Kino

Neues Programmkino Wolf eröffnet in Neukölln

In Neukölln startet das "Wolf" mit zwei Sälen und neuen Ideen. Am Samstag steigt die Eröffnungsparty und ab März geht der Betrieb los.

Kino-Chefin Verena von Stackelberg und Marcin Malaszczak wollen das neu gegründete Kino Wolf zu einem Treffpunkt im Kiez machen

Kino-Chefin Verena von Stackelberg und Marcin Malaszczak wollen das neu gegründete Kino Wolf zu einem Treffpunkt im Kiez machen

Foto: Paul Zinken

Schon von weitem ist das "Wolf" zu sehen. Gleich im Rudel kommt er einem entgegengelaufen, hölzerne Figuren, die vom Balkon im ersten Stock herunterhängen und durch den Wind gleichsam zum Leben erweckt werden. Auch auf den Fensterscheiben steht in goldenen Lettern: Wolf.

Drinnen riecht es allerdings nicht nach Wildtier, sondern nach frischem Putz und neuer Farbe. Das Wolf ist ja auch gerade erst fertig geworden. In der vergangenen Woche gab es mit dem in Berlin spielenden Film "Tiger Girl" ein Pre-Opening in der Reihe "Berlinale goes Kiez", an diesem Wochenende steigt die Eröffnungsparty und ab 1. März geht der Betrieb dann richtig los.

Das Wolf ist ein neues Kino mit zwei klassischen Sälen und einem multifunktionalen Studio. Aber als Kino ist das Wolf erst einmal nicht zu erkennen. Wer hereinkommt, steht vor einer Bar mit schönem Holztresen, dahinter eine neue Gastro-Espressomaschine, deren Kaffeeduft den Farbgeruch bald überdeckt. Daneben ein Cafébereich, alles in warmes Licht getaucht, eine gemütliche Atmosphäre. Erst auf den zweiten Blick sind die beiden Aufschriften Saal 1 und Saal 2 zu entdecken.

Die roten Sessel kommen aus dem Adria-Filmtheater in Steglitz

Dass das Wolf nicht gerade mit der Kinotür ins Haus fällt, ist gewollt. "Der gastronomische Teil ist genauso wichtig wie das Kino", sagt Verena von Stackelberg, die das Kino betreibt. Und Marcin Malaszczak, der das Projekt von Anfang an mitentwickelt hat, ergänzt: "Die Bar soll etwas anderes sein als ein transitartiger Foyerraum." Die beiden wollen das Wolf zu einem Treffpunkt machen, für Nachbarn im Kiez genauso wie für Filmemacher.

"Wir wollen alte und neue Filme zeigen, vor allem aber gute", so die schlichte Formel von Verena von Stackelberg. Die Besucher – 49 passen in den einen, 40 in den anderen Saal – können es sich dabei in roten Samtsesseln gemütlich machen. Die Bestuhlung stammt aus dem Adria-Filmtheater in Steglitz. Das Cineplex-Kino hat seine Sessel kürzlich erneuert, doch die alten sehen noch wie neu aus.

Früher war hier mal ein Zigarrengeschäft, später ein Bordell

Ohne die Hilfe des Adria und anderer wäre das Projekt wohl nicht zustande gekommen. Vor zwei Jahren startete Verena von Stackelberg eine Crowdfunding-Kampagne, bei der 55.000 Euro zusammenkamen – mehr als erhofft. Aber das Geld reichte natürlich nicht. Weitere Unterstützer fanden sich bei Filmschaffenden und auch beim Medienboard Berlin-Brandenburg. Insgesamt etwa 500.000 Euro haben die Wolf-Macher investiert und das sieht man dem Ort an. Die Holzflächen sind massiv, die Technik auf dem neuesten Stand, der Schallschutz so stark, dass sich noch kein Nachbar beschwert hat, die Details sind mit Liebe ausgewählt. Das Wolf will kein Provisorium im Shabby-Chic sein. Immerhin ist der Mietvertrag für 20 Jahre geschlossen.

