Berlin

In Berlin wird mehr adoptiert als in anderen Bundesländern

Für viele Paare ist eine Adoption oft der letzte Ausweg. Im vergangenen Jahr hat es in der Hauptstadt etwa 70 davon gegeben.

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In Deutschland ist jedes zehnte Paar ungewollt kinderlos. Das ist auch in Berlin nicht anders. Wie groß aber die Sehnsucht nach einem eigenen Kind ist, war kürzlich auf der Kinderwunschmesse zu beobachten, die Mitte Februar erstmals in der Hauptstadt stattfand. Viele Menschen informierten sich dort über diverse Verfahren der Reproduktionsmedizin, von denen einige hierzulande aus ethischen Gründen verboten sind, zum Beispiel die Leihmutterschaft oder die Eizellenspende.

Für Paare, die auch mithilfe der Reproduktionsmedizin kein Kind bekommen können, ist oft die Adoption eines Kindes der letzte Ausweg. „In Berlin ist die Anzahl der adoptierten Kinder entgegen dem Bundestrend in den vergangenen Jahren sogar gestiegen“, sagte Thorsten Metter, Sprecher von Jugendsenatorin Sandra Scheeres (SPD), der Berliner Morgenpost. Im vergangenen Jahr habe es in der Hauptstadt etwa 70 Fremdadoptionen gegeben. Dabei handelt es sich um Adoptionen von nicht verwandten Kindern. Laut Metter wurden im Jahr 2016 insgesamt 40 Kinder durch die Adoptionsvermittlungsstelle der Senatsverwaltung an Familien vermittelt, 30 Kinder über die Caritas. Zahl der adoptierten Kinder nimmt immer mehr ab

„In Berlin sind die Vermittlungszahlen für Adoptionen im Vergleich zu anderen Bundesländern oder Kommunen relativ hoch“, sagte Metter. Das läge nach Einschätzung der Jugendverwaltung insbesondere an sozialen Problemen, die in der Metropole Berlin größer seien als anderswo. „In diesem Jahr wurden beispielsweise bereits 16 Adoptionen durchgeführt beziehungsweise angeregt“, so Metter. Meist melden sich Schwangere, die ihr Kind nicht behalten können, oder Mütter entscheiden sich nach der Geburt, ihr Kind in die Adoption zu geben. Heute sind offene Adoptionsformen üblich. Das heißt, dass die Kinder erfahren, dass sie adoptiert wurden.

Oft besteht auch Kontakt zwischen den leiblichen Eltern und den Eltern, die ein Kind adoptiert haben. Kinder, die aus der Familie genommen werden müssen, weil etwa Missbrauch oder soziale Verwahrlosung vorliegen, werden aber meist nicht zur Adoption freigegeben, sondern in die sogenannte Vollzeitpflege vermittelt. In Berlin waren zum Stichtag 31. Dezember 2015 insgesamt 2820 Kinder und Jugendliche in Vollzeitpflege, am 31. Dezember 2014 waren es 2823, Ende 2013 betrug die Zahl 2788.

Die Gründe für eine Adoption sind vielfältig

Ein Höchstalter für Adoptiveltern gibt es in Berlin nicht, auch keine gesetzlichen Vorgaben, dass nur Paare Kinder adoptieren dürfen, sagte Thorsten Metter. In der Praxis hätten jedoch Singles und alle, die älter als 45 Jahre sind, weniger Chancen auf eine Adoption.

Zur Adoption werden auch die Kinder vermittelt, die in einer der fünf Berliner Babyklappen abgegeben werden. Diese Vermittlungen werden vom Adoptionsdienst Berlin Caritas und Immanuel Diakonie durchgeführt. In den vergangenen Jahren waren es insgesamt mehr als 20 Kinder.

Die Gründe dafür, dass Mütter ihre Kinder zur Adoption freigeben, seien vielfältig, sagte eine Mitarbeiterin des Adoptionsdienstes der Berliner Morgenpost. Oft kämen mehrere Gründe zusammen. So etwa eine schwierige soziale Lage und die Tatsache, dass die Frauen selbst als Kind keine Zuwendung erfahren haben und das eigene Leben kaum meistern könnten. Auch minderjährige Frauen mit Migrationshintergrund oder Frauen, die verlassen worden seien und es allein nicht schaffen könnten, würden ihre Kinder zur Adoption geben.