Einwohnerzahl steigt

Potsdam entwickelt sich am schnellsten

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Katrin Starke
Potsdam (hier die Nikolaikirche) wird attraktiver

Potsdam (hier die Nikolaikirche) wird attraktiver

Foto: imago stock / imago/Jürgen Ritter

Im Vergleich der deutschen Landesmetropolen zeigt sich die brandenburgische Hauptstadt auf der Gewinnerseite.

Potsdam.  „Die traurigen Zeiten haben wir lange hinter uns, als ich Mitte der 90er-Jahre als Jugendamtsleiter noch Kindertagesstätten und Schulen schließen musste“, sagt Potsdams Oberbürgermeister Jann Jakobs (SPD). Der Bevölkerungsschwund sei Schuld gewesen. Ein Problem, das man in der Landeshauptstadt seit 17 Jahren nicht mehr kennt. Im Gegenteil: Potsdam wächst stetig. Aktuell dürfte die Stadt mehr als 172.000 Einwohner haben, ist Jakobs überzeugt. Ende 2016 seien es ja schon 171.597 gewesen. Ende 2015 hatte die Stadt immerhin schon 167.505 Einwohner, 3837 oder 2,3 Prozent mehr als noch im Jahr zuvor. Das war der größte Bevölkerungszuwachs aller deutschen Landeshauptstädte. Mit dieser Wachstumsrate verwies Potsdam sogar München (2,1 Prozent) auf Platz zwei. Das geht aus dem Vergleich aller deutschen Landeshauptstädte hervor, den Potsdam auf Basis kommunaler Statistiken seit 1996 erstellt. Den aktuellen 21. Bericht mit den Zahlen des Jahres 2015 stellte Jakobs mit Kreiswahlleiter Matthias Förster und Heike Gumz, Leiterin des Bereichs Statistik und Wahlen, am Freitag vor.

„Insbesondere im Vergleich mit den fünf ostdeutschen Hauptstädten und Berlin hat Potsdam eine sehr gute Entwicklung genommen“, bilanziert Jakobs. Und der Trend, nach Potsdam zu ziehen, hält an: 12.093 Zuzüge stehen 8571 Wegzügen gegenüber. „Der Wanderungsgewinn war mit 21 Personen je 1000 Einwohner der zweitgrößte aller Landeshauptstädte“, sagt Förster. Weshalb sich in der Stadt auch reichlich Baukräne drehen: 1233 neue Wohnungen wurden 2015 fertiggestellt.

Potsdam bei jungen Paaren beliebt

Vor allem Menschen aus anderen Teilen Brandenburgs entschieden sich für Potsdam als neue Heimat (19,5 Prozent aller Zuzüge), fast gleichauf mit Berlinern (19,4 Prozent) und Ausländern (18,4 Prozent), gefolgt von Umzugswilligen aus den alten Bundesländern (17,1 Prozent). Nicht nur die Attraktivität der Landeshauptstadt sei Ursache für die hohe Zuzugsrate. „Die ist auch auf die Zuweisung vieler Geflüchteter zurückzuführen“, sagt Förster. Mit einem Ausländeranteil von 6,5 Prozent hat Potsdam die höchste Quote unter den ostdeutschen Hauptstädten.

Was Jakobs besonders freut: dass Potsdam bei jungen Paaren beliebt ist. Mit einer Geburtenrate von 10,6 Lebendgeborenen je 1000 Einwohner rangiert Potsdam nach Dresden (11,3 Prozent), München (11,3 Prozent) und Hamburg (10,8 Prozent) auf dem vierten Platz. „Nicht von ungefähr haben wir eine so hohe Investitionsquote bei Schulbauten“, verweist Jakobs auf die Folgen der zahlreichen Geburten. Mit 13,8 Prozent besitzt Potsdam den größten Anteil an Kindern unter 14 Jahren, gefolgt von Wiesbaden (13,2 Prozent) und Dresden (13,1 Prozent). 67,7 Prozent der Potsdamer Kinder von 0 bis 14 Jahren werden in Krippe, Kita oder Hort betreut.

Wirtschaftskraft bleibt unterdurchschnittlich

Beim Bruttoinlandsprodukt je Erwerbstätigem schneidet Potsdam dagegen nicht so glanzvoll ab. Das sei in den westdeutschen Hauptstädten insgesamt deutlich höher als in den ostdeutschen, sagt Förster. So kam München auf 95.200 Euro, Potsdam dagegen mit 57.400 Euro nur auf gut die Hälfte. Besser sieht die Beschäftigungssituation aus: Hatte Berlin mit 4,0 Prozent 2015 die größte Steigerungsrate an sozialversicherungspflichtig Beschäftigten zu vermelden, landete Potsdam mit einem Plus von 3,7 Prozent auf Platz zwei.

Potsdam sei aber nicht nur ein attraktiver Ort zum Wohnen, sondern auch zum Arbeiten, sagt Förster. So sind von den rund 81.700 in der Landeshauptstadt Beschäftigten 46.600 keine Potsdamer. Heißt: 58,1 Prozent und damit weit über die Hälfte der in Potsdam Arbeitenden sind Einpendler, vielfach aus Berlin und dem Speckgürtel.

Dass Potsdam bei Touristen zwar beliebt, hier aber noch Potenzial nach oben ist, beweisen die Zahlen ebenfalls: 475.419 Mehrtagesgäste kamen 2015 – eine Steigerung um 8,7 Prozent gegenüber 2014. Aber: Im Vergleich der deutschen Hauptstädte landet Potsdam damit nur im Mittelfeld. Positiv: Die Besucher bleiben länger als anderswo.

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