreibern gewährt wurde, um den neuen Regeln Rechnung zu trage. Geschlossen wurden seither gerade mal 14 Spielstätten. Derzeit prüfen die Bezirke Betreiber auf ihre Zuverlässigkeit. Wer schon mal auffällig war, soll keine neue Konzession bekommen und schließen müssen.

Doch die Betreiber schaffen es mit zum Teil simplen Tricks, dieser Gefahr zu entgehen. Wie die Berliner Morgenpost aus der Branche erfuhr, gab es seit dem Ende der Übergangszeit eine auffällige Häufung von Geschäftsführerwechseln. Der Trick dabei: Sind die Behörden schon einmal gegen eine Spielstätte vorgegangen, richtete sich die Abmahnung oder der Bußgeldbescheid an den Geschäftsführer. Scheidet der aus und gegen seinen Nachfolger liegt nichts vor, können die Ämter nicht mehr nachvollziehen, ob die Spielstätte schon einmal auffällig war.

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