Ideenwettbewerb

Leuchtturm-Projekt: Berlin bewirbt sich um Internet-Institut

Das Bundesministerium für Bildung und Forschung veranlasst die Neugründung, der Bund will den Aufbau finanziell großzügig ausstatten.

Eine Frau sitzt in Berlin vor einem Laptop und tippt auf einem Smartphone

Eine Frau sitzt in Berlin vor einem Laptop und tippt auf einem Smartphone

Foto: Sebastian Kahnert / dpa

Berlin möchte einen weiteren Leuchtturm der Wissenschaft in die Stadt holen: das geplante Deutsche Internet-Institut. Das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) veranlasst die Neugründung, um gesellschaftliche, politische, wirtschaftliche und rechtliche Fragen der Digitalisierung interdisziplinär zu erforschen. Der Bund will den Aufbau des Instituts finanziell großzügig ausstatten: für die ersten fünf Jahre sind bis zu 50 Millionen Euro vorgesehen. Das BMBF hatte einen Ideenwettbewerb um die besten Konzepte ausgelobt. Berlin kam neben Forschungsverbünden aus München, Hannover, Bochum und Karlsruhe in die Endrunde. Jetzt ist die Bewerbungsfrist abgelaufen. Am heutigen Mittwoch müssen die Anträge vorliegen.

"Mit dem geplanten Deutschen Internet-Institut wollen wir die Digitalisierung in ihrer ganzen Komplexität erforschen", sagte Bundesforschungsministerin Johanna Wanka (CDU). Ziel sei es, den digitalen Wandel besser zu verstehen und die Digitalisierung zum Wohle der Gesellschaft nutzbar zu machen. Zentral sei ein gründliches Verständnis der technologischen Entwicklungen.

Neben exzellenter Forschung und der Förderung wissenschaftlichen Nachwuchses gehöre es auch zu den Aufgaben des zukünftigen Instituts, seine Erkenntnisse Gesellschaft, Wirtschaft und Politik zugänglich zu machen, so die Ministerin. Das Aufgabenspektrum reicht vom Wissenserwerb durch das Internet über die Frage, wie wir unsere persönlichen Daten schützen können bis zu den weitreichenden Möglichkeiten des Netzes, die Demokratie mitzugestalten, aber auch Populisten eine Plattform zu bieten.

Den Berliner Antrag stellt ein hochrangiges Konsortium, an dem das Wissenschaftszentrum Berlin für Sozialforschung, die Freie, Technische und Humboldt-Universität sowie die Universität der Künste, die Universität Potsdam und das Fraunhofer-Institut für offene Kommunikationssysteme (Fokus) beteiligt sind. Was genau das Berliner Konzept vorsieht, ist ein gut gehütetes Geheimnis. Das gilt auch für die Ideen der Mitbewerber, so sind die Spielregeln eines Wettbewerbs. Klar ist aber, dass Berlin mit der interdisziplinären Zusammenarbeit von Informatikern, Sozial-, Wirtschafts- und Rechtswissenschaftlern bis hin zu Designforschern punkten will.

Nach Informationen der Berliner Morgenpost hat der Regierende Bürgermeister Michael Müller (SPD) wichtige Zusagen gemacht, sollte Berlin den Zuschlag bekommen. So würden vier beantragte Professuren nach Auslaufen der Aufbauphase mit fünfjähriger Bundes-Förderung weiterfinanziert. Berlin sage auch zu, sich dann dauerhaft mit sieben Millionen Euro pro Jahr am Institut zu beteiligen. Zusätzlich stelle Berlin eine rund 2000 Quadratmeter große Immobilie bereit, um das Institut dauerhaft unterzubringen. Dessen Geschäftsstelle soll übergangsweise ihr Domizil in direkter Nähe zum Robert-Koch-Forum an der Wilhelmstraße finden.

"Mit dem Antrag setzen wir unsere Digitalisierungsstrategie weiter konsequent um", sagte Müller der Berliner Morgenpost. Kern dieser Strategie ist die Bündelung vorhandener Expertise aus Hochschulen, Forschungseinrichtungen und Wirtschaft und der Aufbau von Kompetenzzentren, die sich jeweils ergänzen. Zusammen mit dem neuen Fraunhofer-Leistungszentrum für Digitale Vernetzung, dem Einstein Center for Digital Future sowie den mehr als 60 neuen Digitalisierungsprofessuren soll das Internet-Institut Teil der Investitionsoffensive des Senats sein.

Eine Experten-Jury soll im Mai oder Juni den Sieger des Wettbewerbs ermitteln. Das Institut soll noch vor der Bundestagswahl gegründet werden.

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