Tarifstreit

Berliner Flughäfen drohen lange Streiks

Ver.di erklärt Tarifverhandlungen mit Arbeitgebern des Bodenpersonals für gescheitert. Die Gewerkschaft läutet jetzt die Urabstimmung ein.

Die Gewerkschaft Verdi hat die Tarifverhandlungen für die rund 2000 Beschäftigten des Bodenpersonals an den Berliner Flughäfen für gescheitert erklärt

Die Gewerkschaft Verdi hat die Tarifverhandlungen für die rund 2000 Beschäftigten des Bodenpersonals an den Berliner Flughäfen für gescheitert erklärt

Foto: Uwe Anspach / dpa

Den Berliner Flughäfen drohen weitere Streiks. Wie die Gewerkschaft Verdi mitteilte, könnten die Mitarbeiter des Bodenpersonals in Tegel und Schönefeld ab übernächster Woche in den unbefristeten Ausstand treten. Die Verhandlungen mit den Arbeitgebern seien vorerst gescheitert, sagte Verdi-Verhandlungsführer Enrico Rümker der Berliner Morgenpost. Nach der bislang letzten Tarifrunde am Freitag wurde kein weiterer Termin vereinbart. In der kommenden Woche will Verdi seine Mitglieder in Berlin und Brandenburg in einer Urabstimmung über den unbefristeten Streik abstimmen lassen. Bei einer Zustimmung von 75 Prozent wäre dies möglich, gerechnet wird sogar mit mehr als 90 Prozent.

Verdi fordert für die rund 2000 Beschäftigten, die für die Abfertigung der Passagiere und Flugzeuge verantwortlich sind, eine Erhöhung des Stundenlohns um einen Euro. Dieser liegt aktuell bei durchschnittlich elf Euro. Dabei soll der zurzeit geltende Tarifvertrag zunächst um zwölf Monate verlängert werden, damit weitere Anpassungen möglich sind. Die Arbeitgeberseite hat bislang eine Verlängerung des Vertrages um vier Jahre mit einer Lohnerhöhung von jährlich zehn Cent pro Stunde angeboten. „Nach fünf Verhandlungsrunden liegt nur ein unzureichendes Angebot vor, das von Verdi als nicht verhandelbar angesehen wird“, sagte Rümker. „Im europaweiten Vergleich sind die Löhne nirgendwo so niedrig wie in Berlin.“ Auch bei den weiteren Forderungen, etwa nach mehr Lohn für erfahrene Mitarbeiter beziehungsweise Urlaubs- oder Weihnachtsgeld, habe es kaum Bewegung gegeben. Die Arbeitgeber, die vom Allgemeinen Verband der Wirtschaft für Berlin und Brandenburg vertreten werden, bezeichnen die Streikmaßnahmen als „unverhältnismäßig“. Es sei ein „faires Angebot“ vorgelegt worden.

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Schon in dieser und der vergangenen Woche hatte das Bodenpersonal an zwei Tagen jeweils mehrere Stunden gestreikt. Insgesamt fielen rund 350 Flüge aus. Dem Vernehmen nach haben die Arbeitgeber derzeit wenig Interesse an einer Einigung. Offenbar geht es auch darum, Druck auf die Airlines auszuüben, damit diese mehr Geld für die Leistungen wie Check-in, Betankung und Gepäckverladung bezahlen.

Die Berliner Linke stellt sich auf die Seite der Streikenden. „Auch das Bodenpersonal braucht vernünftige Arbeitsbedingungen“, sagte die Landesvorsitzende der Partei, Katina Schubert. Die Verantwortung der Mitarbeiter sei sehr hoch. „Man bezahlt sie aber mies und behandelt sie als die letzten Bittsteller“, so Schubert. Das erhöhte Aufkommen an den Flughäfen müsse sich auch in einer vernünftigen Bezahlung niederschlagen. Im vergangenen Jahr stieg das Passagieraufkommen an den Flughäfen um mehr als elf Prozent. Laut Verdi verdienen die Angestellten aber deutlich weniger als noch vor zehn Jahren.

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