Sicherheit

Immer mehr Berliner setzen auf eigene Tresore

Händler erleben eine Verdoppelung der Verkäufe von Safes in der Hauptstadt. Was beim Kauf eines Geldschranks beachtet werden sollte.

Hat immer mehr Privatkunden: Uwe Schreckenbach von Hartmann Tresore

Hat immer mehr Privatkunden: Uwe Schreckenbach von Hartmann Tresore

Foto: Amin Akhtar

Rund 32 Mal pro Tag wird in Berlin eingebrochen und der jüngste Überfall auf eine Volksbank in Frohnau zeigt, dass Wertsachen, Familienschmuck und Geldsummen selbst im bewachten Bankschließfach nicht mehr sicher sind. Am heutigen Montag soll die Geschäftsstelle wieder öffnen.

Die Nachfrage für Tresore steigt – nicht erst seit dem jüngsten Bankraub. Deutschlands Marktführer Burg-Wächter setzte im vergangenen Jahr 25 Prozent mehr Safes ab, mancher Händler erlebt eine Verdoppelung seiner Verkäufe in Berlin und Umland. Aber selbst die Anschaffung eines Tresors garantiert keine Sicherheit. Polizei und Versicherer mahnen, sich bei Auswahl, Umgang und In­stallation an strenge Vorschriften zu halten.

„Früher erkundigten sich Privatkunden vornehmlich, wie feuerfest ein Tresor ist“, sagt Ulli Schieferdecker von der Gesellschaft für Tresor- und Sicherheitstechnik, der in Berlin und Brandenburg die sogenannten Wertsicherungsschränke verkauft, liefert und installiert. Seit etwa einem dreiviertel Jahr aber stehe für sie nicht mehr die Rettung von Dokumenten im Vordergrund. „Inzwischen fragen sie, wie hoch die Versicherungssumme ist, wenn man darin bestimmte Bargeldsummen deponiert. Die Nachfrage privater Kunden ist inzwischen zweimal größer als zuvor.“ Bei Filialleiter Uwe Schreckenbach von Hartmann Tresore ging 2016 jeder zweite Geldschrank an Privatkunden, 2014 war es nur jeder dritte. Der Umsatz mit Tresoren stieg um ein Viertel.

Unsicherheit der Menschen hat zugenommen

Die Ursachen sind vielfältig. Gerrit Lüling, Marketingchef bei Burg-Wächter, sagt, die Unsicherheit der Menschen habe zugenommen. Die im vergangenen Jahr für 2015 veröffentlichte Polizeistatistik war für viele erschreckend: Bundesweit wurden 167.136 Wohnungseinbrüche registriert. Das waren nahezu zehn Prozent mehr als im Jahr zuvor – der höchste Stand seit 15 Jahren. In Berlin gab es 11.815 Einbrüche. Bei Wohnungen sank die Zahl, in Einfamilienhäusern und Villen dagegen waren es 633 Taten mehr als im Vergleichszeitraum. Hauptziele in Berlin: Grunewald sowie die Bereiche Heerstraße, Kurfürstendamm und Halensee.

Christian Fretter, Marketingleiter von Hartmann Tresore, sagt: „Von Kunden höre ich: Bei meinem Nachbar ist eingebrochen worden. Jetzt möchte ich mich schützen.“ Ulli Schieferdecker meint, dass viele Sparer angesichts Niedrigzinsen und drohender Strafzinsen für Sparer Geld zunehmend von ihren Bankkonten abziehen und im Tresor bunkern. Ein Brancheninsider, der ungenannt bleiben will, erklärt, der Wunsch seiner Kunden nach mehr Sicherheit fürs Ersparte werde auch mit der Zunahme von Flüchtlingen im privaten Umfeld begründet.

Doch der Verlust von Wertsachen wird von einer gängigen Hausratversicherung bei Einbruch daheim nur schlecht ersetzt. Charlotte Gerling von der Allianz etwa sagt, dass in der Regel Geld mit bis zu 2000 Euro, Urkunden, Wertpapiere und Sparbücher mit bis zu 5000 Euro ersetzt werden.

