Berlin

Streik-Abstimmung an Flughäfen

Bodenpersonal in Tegel und Schönefeld entscheidet über unbefristeten Arbeitskampf

In dieser Woche entscheidet sich, ob die Angestellten des Bodenpersonals an den Berliner Flughäfen wieder streiken – und zwar richtig lange. Die Gewerkschaft Verdi startet am heutigen Dienstag eine Urabstimmung. Dabei werden die Mitglieder in Tegel und Schönefeld befragt, ob sie unbefristeten Streiks zustimmen. Liegt die Zustimmung bei mindestens 75 Prozent, steht dem nichts mehr im Weg. „Wir rechnen mit einem deutlichen Ergebnis und könnten schon am Sonnabend losschlagen“, sagte Verdi-Flughafenexperte Enrico Rümker der Berliner Morgenpost.

Seit Monaten verhandelt Verdi mit den Arbeitgebern der rund 2000 Beschäftigten, die sich um Check-in, Gepäckverladungen und weitere Bodendienste kümmern. Die Gewerkschaft fordert unter anderem eine Lohnerhöhung von einem Euro pro Stunde – aktuell sind es durchschnittlich elf Euro. Das bislang einzige Angebot der Arbeitgeber liegt bei einem Plus von etwas mehr als zehn Cent. Verdi bezeichnet das als „beschämend“, die Arbeitgeber würden einen „noch nie dagewesenen Konflikt mit den Beschäftigten“ provozieren. In der Folge kam es in diesem Jahr bereits zu zwei Streiks über jeweils mehrere Stunden. Insgesamt fielen rund 350 Flüge aus. Die Arbeitgeberseite zeigte dafür kein Verständnis und wies darauf hin, dass die Forderungen wegen des „schwierigen Marktumfeldes“ nicht zu stemmen seien.

Am Freitagmorgen zählt Verdi das Ergebnis der Urabstimmung aus. Durch diese hat sich die Situation für die Arbeitgeber noch mal verschärft. Denn selbst wenn es mit der Tarifkommission von Verdi noch zu einem Kompromiss kommt, haben die Arbeitgeber bei einer erfolgreichen Abstimmung das Recht, die neuen Bedingungen bei einer Dreiviertelmehrheit abzulehnen – und unbefristet zu streiken.

Nachdem die ersten fünf Verhandlungsrunden ohne Ergebnis blieben, haben nun einige der fünf Bodendienstleister offenbar im Alleingang den Kontakt zu Verdi gesucht. „Jeder will natürlich einen Tarifvertrag aushandeln, der ihm am meisten nutzt“, sagt Rümker. Für alle gelte aber natürlich: So günstig wie möglich. Wie berichtet, schildern die Mitarbeitern die Arbeitsbedingungen an den Flughäfen als katastrophal. Wegen schlechter Bezahlung und befristeten Arbeitsverträgen fehle es an motiviertem, qualifiziertem Personal. Das Resultat sei eine Gefährdung der Sicherheit, etwa weil Passagiere nicht ordnungsgemäß eingecheckt, Maschinen nicht korrekt beladen werden könnten. Viele wechseln laut Verdi deshalb zur Flughafen Berlin Brandenburg GmbH oder den Sicherheitsdiensten, da dort bessere Konditionen gelten.

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