Berlin

Schicksalstage für BER-Geschäftsführer Mühlenfeld

Nach dem Bund will nun offenbar auch Berlin eine Sondersitzung des Flughafen-Aufsichtsrats.

Da waren sie noch ein Team: Karsten Mühlenfeld (r.) und Jörg Marks

Da waren sie noch ein Team: Karsten Mühlenfeld (r.) und Jörg Marks

Foto: Reto Klar

Nach seinem Alleingang bei der Entlassung seines bisherigen Technikchefs scheinen auch die Tage von
Berlins Flughafengeschäftsführer Karsten Mühlenfeld gezählt. Am Sonnabend mehrten sich die Anzeichen, dass der Aufsichtsrat der Flughafengesellschaft zu einer Sondersitzung noch vor dem nächsten regulären Treffen am 17. März zusammenkommt. Dazu fänden intensive Abstimmungen statt, hieß es am Sonnabend aus Gesellschafterkreisen.

Nach dem Bund, der die Sondersitzung beantragt hat, ist offenbar nun auch Berlin an einer Beratung über das weitere Vorgehen interessiert. Offen ist bislang, welche Position das Land Brandenburg, das vor zwei Jahren Mühlenfeld als Mehdorn-Nachfolger vorgeschlagen hat, und die Arbeitnehmervertreter in dem Gremium haben.

Kommt eine Sondersitzung zustande, könnte das bedeuten, dass Flughafenchef Mühlenfeld seinen Posten aufgeben muss. Verzichten die drei Gesellschafter Berlin, Brandenburg und der Bund auf diese Sitzung, ist eher damit zu rechnen, dass sie trotz aller Kritik an ihm festhalten.

Auslöser für die aktuelle Führungskrise ist die Entscheidung, Jörg Marks zu entlassen

Die entscheidende Frage sei, welche personelle Alternative es denn zu Karsten Mühlenfeld gebe, hieß es aus Aufsichtsratskreisen. Erste Namen werden bereits genannt: Etwa der von Rainer Bomba, der seit vielen Jahren die Interessen des Bundes im Flughafenaufsichtsrat vertritt und der sich bereits 2015, als ein Nachfolger für den zuvor plötzlich zurückgetretenen Hartmut Mehdorn gesucht wurde, ins Gespräch gebracht hatte.

Oder der von Engelbert Lütke Daldrup, der als Flughafenkoordinator im Berliner Senat gut mit der schwierigen Materie BER vertraut ist. Beide sind zudem Beamte, die kurzfristig und ohne schwierige Ausstiegsverhandlungen beim alten Arbeitgeber den Job übernehmen könnten.

Auslöser für die aktuelle Führungskrise in der Flughafengesellschaft ist die von Mühlenfeld am Donnerstag bekannt gegebene Entscheidung, den bisherigen Technikchef Jörg Marks zu entlassen und durch einen neuen Mann zu ersetzen. Einige Aufsichtsräte sind so verärgert über Mühlenfelds Vorgehen, dass in ihrem Umfeld die Frage gestellt wird, wie eine weitere vertrauensvolle Zusammenarbeit mit dem Flughafenchef möglich sein soll.

Sie kritisieren seinen Alleingang, Technikchef Jörg Marks zu entlassen – gegen die klare Auffassung des Präsidialausschusses des BER-Aufsichtsrats. Dem gehören die beiden Flughafenkoordinatoren Engelbert Lütke Daldrup (Berlin) und Rainer Bretschneider (Brandenburg), der Regierende Bürgermeister und Aufsichtsratschef, Michael Müller, sowie Rainer Bomba, Staatssekretär im Bundesverkehrsministerium, an.

Wird Mühlenfeld geschasst, müsste sich ein neuer Chef erst einarbeiten

Auf Kritik stießen aber auch Aussagen Mühlenfelds in einem „Tagesspiegel“-Interview. Dort hatte er unter anderem erklärt, die von Marks geführte BER-Bauleitung habe „in den letzten Monaten jeden Termin gerissen“. Der Flughafenchef berichtete dort auch, dass ein Ersatz für Marks bereits seit mehreren Wochen gesucht worden sei, das sei zumindest dem Anteilseigner Berlin bekannt gewesen. Dies wird von Senatsseite entschieden zurückgewiesen. Alle Gesellschafter seien von Mühlenfelds Personalentscheidung vollkommen überrascht worden, hieß es.

Die Situation ist indes verfahren. Wird Mühlenfeld geschasst, müsste sich ein neuer Chef erst einarbeiten. Sollte in der Folge auch 2018 eine Eröffnung nicht möglich sein, stünde der Aufsichtsratschef erst recht in der Kritik. Hält das Kontrollgremium am Flughafenchef fest, bestünde jedoch eine konfliktträchtige Beziehung fort. Und sollten Mühlenfeld und sein neuer BER-Projektleiter Christoph Bretschneider eine Eröffnung 2018 nicht hinbekommen, würde die Kritik mit Sicherheit wieder auf Michael Müller zurückfallen, weil er zu lange an ihm festgehalten hat.

Unklar ist bislang, welche Position der zweite große Flughafengesellschafter, das Land Brandenburg, in den aktuellen Personalquerelen bezieht. Flughafenkoordinator Bretschneider ließ lediglich verlautbaren, dass er die von Mühlenfeld getroffene Entscheidung „zur Kenntnis nehme“. Vorbehaltlose Rückendeckung für den Flughafenchef sieht anders aus. Allerdings hatte Brandenburg den früheren Rolls-Royce-Ingenieur Mühlenfeld im März 2015 als Mehdorn-Nachfolger vorgeschlagen und ihn gegen den erklärten Widerstand des Bundes auch durchgesetzt. Ihn jetzt fallen zu lassen, wäre das späte Eingeständnis einer Fehlentscheidung.

Schleudersitz BER-Bauleiter

Projektchef: Ebenso wie auf regelmäßige Terminverschiebungen für die BER-Eröffnung ist auf Personalwechsel in der Flughafengesellschaft Verlass. So ist Christoph Bretschneider, der am Freitag seinen Dienst angetreten hat, bereits der fünfte Bauleiter für das Milliardenprojekt innerhalb von fünf Jahren.

Nebentätigkeit: Zunächst als Bereichsleiter, ab 2008 als Technikvorstand kümmerte sich Manfred Körtgen um den Bau des Großflughafens in Schönefeld. Dies forderte ihn offenbar so wenig, dass er nebenbei eine Doktorarbeit schreiben konnte. Nach der Absage im Mai 2012 musste er seinen Stuhl räumen.

Heilsbringer: Ab August 2012 sollte Horst Amann das BER-Projekt retten. Nach einem Machtkampf mit Flughafenchef Horst Mehdorn wurde er 2013 zwangsversetzt. Mehdorn holte zunächst Jochen Großmann (im Juni 2014 wegen Korruption entlassen) und August 2014 Jörg Marks als „Heilsbringer“.

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