Vor sechs Jahren kam Verena von Stackelberg die Idee zum eigenen Kino. Damals leitete sie eine Kinogruppe in London, vergleichbar mit den Yorck-Kinos in Berlin. Außerdem saß die heute 40-Jährige auch schon in der Berlinale-Jury und war Filmverleiherin. Mit Kino kannte sie sich also aus und eine Location hatte sie auch bald gefunden, direkt gegenüber von ihrer Wohnung, in einem Ladengeschäft Weser- Ecke Wildenbruchstraße. Früher war hier mal ein Zigarrengeschäft, später ein Bordell. Der Zustand der Räume war zwar schlecht, der Putz bröckelte von der Decke, überall waren Löcher, aber das schreckte sie nicht. Genauso wenig wie die Warnungen, die ihr entgegenschlugen.

Der Wolf als Namensgeber hat die Macherin ermutigt, auch mal wild zu denken

"Viele haben mir damals einen Vogel gezeigt." 2010 war das große Kinosterben in Berlin noch nicht zu Ende. Viele kleinere Filmtheater hatten bereits geschlossen, gerade stand die "Kurbel" in Charlottenburg vor dem Aus, sie sollte einem Bioladen weichen. Stattdessen wurden Multiplexe eröffnet. Aber Verena von Stackelberg wolle sich mit dieser Entwicklung nicht abfinden. Der Name Wolf erscheint dabei wie ein Symbol: " Der Wolf ist ein Pionier, er versucht spielerisch neue Wege zu finden, und er hat mich ermutigt, auch etwas wild zu denken", sagt sie.

Eine Haltung, die auch Marcin Malaszczak teilt, nicht zuletzt deshalb war der Regisseur, der seine Filme schon in der Sektion Forum der Berlinale gezeigt hat, von Anfang an mit im Projekt. Auch er sieht Raum für Neues im Wolf: "Kino als reines Konsumgut, das funktioniert nicht, da hat man gegen die Großen keine Chance." Die beiden wollen Neues ausprobieren, "zum Beispiel auch mal unfertige Filme zeigen und dann mit den Beteiligten darüber diskutieren", verrät Verena von Stackelberg. Und im Studio sollen junge Filmemacher an ihren Werken arbeiten können. Kino zum Anfassen.

In den vergangenen Jahren wurden manche alte Kinos in Berlin wiederbelebt

Die Entwicklung hat den beiden inzwischen Recht gegeben, heute zeigt ihnen keiner mehr einen Vogel. In den vergangenen Jahren wurde so manches alte Berliner Kino wiederbelebt oder hat ganz neu aufgemacht. Um die Ecke in der Nansenstraße gibt es seit zwei Jahren das "Il Kino", in Friedrichshain entstand das "Zukunft", und das "Eiszeit" in Kreuzberg wurde ebenso wiederbelebt wie das City Kino Wedding. Eigentlich wollte auch das Wolf schon früher eröffnen, "aber wir haben den Aufwand etwas unterschätzt", gibt Verena von Stackelberg zu. Ihre ganze Energie hat sie in den vergangenen zwei Jahren in das Projekt gesteckt – und ist nebenbei noch Mutter geworden.

Aber jetzt ist es endlich so weit, die im Wind schwingenden Wölfe laden ein zum Kinobesuch. Das Programm steht noch nicht, nur eines ist schon klar: Der russische Animationsfilm "Das Märchen der Märchen" wird auf jeden Fall dabeisein. Es ist nicht nur Stackelbergs Lieblingsfilm, es geht dabei natürlich auch um einen Wolf.

Info "Wolf", Weserstraße 59, Neukölln, Tickets 6–8,50 Euro, Eröffnungsparty: 25. Februar ab 10 Uhr, Kinobetrieb ab 1. März, das Programm steht dann unter wolfberlin.org

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