Konzepte der Zukunft

Gesundheit: Experten setzen verstärkt auf die Prävention

Wie können wir eine gute gesundheitliche und pflegerische Versorgung in Berlin sicherstellen? Diese Frage stand im Mittelpunkt einer Tagung.

Gottfried Ludewig, Gesundheitsexperte der CDU im Berliner Abgeordnetenhaus

Gottfried Ludewig, Gesundheitsexperte der CDU im Berliner Abgeordnetenhaus

Foto: CDU Berlin/Tobias Koch

Wie können wir eine gute gesundheitliche und pflegerische Versorgung in Berlin sicherstellen? Diese Frage stand im Mittelpunkt einer Tagung, die Gottfried Ludewig, Gesundheitsexperte der CDU-Fraktion im Abgeordnetenhaus, am Dienstag organisiert hat. In fünf Diskussionsforen wurde ein ganzheitlicher Blick auf die Versorgungskette geworfen, von der Vorsorge über die ambulante und stationäre Behandlung bis zur Palliativmedizin.

Fachleute diskutierten über Konzepte der Zukunft

Die Teilnehmer waren sich einig, dass der Prävention heute eine höhere Bedeutung zukommt denn je. Die Menschen werden älter, gleichzeitig nehmen chronische Krankheiten und die Belastungen im Arbeitsleben zu. Auch soziale Benachteiligungen haben Auswirkungen auf die Gesundheit. „Ein Euro für Prävention ersetzt 34 Euro an Behandlungskosten“, mahnte Falko Liecke, Gesundheitsstadtrat in Neukölln (CDU). Er hat in seinem Bezirk ein Präventionsmodell für Familien entwickelt, das inzwischen bundesweit Beachtung findet. Sein wesentlicher Kern besteht darin, über das Gesundheitsamt die verschiedenen Träger und Anbieter mit ihren Leistungen zusammenzubringen und zu koordinieren sowie die Anlaufstellen und Angebote des Bezirks zu bündeln. Allein für die Koordination wurden zwei Mitarbeiter eingestellt, was den Neuköllner Etat immerhin mit 100.000 Euro pro Jahr belastet. Eine gute Investition, ist Liecke überzeugt. Denn so ist eine Präventionskette entstanden, von der nicht nur Familien mit Neugeborenen profitieren, sondern die sie auch in den kommenden Jahren nutzen können.

Damit hat Neukölln auf ein Pro­blem reagiert, das Gabriela Leyh, Geschäftsführerin der Barmer Krankenkasse in Berlin und Brandenburg, als wesentliches Hemmnis in diesem Bereich ausgemacht hat: die verschiedenen Akteure in einer Kommune mit ihren unterschiedlichen Zuständigkeiten und Interessen dazu zu bewegen, an einem Strang zu ziehen. Transparenz und Koordination seien neben der Qualifizierung von Fachkräften die wichtigsten Ziele. Berlin sei bei der Prävention auf einem guten Weg, aber eben noch auf dem Weg, sagte Leyh. So sorgt bisweilen auch die Organisation der Berliner Verwaltung für eine Barriere auf diesem Weg. Das Neuköllner Projekt „Babylotse“ etwa ermöglicht über einen Fragebogen, den Eltern unmittelbar nach der Geburt ihres Kinder im Krankenhaus ausfüllen, einen Hilfebedarf zu erkennen. Die dann angeratene Unterstützung darf das Neuköllner Bezirksamt aber nur Familien aus dem eigenen Bezirk anbieten.

Ulf Fink, ehemaliger Gesundheitssenator, lobte, dass es nun endlich ein Präventionsgesetz auf Bundesebene gebe. Nun müsse eine Landesrahmenvereinbarung für Berlin abgeschlossen werden, die den Gesetzesrahmen mit Leben füllt. Eine wichtige Rolle spielt dabei das betriebliche Gesundheitsmanagement. Große Betriebe hätten meist breit gefächerte Programme, für Klein- und Mittelbetriebe sei es indes schwer, Präventionskurse für ihre Mitarbeiter anzubieten, so Fink. Die Veranstaltung war hochrangig besetzt. Zu den 140 Teilnehmern zählten auch Bundesgesundheitsminister Hermann Gröhe und sein Staatssekretär Lutz Stroppe, Charité-Vorstandsvorsitzender Karl Max Einhäupl, Vivantes-Chefin Andrea Grebe, Berlins Ärztekammer-Präsident Günther Jonitz und Peter Zühlsdorff, Aufsichtsratschef von Vivantes.

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