Berlin

U-Bahn könnte auch einmal zum BER fahren

Die Neuköllner SPD fordert seit Jahren die U7-Verlängerung. Verkehrsstaatssekretär Kirchner will das jetzt prüfen

Trotz der klaren politischen Vorrangschaltung für die Straßenbahn will Verkehrsstaatssekretär Jens-Holger Kirchner das in Berlin lange vernachlässigte Thema neue U-Bahnstrecken wieder aufleben lassen. „Wir rechnen mittelfristig mit Einwohnerzuwachs in Berlin auf bis zu 4,5 Millionen Menschen. Da brauchen wir neue Lösungen. Und das kann im Bedarfsfall auch einen neue U-Bahnstrecke sein.“

Zu den Verbindungen, die Kirchner prüfen lassen will, gehört auch die Verlängerung der U7 von der heutigen Endstation Rudow zum Flughafen BER in Schönefeld. Über diese Idee wird seit Jahren debattiert, zuletzt hatte sich Neuköllns Bezirksbürgermeisterin Franziska Giffey (SPD) dafür starkgemacht. „Ein Hauptstadtflughafen braucht auch eine Hauptstadtanbindung“, hatte die SPD-Politikerin erst im November vorigen Jahres gefordert. Dazu gehöre auch eine leistungsfähige U-Bahn, die den Berliner Südwesten mit dem neuen Großflughafen verbindet. Bislang ist lediglich vorgesehen, dass zwischen Rudow und dem BER Linienbusse der BVG fahren. Giffey warnte in diesem Zusammenhang vor einer einseitigen Strategie hinsichtlich der weiteren Entwicklung der Verkehrsinfrastruktur. Denn das neue rot-rot-grüne Bündnis hatte sich darauf festgelegt, dass es in den kommenden fünf Jahren keine konkreten Planungen für eine Erweiterung des U-Bahnnetzes geben soll, damit alle planerischen Kapazitäten in der Senatsverkehrsverwaltung auf die Erweiterung der Straßenbahn konzentriert werden können.

Kirchner erinnert an die Leistungen der Verkehrspolitiker vor mehr als 100 Jahren, die damals die Eisenbahnstrecken konzipiert haben, die heute den Berliner S-Bahnring darstellen. „Die Vorschläge für neue U-Bahnstrecken müssen untersucht werden, wobei das nicht heißt, dass die Züge dann morgen schon fahren“, sagte Kirchner auch mit Blick auf die heutzutage ex­trem langen Planungs- und Realisierungszeiten für Infrastrukturprojekte.

Erst im Sommer vorigen Jahres hatten Verkehrspolitiker von SPD und CDU den Senat aufgefordert, neue U-Bahnstrecken ernsthaft zu prüfen. Neben der U8-Verlängerung ins Märkische Viertel (Reinickendorf), der U7 zum BER und der U3 zum Mexikoplatz (Zehlendorf) standen auch die Idee eines Weiterbaus der U2 im Westen ins Falkenhagener Feld (Spandau) sowie eine Verlängerung der U2 von der Warschauer Straße zum Ostkreuz auf der Prüfliste. Letzterer Vorschlag wird auch von der BVG als sinnvoll erachtet und unterstützt. Der Senat, der die nötigen Mittel dafür bereitstellen müsste, hat sich bislang dazu nicht positioniert.