„So etwas lässt sich oft in zwei bis drei Minuten öffnen“

Nun irgendeinen Geldschrank anzuschaffen, daheim aufzustellen und zu füllen, ist da noch nicht die Lösung. Experte Schieferdecker erklärt, dass vor allem von günstiger Ware abzuraten ist. „So etwas lässt sich oft innerhalb von zwei bis drei Minuten öffnen.“ Zu achten sei auf eine Qualitätsplakette, die in Europa zugelassene Prüfinstitute und Zertifizierungsstellen vergeben. „Wer andere Ware kauft, etwa aus China, begeht nur Selbsttäuschung“, sagt Schieferdecker. Für Tresor-Händler Uwe Schreckenbach ist es wichtig, wohin der Safe kommt. „In einer Wohnung hört der Nachbar schnell, wenn nebenan am Gerät gesägt wird. In einer allein stehenden Villa können Einbrecher ungestört lautes und damit schwereres Gerät einsetzen. “

„Ich empfehle, im Vorfeld mit der Versicherung zu sprechen“, sagt Georg von Strünck, Erster Kriminalhauptkommissar und Präventionsberater der Polizei. „Wenn man beispielsweise Juwelen im Wert von 50.000 Euro sichern will, gibt der Versicherer vor, welche Anforderungen der Tresor erfüllen soll.“ Händler Schreckenbach kalkuliert, dass eine Summe von 60.000 Euro mit einem Schrank für 1000 Euro angemessen geschützt ist. Bestimmungen der Versicherungen sind etwa, einen Tresor bei einem Gewicht unter 1000 Kilo im Boden oder an der Wand zu verankern.

Davon aber, dass sich nicht jeder Safe-Besitzer in Berlin daran hält, zeugen Fotos, die bei der Kriminaltechnik des Landeskriminalamtes liegen. Zu sehen sind Tresore, die aus Berliner Gewässern gezogen wurden – abtransportiert, aufgebrochen und versenkt von Einbrechern.

Wer einen Geldschrank kauft, legt Wert auf höchste Diskretion. „Kunden, die ihren Tresor gleich selbst mitnehmen möchten, vermeiden es da oft, eine Adresse zu hinterlassen“, sagt Ulli Schieferdecker. „Die Rechnung wird ohne den Namen des Kunden ausgefüllt. Man zahlt in bar.“ Bei den unterschiedlichen Verschlusstechniken empfiehlt er Geräte mit Code. „Wer einen Tresor mit Schlüssel besitzt, tendiert dazu, ihn irgendwo in der Wohnung zu verstecken.“ Das habe lediglich zur Folge, dass Einbrecher bei der Suche für große Verwüstung sorgen. „Und glauben Sie nicht, dass Einbrecher nicht Verstecke ausfindig machen“, so Schieferdecker. Ratsuchenden, die in ihren Geldschränken nur Dinge von persönlichem Wert, etwa Familienunterlagen deponieren, um sie vor Brand zu schützen, empfiehlt Kriminalhauptkommissar von Strünck aus diesem Grund, den Schlüssel stecken zu lassen.

Mitunter wird Ulli Schieferdecker gerufen, wenn Besitzer den Code vergessen oder ihren Schlüssel verloren haben. „Dann müssen wir ran“, sagt er. Wer den Schrank kennt, weiß an welcher Stelle zu bohren ist, um den Schließmechanismus zu zerstören. „Und was uns gelingt, schaffen bestimmte Täter ebenso“, erklärt Schieferdecker. Händler Schreckenbach stimmt ihm zu und spricht von Elektrosägen, mit denen Täter einen Tresor binnen zehn Minuten öffnen. „Man darf nie vergessen, dass wir Hersteller unsere Technik ständig verbessern“, sagt er. „Aber die Einbrecher auch.“

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