Prozess in Berlin

Warum wurden die Kudamm-Raser wegen Mordes verurteilt?

Die Verteidiger hatten Schuldsprüche wegen fahrlässiger Tötung gefordert, die Anklage lautete auf Mord. Was sind die Unterschiede?

Der Bundesgerichtshof hat das Urteil gegen die Kudamm-Raser aufgehoben. Die Angeklagten können auf wesentlich mildere Strafen hoffen.

Beschreibung anzeigen

Wird ein Mensch getötet, sieht das Recht verschiedene Tatbestände für das Verfahren gegen den oder die Täter vor. Das Spektrum reicht von Körperverletzung mit Todesfolge bis zu Mord.

Kudamm-Raser wegen Mordes zu lebenslanger Haft verurteilt

Kommentar: Warum das Raser-Urteil ein wichtiges Signal ist

Körperverletzung mit Todesfolge: Kommt ein Verletzter nach einem Angriff ums Leben, kann es sich um eine Körperverletzung mit Todesfolge handeln. Das ist etwa der Fall, wenn ein Opfer nach einem Schlag ins Gesicht oder einem Tritt in den Bauch stirbt. Das StGB sieht dafür mindestens drei Jahre Gefängnis vor.

Fahrlässige Tötung: Verursacht jemand fahrlässig den Tod eines anderen wie bei einem Verkehrsunfall, drohen für diese fahrlässige Tötung eine Geldstrafe oder maximal fünf Jahre Gefängnis.

Totschlag: Wer einen Menschen umbringt, ohne dass ein Mordmerkmal zutrifft, wird laut Strafgesetzbuch (StGB) „als Totschläger mit Freiheitsstrafe nicht unter fünf Jahren bestraft“. In besonders schweren Fällen ist auch eine lebenslange Gefängnisstrafe möglich.

Mord: Wer als Mörder verurteilt wird, erhält lebenslange Haft. Frühestens nach 15 Jahren ist eine Entlassung auf Bewährung möglich. Für Mord gelten zwei Voraussetzungen. Zum einen muss mindestens ein bedingter Vorsatz vorliegen: Der Täter muss den Tod seines Opfers voraussehend und billigend in Kauf nehmen, wie die Juristen dies ausdrücken. Die Absicht einer Tötung wird nicht vorausgesetzt.

Zweite Voraussetzung für die Einstufung als Mord sind die Merkmale, die im Strafgesetzbuch aufgeführt sind. Dazu gehören Mordlust, Habgier, Heimtücke, Grausamkeit oder das Begehen der Tat zur Verdeckung anderer Straftaten oder mit gemeingefährlichen Mitteln.

In der Mordanklage zu den Rasern in Berlin argumentierte die Staatsanwaltschaft, die Täter hätten tödliche Folgen billigend in Kauf genommen. Sie hätten gemeingefährliche Mittel eingesetzt und aus niedrigen Beweggründen gehandelt, um ein illegales Rennen zu gewinnen.

Lesen Sie mehr zum Thema Kudamm-Raser:

Kudamm-Raser: Anwälte fordern milde Strafen

Verteidiger von Kudamm-Raser: Mordvorwurf nicht bestätigt

Staatsanwalt fordert für Kudamm-Raser lebenslänglich

Tauentzien-Raser hat sich „massiv" selbst überschätzt