Pannen-Airport BER

Flughafen-Chef Mühlenfeld steht erneut unter Druck

BER-Chef Mühlenfeld wird für Marks’ Ablösung hart kritisiert – auch vom Aufsichtsrat. Der Technikchef erhält 500.000 Euro Abfindung.

Flughafenchef Karsten Mühlenfeld unter Druck

Flughafenchef Karsten Mühlenfeld unter Druck

Foto: dpa Picture-Alliance / Bernd Settnik / picture alliance / Bernd Settnik

Nach seiner Entscheidung, BER-Technikchef Jörg Marks zu entlassen, gerät Flughafenchef Karsten Mühlenfeld selbst unter Druck. Der Bund habe eine Sondersitzung zur Situation am BER beantragt, wurde am Freitag aus Gesellschafterkreisen bestätigt. Inzwischen zeichnet sich ab, dass sie auch tatsächlich stattfindet. Für diesen Fall schließt man in Gesellschafterkreisen nicht aus, dass der Flughafenchef selbst in Frage steht. Man mache ja keine Sondersitzung, um nur mahnend den Finger zu heben, hieß es vielsagend.

Die Verärgerung bei Gesellschaftern und Aufsichtsräten über Mühlenfeld ist groß. Der Flughafen-Chef wird heftig dafür kritisiert, Marks gefeuert und den früheren Geschäftsführer der DB ProjektBau GmbH, Christoph Bretschneider, angeheuert zu haben. Auch Berlins Regierender Bürgermeister und Flughafen-Aufsichtsratschef Michael Müller (SPD) ließ wenig Begeisterung erkennen. Der Aufsichtsrat werde eng überwachen, ob der Wechsel die Fertigstellung des Flughafens beschleunige, betonte er. Die Geschäftsführung müsse sich daran messen lassen, "dass der BER sicher und im Kostenrahmen 2018 eröffnet wird", verkündete der Aufsichtsratschef am Donnerstag distanziert.

Das Unbehagen wurde offenbar noch durch ein Interview verstärkt, das Mühlenfeld am Freitag dem "Tagesspiegel" gab. Dort erklärte er, die von Marks geführte Bauleitung habe "in den letzten Monaten jeden Termin gerissen". Beim Austausch einer einzigen Person gehe nicht signifikant Know-how verloren. Seit mehreren Wochen sei ein Ersatz für Marks gesucht worden, das sei zumindest dem Anteilseigner Berlin bekannt gewesen. Nach der deutlichen Kritik an Mühlenfeld am Donnerstag war indes der Eindruck entstanden, dieser habe im Alleingang und gegen den Willen der Gesellschafter Bund, Berlin und Brandenburg gehandelt.

Der plötzliche Rauswurf des Technikchefs kommt die Flughafengesellschaft offenbar teuer zu stehen. Jörg Marks soll für seinen vorzeitigen Abgang eine Abfindung von zwei Jahresgehältern erhalten, dem Vernehmen nach geht es dabei um mehr als 500.000 Euro. Mühlenfeld erklärte dazu im Interview lapidar, er habe den Vertrag nicht abgeschlossen.

Marks werden die Probleme auf der BER-Baustelle vorgeworfen

Marks werden offenbar die großen Probleme auf der BER-Baustelle in Schönefeld zur Last gelegt, die im Januar zu einer erneuten Verschiebung der Flughafen-Eröffnung geführt hatten. So war bekannt geworden, dass Hunderte Türen im BER-Terminal nicht richtig funktionieren und dass Zuleitungen für die Sprinkler teilweise nicht ausreichend dimensioniert sind. Türen und Sprinkler sind wichtige Elemente für das Brandschutzsystem. Michael Müller musste daraufhin bekannt geben, dass die Inbetriebnahme des BER bis Jahresende 2017 nicht mehr möglich ist. Inzwischen ist die Eröffnung für 2018 vorgesehen, wobei Müller auf einen Termin im Sommer hofft.

Mühlenfeld verteidigte am Freitag seine Entscheidung auch in seinem monatlichen Politikbrief. "Ich schätze Marks menschlich und fachlich sehr. Dennoch ist jetzt die richtige Zeit für einen Wechsel", schrieb er dort. Im angefügten "BER-Barometer" kritisierte er allerdings, das neue Problem mit der Sprinkleranlage sei "ärgerlich und hätte früher identifiziert werden müssen". Mühlenfeld erklärte ferner, es habe "leider" keine andere Möglichkeit gegeben, als den Termin für die BER-Eröffnung im zweiten Halbjahr 2017 abzusagen. "Das war konsequent und folgerichtig nach dem aktuellen Sachstand, den der Baubereich uns mitgeteilt hat."

Marks kam erst im August 2014 von Siemens als Nachfolger von Jochen Großmann auf die Baustelle, der nach einer Korruptionsaffäre entlassen worden war. Zuvor musste Horst Amann nach einem Machtkampf mit dem damaligen Chef Hartmut Mehdorn gehen. Amanns Vorgänger Manfred Körtgen hatte seinen Posten nach der geplatzten BER-Eröffnung 2012 verloren

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