Berlin

Immobilien in Berlin: 60.000 Euro für einen Quadratmeter

Gutachter korrigieren den Bodenrichtwerte nach oben. Am teuersten ist der Baugrund am Pariser Platz.

Der Pariser Platz ist mit 60.000 Euro je Quadratmeter  der neue Spitzenwert in Berlin

Der Pariser Platz ist mit 60.000 Euro je Quadratmeter der neue Spitzenwert in Berlin

Foto: Rainer Jensen / dpa

Die Preisspirale kennt nur eine Richtung: nach oben. Um mit der anhaltenden Verteuerung des Baulandes in der Hauptstadt Schritt zu halten, hat der Gutachterausschuss für Grundstückswerte in Berlin die Richtwerte für unbebaute Grundstücke kräftig nach oben anpassen müssen. Und zwar bereits das dritte Mal in Folge. Auf der Grundlage der im vergangenen Jahr getätigten Verkäufe und der allgemeinen Situation am Immobilienmarkt sind die Preise in allen Segmenten deutlich angestiegen.

Einfamilien- und Reihenhäuser

Am geringsten fiel im Vorjahr die Preissteigerung noch in der sogenannten offenen Bauweise, bei Grundstücken für den Bau von Ein- und Zweifamilienhäusern aus. Hier stiegen die Preise im Durchschnitt um 20 Prozent gegenüber 2015. In einigen Bereichen lag die Preissteigerung allerdings deutlich darüber – etwa im Bezirk Marzahn-Hellersdorf sowie in den Ortsteilen Steglitz, Zehlendorf, Lichterfelde, Köpenick, Adlershof und Grünau um rund 30 Prozent.

Die ohnehin schon teuren Lagen im Südwesten der Stadt stiegen im Preis lediglich um 15 Prozent. Absolut werden hier aber weiterhin die höchsten Kaufpreise ermittelt. Der Spitzenwert in Grunewald und Dahlem liegt demnach bei 2100 Euro je Quadratmeter Grundstücksfläche. Am günstigsten ist das Bauland in Bohnsdorf und Schmöckwitz, wo ein Bodenwert von 130 Euro pro Quadratmeter ermittelt wurde.

Mehrfamilienhäuser

Bei Grundstücken, in denen in der sogenannten geschlossenen Bauweise Miets- und Eigentumswohnungen errichtet werden, zogen die Preise deutlicher an. Die Bodenrichtwerte im Innenstadtbereich stiegen durchschnittlich um mehr als 60 Prozent, am Stadtrand um rund 30 Prozent. Dabei wurden in Teilbereichen auch Preissteigerungen gemessen, die deutlich die 100-Prozent-Marke überschritten: Etwa im Bereich Gneisenaustraße, Urbanstraße in Kreuzberg oder im Bereich Lützow-, Kurfürsten- und Potsdamer Straße in Tiergarten. In beiden Gegenden stiegen die Preise um 108 Prozent, beziehungsweise von 1200 Euro je Quadratmeter auf 2500 Euro. Der Spitzenwert liegt bei 5000 Euro je Quadratmeter bei Grundstücken südlich der Torstraße.

Wohn- und Geschäftshäuser

Besonders glücklich schätzen kann sich, wer über ein Grundstück oder Gebäude am Brandenburger Tor im sogenannten Kerngebiet in bester Innenstadtlage verfügt. Die Preise in der Kategorie „geschlossene Bauweise M1“ mit den typischen Nutzungen für innerstädtische Kerngebietslagen wie etwa am Potsdamer Platz, am Gendarmenmarkt oder an der Friedrichstraße blieben zwar auf hohem Niveau nahezu unverändert. Jedoch gab es einen Ausreißer: Die Anhebung des Niveaus um mehr als 50 Prozent des Bodenrichtwertes am Pariser Platz auf 60.000 Euro je Quadratmeter ist der neue Spitzenwert in Berlin.


Gewerbe

Wegen fehlender Flächenangebote im Zentrum erhöht sich die Nachfrage nach Gewerbestandorten, die innerhalb des S-Bahnringes liegen, deutlich. Die Bodenrichtwerte in diesen Bereichen stiegen zum Teil deutlich um über 50 Prozent. Der Spitzenwert liegt im Bereich der Franklinstraße in Charlottenburg bei 1800 Euro je Quadratmeter Grundstücksfläche.

„Wir sehen den Anstieg der Kaufpreise von Mehrfamilienhäusern und unbebauten Grundstücken mit großer Sorge“, kommentierte Reiner Wild, Geschäftsführer des Berliner Mietervereins (BMV), die aktuellen Bodenrichtwerte. Der Druck auf die Mieten werde weiter steigen, und preisgünstiger Wohnungsneubau sei nahezu unmöglich, so seine Befürchtung. Sozialer Mietwohnungsneubau werde in innerstädtischen Lagen wegen des Anstiegs der Grundstückspreise unmöglich. „Bei Kosten von 1400 bis 2300 Euro je Quadratmeter für unbebaute Grundstücke lasse sich preiswerter Neubau nicht realisieren.“ Der Mieterverein sieht den Gesetzgeber gefordert. „Die Spekulation mit Grund und Boden muss endlich gestoppt und die Mieterhöhungsmöglichkeiten nach Modernisierung müssen eingeschränkt werden“, forderte Wild.

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